Der Trafikant in der Kinowerkstatt St. ingbert

Kinowerkstatt : Vom Lieben und Sterben in Venedig

Zur Erinnerung an den Kultregisseur Nicolas Roeg zeigt die St. Ingberter Kinowerkstatt „Wenn die Gondeln Trauer tragen“.

Bis heute haben Frauen in vielen Ländern nicht das Recht, zu wählen. In Deutschland bekamen sie dieses Recht vor genau 100 Jahren, Österreich und Deutschland zählten damit zu den Vorreitern in Europa. In der Schweiz zum Beispiel wurde das Frauenwahlrecht erst 1971 eingeführt. Die Kinowerkstatt in St. Ingbert zeigt zu diesem Thema den Film „Die Hälfte der Welt gehört uns – Als Frauen das Wahlrecht erkämpften“ (Deutschland 2018) von Annette Baumeister mit Johanna Gastdorf, Esther Schweins, Jeanette Hain, Paula Hans und Harald Schrott.

Der Film „Das schönste Mädchen der Welt“ von Regisseur Aron Lehmann mit Luna Wedler, Aaron Hilmer, Damian Hardung, Jonas Ems, Anke Engelke, Heike Makatsch und Heiko Pinkowski, der am Samstag, 1. Dezember, um 20 Uhr in der Kinowerkstatt zu sehen ist, erzählt die Geschichte von Cyril, der sich in seine neue Mitschülerin Roxy verliebt – und glaubt, aufgrund seiner großen Nase keine Chance beim Mädchen seiner Träume zu haben.

Cyril ist klug, witzig und weiß mit Worten umzugehen. Eigenschaften, die ihn vom Großteil seiner Mitschüler in der Klasse unterscheiden. Doch Cyrils „hervorstechendstes“ Merkmal ist seine große Nase. Die hat er von seiner Mutter geerbt – und leidet zeit seines Lebens darunter. Doch wenn sich Cyril nachts seine goldene Maske aufsetzt, um in Rap-Battles unerkannt alle Gegner nass zu machen, fühlt er sich großartig. Als er auf der Klassenfahrt nach Berlin die neue Mitschülerin Roxy kennenlernt, verliebt er sich sofort in sie. Doch Cyril glaubt, dass Roxy sich wegen seiner Nase nie für ihn interessieren würde. Ein offensichtlicheres Objekt der Begierde wäre Rick. Rick ist schön – aber auch im Denken etwas langsam...Hat Cyril eine Chance?

Kultregisseur Nicolas Roeg im Alter von 90 Jahren gestorben. In seine Schule gingen Regisseure wie Christopher Nolan, Steven Soderbergh, François Ozon und Lars von Trier. 1999 erhielt er den British Independent Film Award für seine Lebensleistung. Seine Filme „Insignificance – Die verflixte Nacht“ und auch „Walkabout“ waren für die Goldene Palme nominiert, „Der Mann, der vom Himmel fiel“ für den Goldenen Bären.

Die Kinowerkstatt zeigt am Sonntag, 2. Dezember, um 20 Uhr sein bekanntestes Werk, den in Venedig gedrehten Spielfilm „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ aus dem Jahr 1973: Julie Christie und Donald Sutherland spielen darin trauernde Eltern, die denken, dass sie ihre tote Tochter auf einer Reise nach Venedig sehen.

Am Montag, 3. Dezember, um 20 Uhr ist der Film „Der Trafikant“ (Österreich/Deutschland 2018) von Regisseur Nikolaus Leytner mit Simon Morzé, Bruno Ganz, Johannes Krisch, Emma Drogunova, Regina Fritsch und Karoline Eichhorn, zu sehen. Es ist die Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Robert Seethaler. Österreichern muss man nichts erklären, und weil dies die Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Robert Seethaler ist, wissen auch deutsche Leser Bescheid: Ein Trafikant ist der Besitzer eines kleinen Geschäfts für Tabakwaren, Zeitungen und Schreibwaren.

Wir befinden uns im Österreich des Jahres 1937. Der 17-jährige Franz Huchel (Simon Morzé) verlässt auf strenges Geheiß seiner Mutter Margarete (Regina Fritsch) sein Heimatdorf, am Attersee im Salzkammergut gelegen, und fährt ins aufregende, brodelnde Wien. Hier führt ein ehemaliger Liebhaber der Mutter, Otto Trsnjek (Johannes Krisch), eine Tabak-Trafik, Franz geht bei ihm in die Lehre. Der Bub lernt schnell, nicht nur das Praktische (Namen und Vorlieben der Kunden merken), sondern auch das Lebenskluge, zum Beispiel die Zeitung zu lesen, um informiert zu sein. Zu den besten Kunden gehört der 82-jährige Sigmund Freud (Bruno Ganz), der – so sagt man – „Köpfe repariert, innen drin“.

Franz ist neugierig und sucht Rat. Er ist nämlich unglücklich verliebt, in die schöne, viel zu erfahrene und flatterhafte Böhmin Anezka (Emma Drogunova). Doch Freud ist in Liebesdingen keine große Hilfe. Überhaupt gibt es Wichtigeres: Hitlers Truppen sind einmarschiert, Otto Trsnjek, ein Jude, verschwindet in den Kellern der Gestapo. Nun ist Franz der Trafikant. Und er trifft eine folgenschwere Entscheidung....

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