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Die Frage nach der geschichtlichen Rolle des Saarlandes

Die Frage nach der geschichtlichen Rolle des Saarlandes

In seinem Buch „Das Saarland – Geschichte einer Region“ geht Johannes Schmitt die Frage der historischen Rolle des Saarlandes als unabhängiges Land und Teil von Frankreich und Deutschland auf den Grund.

. "Gibt es überhaupt eine Saarland-Geschichte?", wollte Andreas Schorr im Kulturbistro SoHo wissen. Der Geschäftsführer des Röhrig Universitätsverlages meinte dies keinesfalls ironisch. Unser Bundesland hat durchaus wechselhafte Phasen hinter sich. Da muss die Frage nach der Identität mehr als erlaubt sein. Bei der zweiten Auflage von "Dengmerter Denger - Röhrigs Bücher im Gespräch", einer Art Mischung aus Buchvorstellung und Interview, stand Autor und Mitherausgeber Johannes Schmitt Rede und Antwort.

Er zeichnet sich für das Buch "Das Saarland - Geschichte einer Region" verantwortlich, welches der Historische Verein für die Saargegend im Herbst vergangenen Jahres herausgebracht hat. Mitherausgeber Hans-Christian Herrmann und der Lehrer Schmitt haben sich mit weiteren Autoren ihres Vereines auf den Weg gemacht, ein Werk zusammen zustellen, welches Standardwerk zur Geschichte des Saarlandes sein soll. Die Geschichte des Saarlandes sei so groß, wie das Saarland selbst, meinte Schmitt auf die eingangs gestellte Frage. Und Land selbst sei ein Produkt der Geschichte. Der Autor sieht die Französische Revolution als Ausgangspunkt für die Saarhistorie. "Vorher gab es keine Eigentümlichkeit", führt Johannes Schmitt als Grund an.

Der Pädagoge betonte aber, dass das Buch vor allem auch aufzeigen soll, wie das Saarland heute ist und wie es dazu kam. Kohle und Stahl, etwa gut Zweidrittel der Bevölkerung lebte in Spitzenzeiten von diesen beiden Industriebereichen, hätten ihre Spuren hinterlassen. Alleine deshalb sei die Region oft genug Zankapfel gewesen. Und dennoch könne man mehr als stolz auf unser Bundesland sein, meinte Schmitt zu Verleger Schorr. Er erinnerte auch an die Autonomie. Indirekt an eigene Sportnationalmannschaften. Und auch daran, dass sich 1952 ein Mentalitätsumbruch bemerkbar machte. Die Jüngeren gingen in die Parteien und wollten weg von der Selbstständigkeit. Frankreich, an das man damals dennoch sehr gebunden war, bemerkte diese Entwicklung nicht. Dort war man zu sehr mit den Kolonialkriegen beschäftigt.

Auch Johannes Hofmann konnte sich mit seinen Plänen, aus dem Saarland das erste europäische Land zu machen, nicht durchsetzen. Und dann wurde es im SoHo patriotisch: Johannes Schmitt brachte das auf den Punkt, was die meisten Einwohner unseres Landes wissen: Der deutsche Staat hat in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts sehr gut vom Saarland gelebt. Kohle und Stahl schrieben nur schwarze Zahlen. "Die Schulden wurden nicht aus Jux und Tollerei gemacht, sondern waren geschichtlich notwendig", rief Schmitt in Erinnerung.