Das Programm der Kinowerkstatt St. Ingbert vom 12. bis 15. Juli

Kino : Ein Film, der Zeitgeschichte aufarbeitet

In der Kinowerkstatt St. Ingbert läuft an diesem Wochenende die Politsatire „Vice – der zweite Mann“.

Immer noch aktuell zeigt die Kinowerkstatt in St. Ingbert „Vice – der zweite Mann“ (USA 2018) von Adam McKay mit Christian Bale, Amy Adams, Steve Carell, Sam Rockwell, Eddie Marsan, Alison Pill, Tyler Perry am Samstag, 13. Juli, am Sonntag, 14. Juli, jeweils um 20 Uhr, sowie am Montag, 15. Juli, um 20.15 Uhr, dann in der englischen Originalfassung mit deutschen Untertiteln.

In einer der lebendigsten Politsatiren der letzten Jahre wird gezeigt, wie ein unscheinbarer Washington-Insider still und leise zum einflussreichsten Mann der Welt wurde: Acht Jahre zog Dick Cheney als Vize von George W. Bush im Hintergrund die Fäden und will demnächst Präsidentschaftskandidat werden. Herausragend die Darstellung Dick Cheneys durch Christian Bale. Mit Christian Bale steht Regisseur McKay dabei der ideale Mime zur Verfügung: ein radikales Chamäleon, das nicht nur komplett in seine Figur eintaucht, sondern regelrecht in ihr verschwindet. Dank angefutterten Kilos und einer spektakulären Maske, mit dem Oscar prämiert, verwandelt sich Bale dem echten Cheney so weit an, wie es überhaupt nur möglich ist. Für seine Rolle bekam er einen Golden Globe als bester Darsteller.

Acht Oscar-Nominierungen sprechen für sich: „Man muss dieses fantastische Stück kinematografisch aufgearbeiteter Zeitgeschichte mit seinen acht Oscar-Nominierungen ohne Zweifel zu den Spitzen dieses Jahrgangs zählen“ schrieb Björn Hayer von der Neuen Zürcher Zeitung über „Vice – der zweite Mann“, der ein abgründiges Bild der Politik und ihrer Akteure präsentiert, dies aber mit beißendem Humor.

„Vice – der zweite Mann“ ist als keineswegs trockener Polit-Spielfilm zwar ein anderes Genre, arbeitet aber zusammen mit Michael Moore an der Analyse der Republikanischen Präsidentschaften: „Der Unterschied liegt im personalisierten Schurken als Quell allen Übels, der jedoch wieder eine Blaupause für die Auflösung demokratischer Regeln durch Präsident Trump liefert.“ (Günter H. Jekubzik von der Arbeitsgemeinschaft Kino)

Der Washingtoner Bürokrat Dick Cheney wird zum Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika unter Präsident George W. Bush und formt das Land und die Welt in einer Weise um, dass die Auswirkungen heute immer noch spürbar sind. 2003 wird er zum beharrlichen Vertreter der Ansicht, dass der Irak Atomwaffen entwickelt, eine Lüge, und die USA deshalb unbedingt dort einmarschieren müsse.

Cheney war letztlich die treibende Kraft hinter Amerikas rigiden Antiterrormaßnahmen und dem Einmarsch im Irak und damit genauso mitverantwortlich für das anhaltende Chaos im Nahen Osten wie für den Weg in die Spaltung der US-Gesellschaft unter Donald Trump.

Regisseur McKay ist fraglos einer der erstaunlichsten Gestaltwandler des aktuellen Hollywood-Kinos: Mit leichter Hand arbeitete er in „The Big Short“ die Ursachen und Auswüchse der Bankenkrise auf, verblüfft mit einem originellen, hochdynamischen Erzählstil und schafft es, komplexe Zusammenhänge nicht nur clever aufzudröseln, sondern auch frisch und unterhaltsam zu präsentieren.

34 Millionen Dollar hat Jacques Audiards fantastischer Western gekostet, zehn Millionen hat er bis jetzt eingespielt, nur wenige wollten den Western um zwei liebevolle Brüder, „The Sisters Brothers“ sehen. Die Kinowerkstatt zeigt den Film noch einmal in der englischen Originalfassung mit deutschen Untertiteln am Montag, 15. Juli, um 18 Uhr.

Mit viel Ironie und Witz erzählt Jacques Audiard von den Abenteuern im Wilden Westen auf der Suche nach Gold.In Venedig mit dem Silbernen Löwen für die beste Regie ausgezeichnet, hervorragend besetzt mit John C. Reilly, der sich gemeinsam mit seiner Frau, der Produzentin Alison Dickey, die Rechte am zugrundeliegenden gleichnamigen Roman des Kanadiers Patrick deWitt von 2011 gesichert hatte, sind neben Reilly mit Joaquin Phoenix (Charlie) und Jake Gyllenhaal (John Morris) zwei weitere große US-Schauspieler zu sehen.

So war es jetzt auch an der Romanvorlage von Patrick de Witt das Bruderthema, das Audiard besonders reizte: „Das ist das Porträt zweier Brüder, es geht um Brüderlichkeit und um die Dynamik zwischen den beiden, also auch darum, wer von beiden der Chef ist, ein Verhältnis, das sich im Laufe des Films umkehrt.“

Darin klingt ein sehr persönliches Echo mit: Audiard hat den Film seinem älteren Bruder Francois gewidmet, der als Regieassistent ebenfalls im Filmgeschäft tätig war und mit nur 26 Jahren bei einem Autounfall starb.

Jacques Audiard drehte „The sisters brothers“. Foto: dpa/Yoan Valat

www.kinowerkstatt.de

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