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Die Corona-Bilanz der Ortsvorsteherin von St. Ingbert

Corona-Bilanz für St. Ingbert-Mitte : Kaiser: „So viel Freizeit hatte ich noch nie“

Die Ortsvorsteherin von St. Ingbert, Irene Kaiser, blickt auf den Corona-Lockdown zurück. Es war eine Zeit der Einschränkungen sowie des politischen Experimentierens – und neuer persönlicher Freiheiten für die seit wenigen Monaten pensionierte Lehrerin.

Kalt erwischt von Corona wurde die Ortsvorsteherin von St. Ingbert-Mitte. Irene Kaiser (CDU) erklärt: „Es ging von 100 auf 0.“ 100 – das war zur Faschingszeit, als man vereinzelt von dem neuartigen Virus hörte, aber dennoch im Grunde alles seinen gewohnten Gang mit Veranstaltungen nahm. 0 – dazu kam es dann, nachdem sich die Absagen gehäuft hatten. Die Reinigungsaktion Picobello beispielsweise zusammen mit dem THW wurde abgesagt, oder auch die Einweihung des neuen Wasserspielplatzes in der Gustav-Clauss-Anlage.

Auch eine ihrer größten Aufgaben kam quasi zum Stillstand: die Gratulationen. Zwischen 40 und 60 Gratulationen tätigt sie monatlich zum 80., 90. oder 95 Geburtstag oder besucht im Namen der Stadt Ehepaare zu deren Jubiläum. Das war wegen der Kontaktbeschränkungen natürlich so nicht mehr möglich. Sie musste die Gratulationen im März teilweise und im April ganz aussetzen und informierte die Jubilare auf dem postalischen Weg. Anfang Mai liefen die Gratulationen wieder an, jedoch immer mit dem vorgeschriebenen Abstand. Einige der Senioren sind natürlich einsam und haben kaum jemanden, mit dem sie reden können. Eine Frau mit rundem Geburtstag bat sie beispielsweise mehrfach darum, doch kurz zu ihr hereinzukommen, was Irene Kaiser aber verneinen musste. „Das hat mir fast das Herz gebrochen“, erzählt sie.

Ihre Enkel durfte sie ebenfalls mehrere Wochen nicht sehen. Außerdem wurde sie bereits im Februar in den Ruhestand versetzt. Die jetzt ehemalige Lehrerin war an der Gemeinschaftsschule Geschwister Scholl in Blieskastel verantwortlich für die Berufsorientierung der Schüler und damit immer voll mit Terminen und Veranstaltungen ausgelastet. Mit Corona kam also viel Freizeit. „Das habe ich in meinem Leben so noch gar nicht gehabt“, erklärt sie nachdenklich. Diese Zeit nutzte sie, um die wunderschöne Gegend um die Biosphärenstadt noch weiter zu erkunden; zu Fuß oder auch mit dem Rad. „Ich war jeden Tag im Wald“, sagt sie. War sie mal nicht auf Tour, machte sie zu Hause klar Schiff, räumte auf.

Ende April war sie maßgeblich mit an der Maskenverteilung beteiligt. Die Landesregierung hatte fünf Masken pro Haushalt zur Verfügung gestellt, die Kommunen waren für die Verteilung zuständig. „Das war schon eine Mammutaufgabe“, blickt sie zurück. Von morgens bis abends waren städtische Bedienstete und viele freiwillige Helfer unter Federführung der Personalabteilung dabei, die angelieferten Masken in der Stadthalle, unter den vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen, in Fünferpacks einzutüten. Zusammen mit der Abteilung Zentrale Dienste und Heike Hartinger, die für das Projektcontrolling zuständig ist, mussten einzelne Straßen zu Verteilbezirken zusammengefasst werden und auf die freiwilligen Helfer verteilt werden.

Ebenfalls eine Herausforderung sei die Tatsache gewesen, dass statt der regulären Ortsratssitzungen ab März lediglich Sondersitzungen stattfinden konnten, die zeitlich sehr begrenzt waren und in denen nur die dringendsten und zur Beschlussfassung des Corona-Ausschusses im Stadtrat notwendigen Punkte beschlossen werden konnten. Der sonst persönliche Austausch mit ihren Kolleginnen und Kollegen aus den anderen Stadtteilen und dem Oberbürgermeister fand jetzt per Telefonkonferenz statt, sodass alle immer umfassend informiert waren. Sitzungen des Stadtverbandes und des Landesvorstandes der CDU, wo sie Mitglied ist, fanden per Videokonferenz statt. „Mittlerweile beherrsche ich den Umgang mit den Plattformen wie Zoom, Webex ,Go To Webinar oder Go ToMeeting“, sagt sie lächelnd.

Mit den Ortsratsmitgliedern stand sie per E-Mail in Kontakt und informierte über Termine und aktuelle Informationen. „Einige Themen konnten wir nicht im Ortsrat beraten“, erklärt sie. Da aber nun auch mal wichtige Dinge zu entscheiden sind und Irene Kaiser im Zweifelsfall auch weisungsbefugt ist, mussten einige Entscheidungen getroffen werden.

Auch einige Hilferufe aus der Gastro-Szene konnten kurzfristig und ohne großen bürokratischen Aufwand positiv beantwortet werden. Vor einem Café-Restaurant wurden die Motorradplätze zur erweiterten Außenbestuhlung umfunktioniert. Ein weiteres Restaurant fragte an, ob es einen Grünstreifen beziehungsweise Bürgersteig für den Biergarten mitnutzen könne. Auch dies wurde schnell umgesetzt. „Das sind notwendige Unterstützungsmaßnahmen in Zeiten von Corona“, erläutert sie. Positiv wertet sie auch das Zusammenarbeiten der Ortsvorsteher in der Mittelstadt in puncto Seniorentage. Da diese in den jeweiligen Ortsteilen aus offensichtlichen Gründen ausfallen müssen, konnte man das Budget, das dafür eingeplant war, für etwas anderes einsetzen können: für den Ausbau von Wegen und Besucherzonen in Senioreneinrichtungen im ganzen Stadtgebiet.