Deutsch-polnische Gesellschaft tagte in Homburg

Deutsch-polnische Freundschaft : Herzlicher Austausch mit dem Partner Polen

Höhepunkt war die Verleihung des Dialog-Preises an Anna Wolff-Poweska, polnische Historikerin und Politologin.

Die Verbindungen zwischen dem Saarland, dem Saarpfalz-Kreis und auch auf kommunaler Ebene mit Polen sind ausgesprochen ausgeprägt: Seit zehn Jahren gibt es eine Partnerschaft zwischem dem Bundesland und der polnischen Woiwodschaft Podkarpackie, der Saarpfalz-Kreis selbst unterhält eine enge Beziehung zum Landkreis Przemysl, und die Gemeinde Kirkel arbeitet derzeit ganz offiziell an einer Städtepartnerschaft mit Wielen in Polen.

So mag es nicht verwundern, dass am vergangenen Wochenende in Homburg die 28. Jahrestagung des Bundesverbands der Deutsch-Polnischen Gesellschaften stattfand – immerhin ist Saarpfalz-Landrat Theophil Gallo auch Vorsitzender der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Saar.

Höhepunkt der offiziellen Eröffnung am Freitagabend war die Verleihung des Dialog-Preises an Anna Wolff-Poweska, polnische Historikerin und Politologin, die als eine entschiedene Verfechterin der Demokratie in Polen gilt und zugleich für die deutsch-polnische Verständigung seit Jahrzehnten einsteht.

In seiner Festrede würdigte Bundesaußenminister Heiko Maas noch vor seiner Reise in die Türkei Wolff-Poweska als eine Frau, die sich „die sich seit Jahrzehnten mit Herzblut und großer wissenschaftlicher Kompetenz für die deutsch-polnischen Beziehungen einsetzt“. So stehe die Preisträgerin für die vielen Menschen und Initiativen, „die sich dafür engagieren, dass das Wissen übereinander wächst. Und so die Grenzen in den Köpfen verschwinden.“

Wohl mit Blick auf die aktuell nicht einfachen Beziehungen zu Polen auf politischer Ebene und in Reflektion zahlreicher Treffen mit seinem polnischen Amtskollegen sagte Maas: „Natürlich kommen dabei auch unterschiedliche Sichtweisen zur Sprache – wie sollte das auch anders sein unter Nachbarn und Freunden. Aber solche Unterschiede dürfen uns nicht trennen.“

Stellvertretend für Saar-Ministerpräsident Tobias Hans als Schirmherr der Veranstaltung betonte Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot die große Bedeutung des Austauschs zwischen den beiden Ländern. „Bei allem politischen Bemühungen leben diese Partnerschaften und Freundschaften immer vom gegenseitigen Interesse, vom Bestreben der Menschen vor Ort, sich kennenzulernen, zu besuchen und sich auszutauschen.“ Die Redner des Abends, darunter Saarpfalz-Landrat Theophil Gallo, die frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth in ihrer Funktion als Kuratoriumsvorsitzende des Bundesverbandes der Deutsch-Polnischen Gesellschaften und Piotr Pilch, der Vizemarschall der polnischen Woiwodschaft Podkarpackie, beleuchteten mitunter auch die aktuellen politischen Entwicklungen in Polen und Deutschland.

So sagte der SPD-Bundestagsabgeordnete Dietmar Nietan, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes der Deutsch-Polnischen Gesellschaften: „Die Deutsch-Polnischen Gesellschaften sind nicht der Schiedrichter von Regierungspolitik. Sie sind weder der Fürsprecher noch der Gegner irgendeiner deutschen oder polnischen Regierung. Aber ich glaube, wer den Frieden will, der muss für die Freiheit kämpfen.“ Deswegen würden, so Nietan, die Deutsch-Polnischen Gesellschaften nicht schweigen, wenn die Freiheit bedroht werde. „Und wenn Mitglieder von Deutsch-Polnischen Gesellschaften ihre Sorgen über bestimmte Entwicklungen in Polen äußern, dann ist das nicht anti-polnisch und das ist keine Propaganda gegen die polnische Regierung, sondern das sind Worte von denen, die verstanden haben, dass Frieden und Freundschaft immer dann in Gefahr ist, wenn die Freiheit Risse bekommt.“ Entscheidend sei da, dass man differenziere und verstehen wolle und nicht aus ideologischen Gründen eine bestimmte Wahrheit ablehne. Hier seien, so Nietan, „Übersetzer“ nötig, Übersetzer wie Anna Wolff-Poweska.

Bundesaußenminister Heiko Maas (links) und Piotr Pilch, der Vizemarschall der polnischen Woiwodschaft Podkarpackie (rechts). Foto: Thorsten Wolf

Anna Wolff-Poweska selbst nannte den ihr verliehenen Dialog-Preis nicht nur eine Ehre, vielmehr lade die Auszeichnung zum Nachdenken ein. „In welche Richtung geht die Welt, wenn der Dialog, der fundamentale Wert der zwischenmenschlichen Beziehungen und die Grundlage des friedlichen Zusammenlebens der Nationen heute eine Herausforderung darstellt?“

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