1. Saarland
  2. Saarpfalz-Kreis
  3. St. Ingbert

Die Erfolgsgeschichte von Special Olympics

Sportangebot für behinderte Menschen kommt im Saarland gut an : Die Erfolgsgeschichte von Special Olympics

Die Sportbewegung für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung bietet auch im Saarland viel an. Zwei Rohrbacher stind dabei ganz vorne mit dabei, hinter und vor den Kulissen.

Auch die Verantwortlichen von Special Olympics Saarland ziehen derzeit eine Bilanz des Corona-Jahres 2020. Special Olympics ist die weltweit größte vom Internationalen Olympischen Komitee anerkannte Sportbewegung für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung. Ihr Ziel ist es, Menschen mit geistiger Behinderung durch den Sport fit und gesund zu halten. Ein weiteres Anliegen: Diesen Menschen soll entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit und abhängig von ihren Leistungslevels ermöglicht werden, Sport zu treiben und an Wettbewerben teilzunehmen. Dies soll zu mehr Teilhabe an der Gesellschaft sowie zu mehr Anerkennung und Selbstbewusstsein verhelfen.

Um diese Ziele zu erreichen, werden 26 Einzel- und Mannschaftssportarten angeboten. Gleichzeitig wird an diejenigen gedacht, die aufgrund der Schwere ihrer Behinderung nicht an regulären Wettbewerben teilnehmen können. Für sie wurde ein wettbewerbsfreies Angebot entwickelt. Weltweit werden diese Angebote in 175 Ländern von mehr als fünf Millionen Sportlern angenommen. In Deutschland trainieren derzeit mehr als 40 000 Athleten mit geistiger und mehrfacher Behinderung nach den Regeln von Special Olympics. Dank des Sports können sie viel besser am öffentlichen Leben teilnehmen. Außerdem werden teils jahrelang unentdeckte Talente gefördert und persönliche Stärken herausgearbeitet.

Auch im Saarland wurden sehr viele Erfolge erzielt und Fortschritte eingeleitet. Hier verhilft der saarländische Landesverband seit 2007 über 500 Kindern und Jugendlichen in 13 Förderschulen des Saarlandes – die ihrerseits mit den Grundschulen, Gemeinschaftsschulen und Gymnasien kooperierend Sport betreiben – durch den Sport zu eigenen Zugangs- und Wahlmöglichkeiten bezüglich der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Das Angebot richtet sich an Schüler und Erwachsene, nach ihrer Schul- oder Arbeitszeit aktiv Sport zu treiben. Es ist extrem breit gefächert und beinhaltet Sportarten wie Boccia, Eislaufen, Fußball, Floorball, Leichtathletik, Schwimmen, Tischtennis und Radfahren. Mitglied von Special Olympics Saarland sind SV Oppen, ATSV Saarbrücken und LAZ Saarbrücken.

Das Besondere dabei: In sämtlichen Vereinen wird Leichtathletik in inklusiver Form – also von Menschen mit und ohne Behinderung – gemeinsam trainiert. Etliche Sportler trainieren auch in Sportvereinen außerhalb des Mitgliedsbereichs von Special Olympics. Wer in den vergangenen Jahren die Entwicklung verfolgt hat, sah, dass die erstmals 2017 in Saarbrücken durchgeführten Landesspiele für große Begeisterung sorgen. Über diese Landesspiele konnte man sich für die nationalen Spiele 2018 in Kiel qualifizieren. Und das große Schwimmfest im Schwimmbad „Das Blau“ in St. Ingbert zieht bereits seit 2008 die Teilnehmer in den Bann. Sehr eng ist die Zusammenarbeit mit Luxemburg, im Nachbarland werden Jahr für Jahr die Nationalen Spiele besucht. Darüber hinaus gibt es weitere stets gut besuchte Events, wie beispielsweise die Europäische Fußballwoche.

Und natürlich freut man sich immer über erwähnenswerte Erfolge für Saarsportler. 2014 durfte Daniel Sträßer aus Rohrbach als Teil des deutschen Leichtathletikteams an den Europäischen Spielen von Special Olympics in Antwerpen teilnehmen und kehrte mit zwei Bronzemedaillen ins Saarland zurück. Ein schöner Erfolg war auch  2017 die Silbermedaille des Unified-Teams „Saarfloors“ von der Schule Winterbachsroth in Dudweiler bei den nationalen Winterspielen in Willingen. Im gleichen Jahr errangen vier Saar-Sportler bei den nationalen Spielen von Frankreich in Nantes vier Gold- und zwei Bronzemedaillen.

