1. Saarland
  2. Saarpfalz-Kreis
  3. St. Ingbert

Die Einwohner von St. Ingbert sollen wieder heimische Vögel zählen

Nabu St. Ingbert : Jetzt heißt es wieder Wintervögel zählen

Naturfreunde sind wieder aufgerufen, den Bestand der überwinternden Vogelarten zu erheben.

Noch bis Sonntag, 12. Januar, ist unter dem Motto „Stunde der Wintervögel“ Deutschlands größte wissenschaftliche Mitmachaktion terminiert. Die vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) und dem Landesbund für Vogelschutz in Bayern organisierte jährliche Zählung der überwinternden Vögel in Deutschland findet bereits zum zehnten Mal statt. Zur Teilnahme aufgerufen ist jeder. Freude an der Natur ist alles, was man braucht, um mitzumachen. Tiefere Kenntnisse über die lokale Vogelwelt sind nicht nötig. Auch Meldungen von den vertrauten und weit verbreiteten Vogelarten sind sehr erwünscht. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer liefern damit wichtige Daten über die Verbreitung unserer häufigeren, heimischen Vogelarten. Insbesondere stellt sich die Frage, wie sich anhaltende Dürre und Hitze der letzten beiden Rekordsommer auf die heimische Vogelwelt ausgewirkt haben.

Bei der Aktion im Januar 2018 hatten 13 000 Personen teilgenommen. Gemeldet wurden 3,5 Millionen Vogeldaten von 9511 Beobachtungsplätzen. Das ist ein neuer Teilnahmerekord und zeigt, wie groß das Interesse an der heimischen Vogelwelt ist. Allerdings: die Zahl der gemeldeten Vögel ging leicht zurück. Wurden im Rekordjahr 2011 noch fast 46 Vögel pro Garten gemeldet, waren es 2019 nur 37, ein Wert unterhalb des langjährigen Mittels. Beispiele für Rückgänge waren klassische Futterhausbesucher wie Kohlmeisen, Blaumeisen, Sumpf- und Tannenmeisen. Vermutet wird, dass weniger Vögel in die Gärten kamen, weil die schneefreien Winterwälder noch ausreichend Nahrung boten. Auch Teilzieher aus dem Norden und Osten Europas waren vermutlich weniger nach Deutschland gekommen, da der Winter in ganz Europa eher mild war. Ob vielleicht auch ein tatsächlicher Rückgang an Vögeln die Ursache für die geringeren Zählwerte sein könnte, muss in Zukunft aufmerksam verfolgt werden.

Bundesweit waren Haussperlinge am häufigsten. Fast 600 000 wurden registriert und somit 14 Prozent mehr als im Januar 2018. Die Kohlmeisen konnten den zweiten Platz behaupten. Auf Platz drei schoben sich überraschend die Feldsperlinge vor, wobei es große regionale Unterschiede gab. Blaumeisen und Amseln folgen, beide jedoch mit Bestandsrückgängen über zehn Prozent. Die Plätze 5 bis 10 belegen Buch- und Grünfinken, Elstern, Erlenzeisige und Stare. Der Erlenzeisig war der große Gewinner der letztjährigen Zählung. Waren 2018 noch 41 212 Exemplare gemeldet worden, war ihre Anzahl auf 106 431 im Januar 2019 angewachsen.

Auch in der Gustav-Clauss-Anlage hatte ein großer Schwarm Erlenzeisige in Nadelbäumen überwintert. Die Art besiedelt ein Areal von Westeuropa bis Zentralasien. Dort werden Bergwälder Nadel- und Mischwaldarten als Lebensraum bevorzugt, manchmal auch mit größeren Höhen bis um 1800 Meter. In deutschen Mittelgebirgen und im Alpenraum können Erlenzeisige ganzjährig beobachtet werden. Beim Schwarm in der Gustav-Clauss-Anlage, handelt es sich sehr wahrscheinlich um Tiere aus nordeuropäischen Populationen. Diese ziehen im Herbst nach Mitteleuropa oder noch weiter nach Süden, um der winterlichen Nahrungsknappheit in ihren Brutgebieten zu entgehen. In ihrem Überwinterungsgebiet halten sie sich gerne in Parks und in Gärten auf, wo sie hauptsächlich Erlen- und Birkensamen fressen.

Im Saarland und im Saarpfalz-Kreis blieben die vorderen Platzierungen bei der Zählung unverändert. Wie 2018 belegten Kohlmeisen und Haussperlinge die beiden vorderen Plätze. Den Blaumeisen auf Rang drei folgen Stare, Amseln, Rabenkrähen und Elstern. Starke Zuwächse im Kreisgebiet wurden bei Ringeltauben und Schwanzmeisen registriert. Auch die lange verschwundenen Kolkraben wurden wieder beobachtet.

Wie ist bei der Zählaktion zu verfahren? Ein Platz im Garten, von dem aus Sie gut beobachten können, genügt. Notieren Sie im Laufe einer Stunde von jeder Vogelart die höchste Zahl an Exemplaren die Sie gleichzeitig von ihrem Standort aus beobachten konnten. Mit dieser Methode soll vermieden werden, dass einzelne Tiere mehrfach gezählt werden und somit die Bestandszahlen verfälscht werden. Sofern verschiedene Stellen zur Beobachtung aufgesucht werden, können sie auch an drei Tagen zählen oder jeden Tag mehrfach. Ein Fernglas ist dabei nützlich, aber nicht zwingend notwendig. Für jede Zählung wird eine separate Beobachtungsliste ausgefüllt.

Wo kann gezählt werden? An vielen Plätzen, zum Beispiel am Futterhäuschen, im Garten, auf dem Balkon, im Park oder auf dem Friedhof. Auch Beobachtungen von Stellen in Wäldern oder in der offenen Landschaft sind willkommen.

Die Nabu-Ortsgruppe St. Ingbert lädt zudem zur „Stunde der Wintervögel“ am Samstag ab 10 Uhr ein. Bei einem Rundgang in der Gustav-Clauss-Anlage werden die Standvögel und Wintergäste gezählt. Treffpunkt: Parkplatz an der alten Tischtennishalle, Zufahrt von der Gartenstraße möglich.