Tierrettung: Die Feuerwehr rettet Tiere aus Notsituationen

Tierrettung : Die Feuerwehr rettet Tiere aus Notsituationen

Auch die Stadtverwaltung ist in solchen Fällen in der Pflicht. Die Ortspolizeibehörde erklärt, wie sich Finder richtig verhalten.

Ob eine Katze, die nicht alleine vom Baum kommt, ein Eulenbaby, das festsitzt oder ein angefahrenes Reh: jedem Lebewesen sollte geholfen werden. Aber wer rettet das verletzte Tier, wo wird es aufgenommen und wer übernimmt die Tierarztkosten? „Wer ein verletztes oder herrenloses Tier sieht, sollte uns unverzüglich den Fund des Tieres melden“, sagt Claudia Motsch, Abteilungsleiterin Allgemeine Ordnungsaufgaben der Ortspolizeibehörde auf Anfrage der SZ. Wenn das Tier dringend ärztlich behandelt werden muss und das Rathaus geschlossen ist, wie an Wochenenden oder nach Feierabend, dann könne der Finder den tierischen Notfallpatienten sofort in einer beliebigen Tierarztpraxis abgeben und dort eine Fundanzeige aufgeben. Der Arzt werde das Tier, beispielsweise eine Katze, im Laufe der Behandlung nach einer Tätowierung oder einem Chip absuchen, um den Besitzer zu kontaktieren. Dieser muss dann die Arztkosten für seine Mieze übernehmen. „Sofern die Polizeibehörde keinen Besitzer finden kann, ist grundsätzlich die Stadt verpflichtet, die notwendigen Kosten zu übernehmen“, erklärt Motsch. Im vergangenen Jahr habe die Stadt in sieben Fällen die Tierarztkosten gezahlt. „Im Durschnitt hat eine solche Behandlung 280 Euro gekostet“, sagt Motsch. Das sind zusammengerechnet fast 2000 Euro.

Die Männer der Freiwilligen Feuerwehr St. Ingbert rücken mehrmals im Jahr zu einer Tierrettung aus. Allein 2015 waren es elf Einsätze, 2016 sieben und in diesem Jahr bisher drei Notrufe. Eine nicht-alltägliche Rettung ist den Feuerwehrmännern in Hassel immer noch im Gedächtnis geblieben: Im Jahr 2002 riefen Anwohner in Hassel die Feuerwehr zur katholischen Kirche, weil dort zwei junge flugunfähige Schleiereulen in einer Regenrinne feststeckten. Im Laufe der Rettungsaktion fiel den Feuerwehrmännern jedoch auf, dass sogar vier Eulenkinder ihre Hilfe brauchen. Eine weitere Eule steckte im Fallschacht fest und den vierten gefiederten Patienten fanden die Tierretter auf dem Altar der Kirche. Die Feuerwehr übergab die Eulenkinder in die Obhut von Mitgliedern des Naturschutzbundes. Diese versorgten die Jungen und brachten sie wieder in ihr Quartier im Hasseler Kirchturm zurück. Es wird angenommen, dass der erste Flugversuch der Tiere schief gelaufen ist. Solche Rettungsaktion wären aber eher die Ausnahme erklärt Motsch: „In den meisten Fällen holen die Feuerwehrmänner Katzen von Dächern oder Bäumen oder befreien Katzen, die im Fenster eingeklemmt sind“.

Tierrettung sei eine „Pflichtaufgabe“ der Feuerwehr, die diese Rettungsaktionen der Stadt nicht in Rechnung stelle, erklärt sie weiter. Insbesondere Katzen müssten immer wieder gerettet werden: Ein kleines Katzenbaby steckte im Sommer des vergangenen Jahres in einem gekippten Fenster einer Wohnung fest. Nachbarn bemerkten das kleine hilflose Tier in seiner misslichen Lage. Sie informierten das Ordnungsamt, die die Feuerwehr alarmierte: „Feuerwehrmänner konnten das kleine Katzenkind schnell und unversehrt aus der gefährlichen Situation befreien“, beschreibt Motsch die Tierrettungsaktion. Insbesondere die kleine Tochter der Familie hätte sich sehr über die Rückkehr ihres Kätzchens gefreut und vor Freude geweint. In einem solchen Fall könne ein Bürger jederzeit die Feuerwehr alarmieren, sagt Motsch: „Aber nicht jedes Tier auf einem Baum ist automatisch ein Notfall. Wir hatten auch schon den Fall, dass eine Katze während der Rettungsaktion von alleine wieder herunter geklettert ist.“ Oftmals würde schon die Sirene des Feuerwehrautos reichen, um das Tier vom Baum zu locken. Als letztes war die freiwillige Feuerwehr St. Ingbert in Sachen Tierrettung am 17. Mai in Hassel unterwegs. Dort hatte sich eine Meise in etwa sechs Meter Höhe mit dem Fuß an einer Hausfassade verfangen. Mitarbeiter der Feuerwehr mussten die Straße kurzzeitig sperren. Mit einer Schiebleiter konnten sie den Vogel befreien. „Der Einsatz dauerte insgesamt 17 Minuten“, sagt Christoph Scheurer, Leiter des Ordnungsamtes.

Soweit so gut. Eine Außnahme gibt es jedoch: Stufen Mitarbeiter der Ortspolizeibehörde das verletzte Fundtier als „herrenlos“ ein, übernimmt die Stadt die Tierarztkosten nicht. Wo liegt der Unterschied zwischen einer Katze ohne Besitzer und einem herrenlosen Tier? „Ein herrenloses Tier ist beispielsweise eine Wildgans oder eine Schnappschildkröte im Rohrbacher Weiher. Also Tiere, die keinem gehören. Bei einer Katze oder einem Hund kann nicht immer eindeutig entschieden werden, ob das Tier wirklich herrenlos ist“, versucht Motsch den Sachverhalt zu erklären. Ein verletztes Reh oder ein Fuchs seien dagegen nicht herrenlos: „Diese Tiere fallen unter die Zuständigkeit des Waldpächters“.

Eine Katze war auf einer Brücke in Saarbrücken zwischen einer Betonwand und den Streben eines Geländers eingeklemmt. Vorsichtig befreiten die Mitarbeiter der Feuerwehr, geschützt mit dicken Handschuhen, die Katze. Weil das Tier danach völlig apathisch in der Ecke saß, wurde sie von ihren Rettern zum Tierarzt gebracht. Foto: BeckerBredel

Wer ein verletztes Tier in St. Ingbert findet und nicht weiß, wie er sich verhalten soll oder wer zuständig ist, der könne bei der Ortspolizeibehörde oder dem Ordnungsamt anrufen. Es gibt noch eine weitere Ausnahmesituation: „Wenn ein Bürger versäumt, den Fund rechtzeitig zu melden, muss er die Behandlungskosten selbst zahlen“, fügt Motsch hinzu. Innerhalb des nächsten Arbeitstages müsse der Finder sich melden, sonst gelte der Fund als versäumt. Einige Freiwillige hätten in der Vergangenheit die Tierarztgebühren selbst gezahlt, obwohl ihnen das gefundene Tier nicht gehöre. „Jeder kann die Tierarztkosten auch selbst übernehmen und damit seinen Beitrag zum Tierschutz leisten, um die öffentliche Hand nicht zu sehr zu belasten“, erklärt Motsch abschließend.

Mehr von Saarbrücker Zeitung