Die Berufsakademie verlässt St. Ingbert

Die Berufsakademie verlässt St. Ingbert

St. Ingbert. Eine Ära geht zu Ende: Die im Jahr 1991 gegründete Berufsakademie Saarland verlässt St. Ingbert. Wie erst jetzt auf SZ-Nachfrage bekannt wurde, traf die Akademie-Leitung ihre Entscheidung bereits am 19. März. Die rund 600 Studierenden und 15 Mitarbeiter nehmen ab Januar 2014 ihre Arbeit in Neunkirchen auf. Das bestätigte der Sprecher der ASW-Geschäftsführung, Andreas Metz

St. Ingbert. Eine Ära geht zu Ende: Die im Jahr 1991 gegründete Berufsakademie Saarland verlässt St. Ingbert. Wie erst jetzt auf SZ-Nachfrage bekannt wurde, traf die Akademie-Leitung ihre Entscheidung bereits am 19. März. Die rund 600 Studierenden und 15 Mitarbeiter nehmen ab Januar 2014 ihre Arbeit in Neunkirchen auf. Das bestätigte der Sprecher der ASW-Geschäftsführung, Andreas Metz. Leicht sei die Entscheidung nicht gefallen, aber "nach intensiver Diskussion und sauberer Abwägung aller sachkonzentrierten Kriterien", so Metz, wurde sie für Neunkirchen und gegen St. Ingbert getroffen. Grund ist der Platzmangel. Metz: "Wir brauchen mehr Räume, und das schon relativ bald." Wo genau die ASW im kommenden Jahr ihr neues Quartier aufschlägt, soll im Laufe dieses Monats bekannt gegeben werden. Die Entscheidung der ASW-Spitze hat im St. Ingberter Rathaus für große Enttäuschung gesorgt. Bei Hauptamtsleiter Reinhard Bläs und dem Leiter der Wirtschaftsförderung, Thomas Debrandt, sitzt der Stachel doppelt tief. Einmal natürlich wegen des Verlustes dieser wichtigen Bildungsinstitution, aber auch wegen einer Mitteilung der SPD-Fraktion im Stadtrat: Der wurde zugetragen, dass die Stadtverwaltung die Verhandlungen über einen Verbleib der Akademie "verschleppt" habe.Stadtsprecher Peter Gaschott bezeichnet diesen Vorwurf als "eine Lüge." Bläs und Debrandt erklärten warum: "Unmittelbar nach seinem Amtsantritt im Sommer vergangenen Jahres hat Oberbürgermeister Hans Wagner Kontakt zur ASW aufgenommen. Die haben damals schon signalisiert, dass mit steigenden Studentenzahlen zu rechnen seien und deshalb größere Säle benötigt würden", sagte Reinhard Bläs.

Unmittelbar begann die Stadt mit der Suche nach einem neuen Domizil. So kam es im November zu einem Besuch im leer stehenden Gebäude der Bundesanstalt für Arbeit in der Spitalstraße. Dort wurde eine spektakuläre Idee geboren: eine Brücke zum früheren Sinn-Gebäude. Nachdem diese Variante aus Kostengründen nicht weiter verfolgt wurde, kam Ende Januar die Ludwigsschule ins Spiel, Anfang Februar lagen schon Pläne über An- und Umbauten vor. Doch das hätte zwei wenn auch nah beieinander liegende Standorte bedeutet. "Der Verschleppungsvorwurf ist nicht haltbar", ärgert sich Bläs. "Wir haben alles getan, aber mit Sicherheit nichts verschleppt", stimmt Debrandt zu.

Das will die Stadtratsfraktion der CDU jetzt genauer wissen. Eine öffentliche Sondersitzung des Bildungs- und Biosphärenausschusses hat sie bereits beantragt. Dort soll geklärt werden, wie es zu der ASW-Entscheidung kommen konnte. Auch dürfte Oberbürgermeister Hans Wagner darüber Auskunft geben müssen, weshalb die Verwaltung nicht über die Umzugspläne der ASW informiert habe.

Die einzige Chance, die ASW in der Stadt zu halten, wäre wohl ein Neubau gewesen. Diese Variante ist aber am finanziellen Spielraum der Stadt gescheitert. "Es hätte auch keine Förderungsmöglichkeiten für einen Neubau gegeben", begründet Debrandt. Nun läuft die Suche nach einem neuen Nutzer für das Gebäude an der Kohlenstraße, das sich weiterhin im Besitz der Karlsberg-Brauerei befindet. Laut Debrandt wird mit neuen Mietern verhandelt, spruchreif sei allerdings noch nichts. Dieselbe Stellungnahme gab auch Karlsberg-Sprecherin Petra Huffer ab. Das Unternehmen bedaure zwar die Entscheidung der ASW, die von Karlsberg mitbegründet und begleitet wurde, akzeptiere sie aber. Die neun Studenten, die derzeit parallel zu ihrer Ausbildung bei Karlsberg in St. Ingbert studieren, gehen mit nach Neunkirchen. Für Karlsberg bleibt praktisch alles beim Alten. "Wir haben alles getan, aber mit Sicherheit nichts verschleppt."

Thomas Debrandt, Leiter der Wirtschaftsför-

derung der Stadt St. Ingbert