"Der Schritt verdient Respekt"

St. Ingbert/Blieskastel. Pfarrer Achim Dittrich saß am PC, als am Rosenmontag die Eilmeldung vom bevorstehenden Rücktritt des Papstes lief. "Der Zeitpunkt der Nachricht war eine große Überraschung", sagt der Seelsorger der St. Ingberter Innenstadtpfarrei. Eine gewisse Vorahnung, dass solch ein Schritt kommen könne, habe er allerdings schon seit der Vorwoche gehabt

St. Ingbert/Blieskastel. Pfarrer Achim Dittrich saß am PC, als am Rosenmontag die Eilmeldung vom bevorstehenden Rücktritt des Papstes lief. "Der Zeitpunkt der Nachricht war eine große Überraschung", sagt der Seelsorger der St. Ingberter Innenstadtpfarrei. Eine gewisse Vorahnung, dass solch ein Schritt kommen könne, habe er allerdings schon seit der Vorwoche gehabt. "Den Zeitungsartikel zur Audienz von Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer bei Benedikt XVI. habe ich sehr genau betrachtet. Auf dem Bild wirkte der Papst erschöpft und abgekämpft." Was die Kirche jetzt erwartet, sei völlig offen. "Es gibt keinen Favoriten für das Amt des Papstes, ich lasse mich jetzt auch überraschen, auf wen die Wahl des Konklaves fallen wird." Dass mit einem Papst, der aus Afrika oder Südamerika stammt, ein globalerer Blick auf die Weltkirche möglich werden, sei nicht auszuschließen. Zumal Rom viel weltkirchlicher geprägt sei, als sich deutsche Katholiken das oft einschätzten. Eine genaue Vorstellung hat Achim Dittrich dennoch nicht, wen das Konklave der Kardinäle mit Hilfe des Heiligen Geistes auf den Petrusstuhl wählt."Damit hatte wohl niemand gerechnet", meint Pfarrer Hermann Kast. Der Seelsorger der Pfarrei St. Sebastian Blieskastel bewundert Papst Benedikt allerdings für seinen mutigen Schritt: "Das ist eine klare Gewissensentscheidung, die Respekt verdient." Das höchste Kirchenamt bedeute eine hohe Verantwortung und ein enormes Arbeitspensum. Beides könne ein Jüngerer aus dem Kreis der Kardinäle besser bewältigen. Spekulationen über einen Nachfolger seien aber unnötig. "Alles wird seinen normalen Gang nehmen, das Leben in der Kirche geht weiter. Die Kardinäle werden mit Hilfe des Heiligen Geistes richtig entscheiden."

Bei aller Überraschung empfindet auch Pfarrer i.R. Karl-Josef Lindemann aus St. Ingbert große Hochachtung für die persönliche Entscheidung des Papstes. "Es war eher unwürdig, wie Johannes Paul II. zuletzt trotz schwerer Krankheit sein Amt ausüben musste. Dass Karl Josef Ratzinger das aus nächster Näher verfolgen konnte, hat wohl auch eine Rolle für seinen jetzigen Schritt gespielt." Die Wahl von Benedikts Nachfolger sei schwer einzuschätzen: "Es gibt keinen Kardinal, der in einer ähnlichen Rolle ist, wie es Ratzinger 2005 war." Vieles spreche dafür, dass die katholische Kirche schon bald nicht mehr "allzu römisch" erscheine. Auch Kardinäle aus Afrika und Lateinamerika hätten durchaus Chancen, gewählt zu werden. Lindemann: "Im Konklave ist alles drin, es wird aber auch alles gut."

So unverhofft ihn die Rücktritts-Nachricht bei einem Rosenmontagsessen in Rohrbach erreichte, so viel Hoffnungen verknüpft Holger Weberbauer mit Entscheidung im Kardinalskollegium. Der Gemeindereferent aus St. Ingbert erwartet vom Nachfolger Benedikt XVI. durchaus "weltkirchlicheres Denken, das über die Themen und Probleme hinausgeht, die derzeit das kirchliche Leben in Deutschland prägen". Ein neuer Papst könne der Kirche durchaus eine Richtung vorgeben, die für Katholiken motivierend wirken könne. Kann der neue Papst aus Afrika oder Amerika kommen? Weberbauers Gegenfrage: "Warum nicht?"Foto: Florian Rech

Foto: Fredi Brabänder