1. Saarland
  2. Saarpfalz-Kreis
  3. St. Ingbert

Dialekt-Künstler zeigen sich in Bestform

Dialekt-Künstler zeigen sich in Bestform

Sprechen, wie einem der Schnabel gewachsen ist: Das war lange Zeit verpönt, nun ist die Mundart wieder buchstäblich in aller Munde. In Bebelsheim wurde ihr jetzt wieder ein ganzer Abend gewidmet.

Mundart ist wieder "in". Im Saarland gab es vor einiger Zeit eine Kampagne zur Förderung der Muttersprache. Auch das Regionalfernsehen sendete einen Tag komplett auf saarländisch. Im Mandelbachtaler Ortsteil kann man damit niemanden beeindrucken. Hier ist Dialekt im Alltag ebenso selbstverständlich wie alle zwei Jahre der Mundartabend der Heimatfreunde. Am Samstag fand im Dorfgemeinschaftshaus die siebte Auflage der Veranstaltung statt. Mit über 30 Akteuren knüpfte man an die seit 20 Jahren bestehende Tradition der Mundartabende im Ort an.

Tränen in die Augen der Besucher trieben deren Lieblingskünstler, die sich bereits über Jahre hinweg Sympathien erobert haben. Beispielsweise Else Mohler aus Lautzkirchen, die Moderator Werner Untersteller als "gestandene Hausfrau" angekündigt hatte. Sie trat dieses Mal jedoch als Kirchgängerin auf und beschrieb Auffälligkeiten etwa bei der Heizung im Gotteshaus: Das ganze Jahr werde dafür gesammelt, nie ist sie eingeschaltet. Ist der Herd zu Hause auch aus? Mal ehrlich: Wem ging der Gedanke während der Messe nicht schon durch den Kopf? Da plauderte "De Plattmacher" (Günther Hussong) regelrecht aus dem Nähkästchen. Er kann auf Feten doofe Sprüche bringen, ohne betrunken zu sein. "Brauche Emanze e Mann zem Danse, geh'n die Emanze ach e mol uffs Ganze", beschrieb er seine Erfahrung mit dem Gast auf der Dinner Party von "Schumachersch Thekla aus Saarbrigge". Nicht ohne darauf hinzuweisen, dass Gott - hätte er gewollt, dass Männer tanzen - die Frauenfüße nach hinten angeordnet hätte.

Da hat "Bauersch Irmche" (Irmgard Bauer) aus Ormesheim ganz andere Sorgen als sie ihre Kindheitserinnerungen vortrug. Obwohl bereits zum vierten Mal dabei, will die 82-jährige nicht mehr auftreten. Wenn sie zum Brot holen in den Keller geht, komme sie mit Sprudel zurück. Da sei noch nicht das letzte Wort gesprochen, meinte Organisator Arno Soffel und grinste dabei. Ebenfalls seine Kindheit hatte auch Lokalmatador Roger Wack zum Thema. Die verbrachte der Neu-Bebelsheimer zwar in Neunkirchen, doch auch in den Erinnerungen ans Eisenwerk und an die frühere Straßenbahn lässt sich vor allem gesanglich gut philosophieren. Auch dem Gründer des Mundartabends, Willi Herter, gelang mit "De Räänwurm" die Auseinandersetzung mit dem possierlichen Tierchen. Die fänden gar ohne Navi den Salat. Kritisch aber humorvoll widmete sich der Auftritt von "Es Labbrechd" den Enteignungsplänen des Landes, ein Naturschutzgebiet zu erschließen. 13 Mitwirkende stellten Zusammenhänge mit dem "Laabrecht" her. Mit ihm durften Zugezogene früher zeitversetzt in dörflichen Belangen mitreden.