Deutscher Hochschulmeister im Cricket in St. Ingbert ermittelt

Cricket : Schlagball-Fans kamen auf ihre Kosten

Vier Mannschaften aus vier deutschen Universitäten spielten am Wochenende in St. Ingbert um den Titel des Hochschulmeisters im Cricket.

Am Wochenende schaute die Sportwelt nach St. Ingbert, zumindest diejenigen, die sich für Cricket interessieren. Denn an diesen beiden Tagen fanden auf dem Sportplatz im Wallerfeld die 4. University Championships des Deutschen Cricket Bundes (DCB) statt, zu denen der Universitätssportclub Saar eingeladen hatte. Mit dabei waren die Mannschaft der Organisatoren von der Uni des Saarlandes (UdS) und Teams der Unis Darmstadt, Rostock und Jena.

Cricket wird hierzulande immer beliebter. Bis vor drei Jahren spielten einige Studenten der UdS, die aus Indien, Pakistan, Bangladesh und Nepal stammen, am Sportplatz Waldhausweg privat das Spiel, das sie aus ihrer jeweiligen Heimat als Nationalsport kannten und an ihren Studienort „importierten“. Um sich besser organisieren zu können, suchten diese Cricketer ein „Vereinskonstrukt“, das sie schließlich im Handballverein der Uni fanden. „Wir waren schon immer ein recht internationaler Verein“, sagt Axel Koch vom Universtätssportclub Saar, „aber mit Cricket bekamen wir nochmal einen höheren Grad an Internationalität. Seit drei Jahren trainieren sie unter unserem Dach. Da sind auch einige Geflüchtete dabei, so dass wir auch einen kleinen Beitrag zur Integration leisten.“ Die Saarbrücker Spieler scheinen sich in ihrem Verband wohlzufühlen, denn sie konnten am Sonntag gegen Darmstadt ihren Titel als Hochschulmeister mit 117:115 verteidigen. Dass sie aber überhaupt spielen können, haben sie einem St. Ingberter zu verdanken. „Ohne Pascal Rambaud gäbe es unsere Cricket-Mannschaft nicht“, sagt Ram Gopal Balijepalli über den Vorsitzenden des TV St. Ingbert, dessen Verein den Ballplatz am Wallerfeld für Trainig und Spiele der Uni-Mannschaft zur Verfügung stellte. „Wir haben größte Sympathien für den Schlagballsport und wir als Baseballer kennen die Nöte einer Nischensportart“, so Rambaud. „Durch die Kooperationsvereinbarung mit den Cricketspielern profitiert auch der TV, der so eine zusätzliche Sportart bewerben kann. Und es ist einer der wenigen Sportvereine in St. Ingbert, der eine Bundesligamannschaft in seinen Reihen hat“. erklärt er. Organisiert sind die Saarbrücker Studenten allerdings im Baden-Württembergischen Cricketverband. „Das Saarland hat keinen eigenen Verband, deshalb haben wir sie gern aufgenommen“, sagt der Vorstand diese Verbandes, Irfan Baaig, „es ist eine tolle Stimmung hier in St. Ingbert und eine tolle Sache, dass die Saarländer wieder im Finale sind.“ Auch der Ministerpräsident stattete dem Sportereignis am Sonntag einen Besuch ab. „Ich finde es beachtlich, wie stark sich Cricket im Saarland entwickelt hat. Das Angebot der Sportart steigert für viele Studierende die Attraktivität unserer Universität“, so Tobias Hans, „ich finde es super, dass der TV St. Ingbert dieser Sportart eine Heimat gibt. “ Man dürfe nicht nur den Fußball fördern, sondern eben auch solch eine Randsportart. Eine solche ist es allerdings nicht überall, denn Cricket ist nach Fußball weltweit die Sportart Nummer 2, wie Siegfried Franz, Präsident des Deutschen Cricket-Bundes, bei seinem Besuch in St. Ingbert sagte. In 104 Ländern werde Cricket gespielt und Deutschland sei derzeit das Land, in dem dieses Ballspiel den meisten Zuwachs habe.

„Wir wachsen so schnell, dass wir mit der Anlage von Plätzen gar nicht nachkommen“, weiß Franz. Habe man vor 17 Jahren in Deutschland noch 30 Mannschaften gezählt, seien es heute 350 mit 6000 Cricketern. „Das ist der nackte Wahnsinn, wie viele Menschen weltweit auch die Spiele verfolgen“, staunt Franz immer wieder. Cricket ist also auf dem Vormarsch. Besonders freuten sich die Uni-Mannschaft und die Offiziellen der Verbände, dass auch Schüler Interesse daran zeigten. Am Theodor-Heuss-Gymnasium in Sulzbach haben beispielsweise zehn Schüler ein Jahr lang diesen Sport in einem Kurs kennenlernen und betreiben dürfen. Tobias Hans überreichte während der Hochschulmeisterschaften vier von ihnen die vom USC ausgestellten Zertifikate. „Wir haben eine U 15- und eine U 18-Nationalmannschaft, für die wir auch immer Mädels suchen“, warb der Präsident des DCB, besonders mit Blick auf die zwei Mädchen, die den Kurs durchlaufen haben, „beim Fußball kann man nicht so einfach Nationalspieler werden, aber beim Cricket geht das.“

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