Die Farben lassen sich fühlen

Dagmar Barth und Georg Hopp sind zufrieden: Die Schwankhalle der alten Becker-Brauerei als Ausstellungsraum liefert das perfekte Licht. Es kommt von oben und setzt die farbenfrohen Arbeiten der Geschwister wirkungsvoll in Szene.

. Dagmar Barth ist Modedesignerin und schon von Berufs wegen kreativ. Das zeigte die Künstlerin bereits im vergangenen Jahr, als sie erstmals mit ihrer Malerei bei "Kunst am Beckerturm" ausstellte. Die Beteiligung bei den Turmkünstlern lag nahe, da sie im Innovationspark ein Atelier gemietet hat. Sie fühlt sich dort sehr wohl und hat Raum, um sich mit Pinsel und Farbe und ihren großformatigen Leinwänden zu entfalten. Doch sie sprudelt nur so vor Ideen und hat deshalb viele Bilder, die nur darauf gewartet haben, gezeigt zu werden. Neben ihren Räumen befindet sich die Schwankhalle der ehemaligen Becker-Brauerei, ein hallenähnlicher Raum, dessen eigenwillige Architektur sich geradezu für Ausstellungen anbietet.

Das dachte wohl auch Dagmar Barth, als sie bei Stefan Braun, dem Geschäftsführer des Innovationsparks, um Genehmigung für eine Präsentation nachfragte, die noch um Fotografien von ihrem Bruder Georg Hopp ergänzt wurde. Dieser stellte erstmals gemeinsam mit seiner Schwester aus und reiste dafür extra aus Münster an. Am vergangenen Samstag waren die Wände der Schwankhalle mit allem gefüllt, was Barths Atelier hergab. Es waren Werke, die von 2011 bis heute entstanden.

Die intensiven Farben der Gemälde schienen förmlich für die nüchterne Architektur des Industriegebäudes gemacht. Immer wieder schwärmte Hopp vom "irren, intensiven Licht", das durch die oberen, interessant angeordneten Fenster einfiel und dadurch sowohl Fotos als auch Malereien wirkungsvoll in Szene setzte. Von der Weite des Raumes wurden die Blicke immer wieder zu den Objekten an den Wänden gelenkt. Barth zeigte Anatomiestudien, Naturbeobachtungen, abstrakte, aber in jedem Fall durch ihre Farbigkeit auffallenden Bilder, die zum Teil ihre jeweiligen Stimmungen bei deren Entstehen widerspiegelten. Bei der eintägigen Schau blieb viel Raum für Kommunikation, und die Besucher fragten auch bei Georg Hopp nach, wie und wo er seine Motive findet.

So erfuhr man, dass viele der Fotos von Frankreich auch während eines Familienurlaubs entstanden. Die Bilder des Tiefbauingenieurs zeichneten sich durch den speziellen Blick auf das Wesentliche einer Landschaft aus, er hat den "Blick für den Augenblick", wie seine Schwester auf ihrer Homepage schreibt. Er gab einige Kostproben seines Projektes "Bildschichten", bei denen die Fotografien digital bearbeitet, ausgeschnitten und räumlich nach vorn auf das Glas der Bilderrahmen gezogen werden, was die Aufnahme plastisch wirken lässt.

In einem Bild fanden sich beide Geschwister mit ihren Arbeiten wieder, die auch zusammengesetzt ein stimmiges Ganzes ergaben. Dagmar Barths Werke wurden oft herangezogen, um später auf Stoff gedruckt zu werden. "Der schmeißt sich in Schale" sagt man umgangssprachlich zu jemandem, der sich schick anzieht. Wer Kleider aus Stoffen nach Barths Vorlagen anhat, fällt definitiv auf. Farbenfrohe Papageien, Blumen und geometrische Elemente machen solch ein Kleidungsstück zum Hingucker.

Das konnte man in Katalogen mit Kleidern sehen, die die Handschrift der Wahl-St.-Ingberterin tragen. Rolf Schneider von "Modedruck Gera" ist beispielsweise einer, der die Ideen der 49-Jährigen tragbar macht, und er war eigens aus dem Thüringischen gekommen, um die Ausstellung seiner Designerin zu begleiten. Auch er war angetan von diesem besonderen Raum der Schwankhalle, der ruhig öfter für solche Ausstellungen genutzt werden dürfte.

dagmarbarth.de