Der soziale Frieden bleibt gewahrt

Die Stabsstelle Integration zieht eine Zwischenbilanz zur Flüchtlingssituation in St. Ingbert. Weiterhin sorgt Familiennachzug für Neuaufnahmen.

Wie steht es um die Flüchtlinge in St. Ingbert? Die Frage hat unsere Zeitung den Verantwortlichen bei der Stabsstelle Integration immer wieder gestellt und schon oft von deren penibel aufgeschlüsselten Daten profitiert. Gerade jetzt, wo sich Jahresvergleiche anbieten, schaffen die Zahlen erneut ein verlässliches Bild der Lage. Doch ehe man sich diesmal in deren nicht nur Freunde der Statistik aufschlussreichen Details verstieg, wollten Mike White, der Leiter der Stabsstelle Integration, und sein Stellvertreter Björn Spengler, zunächst etwas loswerden. "Unser Dank gilt der St. Ingberter Bevölkerung. Und jenen, die so viele Wohnungen an Flüchtlinge angeboten haben."

In der Mittelstadt herrsche eine positive Grundstimmung im Blick auf die Flüchtlinge und deren Integration. Zunehmend sei laut White zu erkennen, "die Integration der Flüchtlinge ist keine Aufgabe der Stadtverwaltung, sondern der Stadtgemeinschaft". Mit der Bereitschaft zur Integration sei St. Ingbert durchaus ein Aushängeschild im Saarland. Aber so etwas falle nicht vom Himmel. "Unsere Stabsstelle ist in der Lage, auch präventiv zu handeln." In der Alltagsbetreuung zeige und erkläre man viel. Beispielsweise beim Bezug einer Wohnung. Was galt es zu wissen bei Heizen, Lüften oder Müll trennt. Dieser intensive Einsatz lohne sich. "Es gibt kaum Folgeprobleme", sagt White. "Und die Einzelfälle, in denen etwas nicht klappt, lassen sich lösen." Summa summarum sei die Aufnahme der Flüchtlinge aus seiner Sicht dank des vielfältigen institutionellen, aber auch ehrenamtlichen und privatem Engagements geräuschlos verlaufen. Der soziale Frieden habe "keinen Schnatzer".

Immer wieder machen White und Spengler aber auch deutlich, dass sich die Mitarbeiter der Stabsstelle oder auch der Abteilung Familie und Soziales keineswegs ausschließlich auf Flüchtlinge fokussiere. Ihre Hilfe stehe allen offen, die sie brauchen. "Ob Flüchtling, Deutscher oder anderer Ausländer, wir dulden keine ungleiche Behandlung." Es werde niemand bevorzugt. Was Flüchtlinge an Leistungen oder Unterstützung bekommen, erhalte auch jeder Deutsche in einer gleichen Situation.

Doch es ging ja um die Zahlen, die vieles stützen, was die Leiter der Stabsstelle sagen. In St. Ingbert lebten Mitte Januar 852 Flüchtlinge. Die allermeisten von ihnen, nämlich 752, wohnen in 272 privaten Wohnungen. Aufschlussreich bleibt auch die Altersstruktur. So sind unter den über 800 Flüchtlingen in der Mittelstadt gut 300 Kinder und Jugendliche. Alleine in der Gruppe der Mädchen und Jungen von null bis zwei Jahren leben 61 in der Stadt. Und auch zu den Allerjüngsten hatten White und Spengler ein Beispiel parat. Zu den 97 Neuaufnahmen in St. Ingbert im vierten Quartal 2016 zählten alleine acht Neugeborene.

Die Zahl der Flüchtlinge bleibt aber auch stetig in Bewegung. So sind 243 Flüchtlingen, die sich einmal in St. Ingbert aufhielten, in andere deutsche Städte verzogen, fünf kehrten in ihre Heimatländer zurück und zehn wurde nach sogenannten Dublin-Verfahren in andere EU-Länder abgeschoben.

Ein Trend blieb zuletzt ungebrochen: Die Zahl der aus der Landesaufnahmestelle Lebach zugewiesenen Flüchtlingen ist seit Mitte 2016 auf weniger als zehn pro Monat zurückgegangen. Dafür, dass weiterhin vor allem Menschen aus Syrien nach St. Ingbert kamen, sorgten mittlerweile insbesondere Familiennachzüge. In diesem Zusammenhang hatte Mike White eine Bitte: "Wir freuen uns weiterhin über Angebote für Wohnungen aller Größen." Und White wagt auch eine Prognose fürs Tun der Stabsstelle: "Es ist alleine aufgrund der Familiennachzüge nicht absehbar, wann wir unseren Einsatz zurückfahren können."

Kontakt zur Wohnraumbeschaffung bei der Stadt St. Ingbert für Vermieter: Barbara Baldauf, Tel. (06894) 13-7 92, oder Petra Noss, Tel. (06894) 13-3 74.