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Der 50. Heimatbrief ist in Hassel erschienen

Heimatbrief aus Hassel : Der 50. Heimatbrief ist in Hassel erschienen

Ein kleines Virus hat alles durcheinander gebracht. Viele Dinge gehen auf einmal nicht mehr. Davon auch betroffen sind Veranstaltungen, Jubiläen oder Ehrungen. So ging es im Dezember 2020 auch der Jubiläumsausgabe des Hasseler Heimatbriefes, des einzigen Stadtteilmagazins. Es erschien „in aller Stille“.

Etwas mehr Tamtam hätte sich der Redakteur Dieter Wirth anlässlich der 50. Ausgabe des Blättchens schon gewünscht. Schließlich ist es die einzige Ortsteilzeitschrift in St. Ingbert. Und sie muss ums Überleben kämpfen, nicht, weil es keine Themen gibt, sondern weil die Finanzierung zunehmend schwerer wird. War es nach der Erstausgabe mit einer Handvoll Redakteuren für die damals noch selbstständige Gemeinde Hassel Ehrensache, diesen Heimatboten zu finanzieren, erschien das Heft 1995 bei seiner 25. Ausgabe das letzte Mal aus Haushaltsmitteln. Seitdem werden der Druck und der Versand aus Spenden- und Sponsorengeldern gestemmt und auch aus der Standgebühr des jährlichen Hasseler Flohmarktes. Da der Heimatbrief nicht nur an alle Hasseler Haushalte geliefert, sondern auch an alle bekannten ehemaligen Hasseler in aller Welt verschickt wird, kommt schon einiges an Kosten zusammen.

Bisher denkt aber noch keiner daran, diese dünne Illustrierte im A4-Format aufzugeben – trotz der besonderen Lage im Jubiläumsjahr. Auch wenn die „Gold-Ausgabe“ kurz vor Weihnachten nur herausgegeben werden konnte, weil der Ortsrat, der auch Herausgeber ist, die fehlenden Mittel bereit gestellt hat. Werbung von Gewerbetreibenden, durch die man unter Umständen fehlende Mittel einwerben könnte, sucht man allerdings zwischen den Seiten vergeblich – ein Grundsatz des Heimatbriefes.

Wie kam es vor einem halben Jahrhundert eigentlich zur „Geburt“ dieses Hasseler Nachrichtenblattes? Man hatte Ende der 60er Jahre bei der Gemeindeverwaltung festgestellt, dass spätestens zur Kirmes viele ehemalige Hasseler wieder gern in ihr Heimatdorf zurückkehrten und so die Verbindung zu ihren Ursprüngen hielten. So entstand die Idee, jedes Jahr kurz vor Weihnachten einen Heimatbrief zu veröffentlichen, in dem es Rückblicke auf Vergangenes und Ausblicke auf künftige Aktivitäten im Dorf der „Kuckucke“ gab. Wie groß die Auflage bei der Erstausgabe war, kann Dieter Wirth heute nicht mehr sagen, aber über die Jahre ist die Anzahl stabil geblieben. Rund 2000 Stück des Hasseler Heimatbriefes werden jedes Mal in einer regionalen Druckerei vervielfältigt, davon verbleiben 1800 in Hassel, 140 Stück gehen auf den Postweg. Von den ursprünglichen „Machern“ des Blattes lebt keiner mehr. Waren es 1996 noch vier Hasseler, die für den Inhalt sorgten, so ist Dieter Wirth derzeit der einzige Redakteur. Seit 34 Jahren ist er dabei und bisher gingen ihm die Ideen für Inhalte noch nicht aus. „Ich habe den Vorteil, dass ich als Herausgeber des ,Hasseler Blädchens‘ auf allen Veranstaltungen bin. Da habe ich schon mal eine gute Grundlage. Wenn ich irgendwann einmal gesagt hätte ,Mir wird das zuviel‘, dann hätte es diese 50. Ausgabe wohl nicht gegeben.“

Die Stunden, die er für die Zusammenstellung des Heimatblattes braucht, hat er nicht gezählt, aber Ende Oktober beginnt er, Aufrufe zu starten, damit alles „Material“ bis Mitte November herein kommt, denn dann muss das Blatt fertig für den Satz sein. In der Vergangenheit waren die Abholung von der Druckerei und das Austeilen schon mal ein Wirth’sches Familienprojekt. Was das Erstellen betrifft, ist der Heimatbrief in der Moderne angekommen. Am Anfang waren es handschriftliche Texte, die dann später von der Schreibmaschine übernommen wurden. Nun wird alles per Computer erledigt.

Ein einziges Mal erschien der Heimatbrief nicht, weil die Ausgabe von 1979 keinerlei Resonanz hervorrief, wo es doch vorher viel Lob, sogar aus dem Ausland, gab. Als die Ausgabe 1980 ausfiel und danach „eingeschläfert“ werden sollte, gab es allerdings einen Aufschrei. „Also war man gezwungen, im Jahr darauf wieder aufzulegen“, sagt der ehemalige städtische Archivar Wirth, der in seinem privaten Archiv auch die Geschichte des Heimatbriefes inklusive der Leserpost bewahrt. Obwohl Dieter Wirth als Schriftleiter auch die Freiheit hat, Themen und ihre Umfänge selbst festzulegen, wünscht er sich Mitstreiter: „Ich habe nichts dagegen, wenn sich andere, egal ob textmäßig, mit Fotos oder auch Recherchen beim Heimatbrief einbringen.“

Auf der Rückseite des Heftchens hat Wirth eine Art Serie etabliert. Unter der Rubrik „Hassel früher“ veröffentlicht er historische Fotos, von denen es in seiner Sammlung noch viele gibt.