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Denkmalschutz schiebt Fertigstellung der Baumwollspinnerei weiter in die Zukunft

Denkmalschutz schiebt Fertigstellung der Baumwollspinnerei weiter in die Zukunft

Die Vision der Neuen Baumwollspinnerei ist in manchen Köpfen ganz klar. Für die, die sie noch nicht haben, gab es am Mittwoch eine Führung über die Baustelle. Viel Fortschritt ist nicht zu sehen, die große Arbeit steckt derzeit in Absprachen mit dem Landesdenkmalamt.

Die Bilder sollten zu dieser Zeit bereits hängen. "Doch es sollte nicht sein", sagt Oberbürgermeister Hans Wagner , hinter ihm der hohe Schornstein der Neuen Baumwollspinnerei, die noch immer nicht sehr neu aussieht. Jede Menge Arbeit steckt bereits in dem Gebäude, doch alles, was die etwa 40 Personen, die am Mittwoch zum Rundgang mit Bauherr Werner Deller gekommen sind, von außen sehen, sind meterhohe Gerüste vor kaputten Fenstern, Bauschuttcontainer, Paletten. Eine große, nicht enden wollende und irgendwie verwunschene Baustelle. "So schön sieht das aber noch nicht aus", bemerkte eine Besucherin.

Dass hier auch im Sommer noch keine Bilder hängen werden, wird auch im Inneren des Gebäudes klar. Zwar zeugen im Erdgeschoss weiß verputzte Wände vom Fortschritt, aber es gibt noch viel zu tun. Und der Fertigstellungstermin rückt noch einmal in die Ferne: Vor einem Jahr hieß es Sommer 2016, vor einem halben Jahr war klar, dass dies nicht mehr einzuhalten sei. Im aktuellen Bauzeitenplan ist laut Deller die zweite Jahreshälfte 2017 vorgesehen. Aber auch an diesem Termin zweifelt Oberbürgermeister Wagner. "2017 halte ich für nicht mehr realisierbar. Wir planen mal auf '18 zu."

Nichts desto trotz ist Werner Deller nicht aus dem Schwärmen herauszubringen. Als sähe er all das schon ganz konkret vor Augen, beschreibt er, wo eine Terrasse entstehen soll, eine Treppe, Stiftparkett auf dem Boden im Tanzsaal, die Lampen, die von der fast fünf Meter hohen Decke herabhängen sollen. Die Gäste folgen Dellers Händen, schauen sich um und versuchen sich vorzustellen, wie es werden könnte. "Wir entkoppeln uns von der Bausubstanz", sagt Deller und zeigt auf Schienen an der Decke, an denen auf verschiedenen Ebenen Beleuchtung, Lüftungsrohre, Kabel und Sprinkleranlage montiert werden sollen.

Im dritten Stock, dem künftigen Museum St. Ingbert , sind die erhaltenen Stahlstützen bereits gesandstrahlt und grundiert worden, jetzt tragen sie einen schwarzen Anstrich. Der Blick fällt dann auf eine lange Bodenfläche, an der keine Fliesen mehr liegen. Dort, sowie auf etwa 200 Quadratmetern im Erdgeschoss, habe der Statiker festgestellt, dass das Gebäude entlastet werden müsse, erklärt Stefan Reuther, städtischer Mitarbeiter der Abteilung Stadtentwicklung. Dies gelinge nur über einen Leichtbaufußboden.

Den Fortgang auf der Baustelle bremsten nach wie vor Absprachen mit dem Landesdenkmalamt (LDA). Zwar sei man mit dem Amt "in Harmonie", sagt Deller, jedoch "kämpfen wir noch an der Fensterfront". Eine Lösung, wie man die Fenster denkmalgerecht erhalten könne, habe man abgesprochen. Derzeit gehe es um die Pläne zur technischen Umsetzung, die seit letzter Woche vorlägen. Wenn das Amt zustimmt, müsse man sehen, ob es ins Budget passe. Allerdings wären da auch noch Beschädigungen, die von in den Sandstein eingelassenen und gerosteten Gittern entstanden sind. Zum Teil müssen Wandteile ausgetauscht werden. Das Dilemma: Solange die Fenster nicht fertig sind, kann innen der Trockenbau nicht beginnen. Derzeit laufen laut Deller Arbeiten an der Entwässerung, der Technik und an den Bestandswänden.