Demos gegen AfD-Veranstaltung in St. Ingbert

Demos gegen AfD-Veranstaltung in St. Ingbert : Mit Trillerpfeifen und harschen Worten

Einen Wahlkampf-Auftritt von AfD-Politikern, darunter Beatrix von Storch, nahmen einige St. Ingberter zum Anlass für Mahnwachen.

Störche werden gerade bei uns in der Biosphärenregion im Frühjahr mit Freuden gesehen und begrüßt. Doch für den angekündigten Besuch der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der AfD im Bundestag, Beatrix von Storch, traf das für viele St. Ingberter weniger zu. Weshalb sie sich im Vorfeld der Veranstaltung am Dienstagabend in der Rohrbachhhalle darauf verständigten, mit vier angemeldeten Mahnwachen präsent zu sein. Bereits eineinhalb Stunden vor dem eigentlichen Beginn der Wahlkampfreden versammelten sich die Jusos an einem Ende der Straße „Hinter den Gärten“, das „St. Ingberter Bündnis für Weltoffenheit, Vielfalt und Toleranz“ am anderen Ende, während die Gruppe „Omas gegen rechts“ und das Aktionsbündnis „Bunt statt Braun“ seitlich des Vorplatzes der Halle Aufstellung genommen hatten.

Zu überhören waren die Akteure nicht, denn mit Trillerpfeifen machten sie unter Beobachtung Dutzender Polizisten Lärm gegen die „rechtspopulistische AfD, gegen Fremdenfeindlichkeit, Hetze gegen Flüchtlinge und nationalistische Ziele“, wie es in der Ankündigung der Mahnwachen hieß. Von dem geplanten Auftritt hatten die Teilnehmer meist über die sozialen Netzwerke erfahren. Von jenen Medien im Internet, denen später der Homburger Stadtverbandsvorsitzende der AfD, Daniel Schütte, bescheinigte, seine Partei dorthin gebracht zu haben, wo sie jetzt ist – in die Öffentlichkeit.

Während die Jusos mit Slogans wie „Grenzen sprengen“ oder „Europa ist unsere Verantwortung“ warben, waren einige Minuten später ganz andere Töne in der Rohrbachhalle von der Afd zu hören. Auch deshalb war es für Herdis Behmann, die für die SPD im Rohrbacher Ortsrat und im Stadtrat sitzt, „Ehrensache, die Jusos zu unterstützen“. Vor der Halle trommelten zwei Jugendliche gegen Rechts, ein Plakat der Partei ÖDP, die sich auch als Bienenretter sieht, hatte an diesem Abend mehr Herz für Frösche als für Störche.

Es blieb nicht aus, dass es auch zu gegenseitigen Beleidigungen kam. Die Polizei hielt die protestierende Menge in Schach, um den Besuchern der Veranstaltung den Gang in die Halle zu ermöglichen. Einige AfD-ler zischten Worte wie „Gesindel“ in Richtung der lautstark Protestierenden, um sich wiederum die Bezeichnung „Faschist“ einzuhandeln. „Nazis raus“-Rufe wurden laut, mit einem Megafon wurden die Besucher mit einem „Ihr könnt nach Hause geh‘n“ beschallt. Ein selbst ernannter Ordnungsdienst rief „Nazis nach rechts“.

Das Missfallen der Anhänger der Mahnwachen gegen jeden Einzelnen, der Richtung Rohrbachhalle ging, war nicht zu übersehen. Plakate wurden in die Höhe gehoben, auf denen „Homophobie hat viele Gesichter, aber sie sind alle hässlich“ oder auch „Bunt tut gut“ stand. Laut diesem Motto wurde Regenbogen-Kuchen gereicht. Die Autokennzeichen ließen erkennen, dass Menschen aus dem gesamtem Saarland gekommen waren, um sich den Mahnwachen anzuschließen. Manche nutzten die Gelegenheit auch für andere Statements. So forderte ein an einem Kinderwagen befestigtes handgeschriebenes Schild „Bleiberecht für unseren Kita-Freund“.

Die AfD-Mitglieder und ihre Sympathisanten, nach Schätzungen des Veranstalters rund 250, registrierten die Gruppen auf dem Platz. „Gut, dass ihr da seid, trotz der Leute da draußen, die uns nicht so mögen“, sagte Jeanette Schweitzer, die sich in St. Ingbert um ein Stadtratsmandat bewirbt, zu den AfD-Anhängern. Der saarländische AfD-Bundestagsabgeordnete Christian Wirth wünschte den Anwesenden „keinen Ärger auf dem Nachhauseweg“. Den gab es nicht, denn zum Ende der Veranstaltung waren von den geschätzten 150 Teilnehmern der von der Polizei als „Spontanversammlung“ bezeichneten Gruppe keine 20 mehr vor Ort. Beatrix von Storch bedauerte es in der Halle im Übrigen, dass „die Demonstranten, die ein Ausdruck von Kritik an uns sind, nicht hier drin sind“. Es gehöre zu den Grundzügen der Demokratie, andere Meinungen auszuhalten. Einige wenige waren aber doch – ohne Trillerpfeife, Plakat oder Spruchband – dabei, als die einzelnen Ortsverbände ihre Kandidaten und das Programm für die Wahl am Sonntag vorstellten.

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