Der Sport in der Gemeinschaft ist aber nur die eine Seite der Medaille. Special Olympics steht auch für das Gesundheitsprogramm Healthy Athlets. So wurden beispielsweise bei den Landesspielen in Saarbrücken an zwei Tagen fast 500 Untersuchungen in vier Programmen durchgeführt. Dabei geht es um fitte Füße, Gesundheit im Mund, ein besseres Sehvermögen und Bewegung mit Spaß. Der Lohn für all diese Aktionen und Anstrengungen: Seit Juni 2018 ist Special Olympics Saarland ordentliches Mitglied im Landessportverband. Es gibt aber auch noch den „Special Olympics Saarland Sportverein“, der von einem ehrenamtlichen Vorstand geführt wird. Mitglieder in diesem Sportverein sind die Special-Olympics-Athleten, ihre Familien und Freunde von Special Olympics. Der Sportverein möchte seine Sportler und deren Familien bei der Suche nach ihrer Lieblingssportart und nach einem passenden Verein in ihrem Heimatort unterstützen. Darüber hinaus werden eigene Sportangebote unterbreitet und Wettbewerbe in verschiedenen Sportarten veranstaltet. Die Athleten werden über Sportfeste inner- und außerhalb des Saarlandes informiert. Der Verein hilft in Sachen Anmeldung zu den Wettbewerben und Suche nach Begleitern, sofern die Eltern oder Trainer keine Zeit haben. Ein zusätzlicher Angebotspunkt ist die Beteuung von Sportferien im Sommer. Bei gemeinsamen Freizeitaktivitäten geht es unter anderem um Bowling, Klettern, Eislaufen, Kino, Grillfeste, Wandern, Radtouren und Minigolf.

Hans Jürgen Sträßer aus Rohrbach ist der Vater des bekannten Special-Olympics-Athleten Daniel Sträßer. Hans Jürgen Sträßer ist der 2. Vorsitzende des „Special Olympics Saarland Sportvereins“ und hilft auch bei Special Olympics Saarland im Orgabereich mit. „Rein aus finanzieller Sicht war das Jahr 2020 nicht so schlimm, da es für uns von verschiedener Seite aus Zuwendungen gab. Wir freuen uns natürlich über jeden einzelnen Geldbetrag, den wir dann zum Wohl der Sportler einsetzen können. Jede Ehrung und jeder Geldbetrag ist selbstverständlich auch für uns ein großer Anreiz, weiterhin am Ball zu bleiben“, betont Sträßer. In sportlicher Hinsicht sei das Jahr noch normal angelaufen, ehe die Corona-Pandemie für Ausfälle von Sportveranstaltungen gesorgt hatte. Man ließ sich jedoch nicht unterkriegen und versuchte unter der strengen Einhaltung der Corona-Maßnahmen, Akzente zu setzen.

Ein großer Erfolg sei unter anderem der Spendenlauf am 23. Mai gewesen. Jedem der 14 Landesverbände kamen dabei die Spenden eines zugewiesenen Tages zu Gute. „Ein großer Erfolg war auch unsere Ferienfreizeit“, freut sich Sträßer. Sie fand vom 13. Juli bis zum 2. August im Bildungszentrum der Arbeitskammer in Kirkel statt. Die Teilnehmer wurden in drei Gruppen aufgeteilt, die jeweils eine Woche lang vor Ort weilten. „Es war bemerkenswert, wie einerseits die Abstands- und Hygieneregeln eingehalten und andererseits mit Sport, Spiel und Spaß toll kombiniert wurden“, erklärt Sträßer. Aber es hätte auch weniger schöne Momente gegeben, als unter anderem der Special-Run in Illingen oder das Schwimmfest in St. Ingbert abgesagt werden mussten.

Am 24. April 2018 sorgte ein Fackellauf von Special Olympics Saarland in St. Ingbert für großes Aufsehen. Die Fackel trug Daniel Sträßer. Foto(s): Stefan Holzhauser Foto: Stefan Holzhauser
Daniel und sein Vater Hans Jürgen Sträßer (von links) sind bei Special Olympics Saarland nicht mehr wegzudenken. Foto: Stefan Holzhauser
Auch die Fußballer der Förderschulen sind stets mit großem Eifer dabei. Foto: Stefan Holzhauser
Beim Schwimmfest in St. Ingbert ist stets sehr viel los. Foto(s): Stefan Holzhauser Foto: Stefan Holzhauser
Beim großen Schwimmfest im St. Ingberter Bad „Das Blau“ herrscht stets sehr großer Betrieb. Foto: Stefan Holzhauser

Und wie lautet die Prognose für 2021? „Es ist leider so, dass die für Juli 2021 geplanten Landesspiele an der Saarbrücker Sportschule nicht stattfinden können. Dafür hätte bereits ein Jahr vorher Geld gesammelt werden müssen. Wir haben es aber nicht übers Herz gebracht, Firmen nach Spenden zu fragen, die ihre Mitarbeiter coronabedingt in Kurzarbeit schicken mussten“, betont Sträßer. Andere Veranstaltungen sollen möglichst über die Bühne gehen und auch Events außerhalb des Saarlandes besucht werden. „Es wäre für die Sportler richtig toll, wieder gemeinsam an den Start gehen zu können. Aber natürlich wissen auch wir ganz genau, dass wir in sehr vielen Dingen von der Coronaentwicklung abhängig sind“, sagt Sträßer.