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Das Juz St. Ingbert kann wegen der Corona-Auflagen nicht öffnen

Jugend : Harte Zeiten für die Jugend in St. Ingbert

Das Juz St. Ingbert bietet Jugendlichen schon lange Zeit einen Raum der Geborgenheit, in dem sie ihre eigenen Projekte umsetzen, Selbstständigkeit und Verantwortungsbewusstsein lernen. Seit nun zwei Monaten fehlt ihnen dieser Ort, der für viele wie ein zweites Zuhause ist.

„Für uns war das ein richtig großer Schock. Das kam so plötzlich mit dem Shutdown. Von heute auf morgen durfte niemand mehr ins Juz“, erinnert sich Chiara Meisenheimer an den Tag vor fast zwei Monaten, als die Ausgangsbeschränkungen verhängt wurden. In einem der ältesten Jugendzentren Deutschlands war es plötzlich ungewohnt leer. Wo sich Chiara sonst täglich mit vielen ihrer Freunde trifft, herrscht nun eine unheimliche Stille. Die geplanten Konzerte sind abgesagt und die gerade erst begonnenen Projekte müssen von jetzt auf gleich gestoppt werden. Ein tiefer Einschnitt in das Leben der Jugendlichen in St. Ingbert. Der Freiraum, den diese sonst nutzen, um kreative Ideen umzusetzen, um sich Musik anzuhören, Zeit zusammen zu genießen, bricht weg: „Es fehlt uns allen sehr, sich mit den Freunden zu treffen, die wir sonst fast täglich sehen, in den Räumen, die wir selbst für uns gestalten dürfen“, beschreibt Chiara. Im Juz treffe sie quasi ihre zweite Familie, eine die eine vertraute und geborgene Umgebung bietet, die nun schon viel zu lange nicht mehr genutzt werden kann. Und eigentlich gerade jetzt, in der unsichersten Zeit, die die junge Generation bisher erlebt hat, Halt geben könnte und auch den Raum, sich über die Veränderungen im neuen Alltag auszutauschen.

Tobias Drumm ist der Ansprechpartner des Dachverbandes der selbstverwalteten Jugendzentren (Juz-United) für den Saarpfalz-Kreis und betont die große Lücke, die im Leben eines Jugendlichen entstehen kann, wenn der Treffpunkt im Juz plötzlich wegfällt: „Gerade im Alter der Heranwachsenden ist es enorm wichtig, diese stabilen Freiräume zu bieten. Die Jugendlichen lernen hier Sozialkompetenzen, die bei der Persönlichkeitsentwicklung eine tragende Rolle spielen. Deshalb wäre es sehr wichtig, bei den Lockerungen, die nach und nach kommen, auch an die selbstverwalteten Zentren für junge Leute zu denken.“ Gerade durch die Selbstverwaltung seien Jugendliche bereit, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen, lernen selbständig Projekte zu stemmen und Entscheidungen demokratisch miteinander zu fällen. Das seien Erfahrungen, die unersetzbar sind und dabei helfen, zu verantwortungsbewussten und sozial kompetenten Erwachsenen heranzuwachsen.

„Trotz aller Restriktionen übernehmen Jugendgruppen und selbstorganisierte Jugendräume weiterhin in ihren Heimatgemeinden viel Verantwortung, indem sie Nachbarschaftshilfe anbieten, Einkaufsdienste für ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger erledigen oder Verteilaktionen für Mund-Nase-Masken organisieren“, schreibt daher Theo Koch, der Geschäftsführer des Verbands saarländischer Jugendzentren in Selbstverwaltung (Juz-United), welcher 140 Jugendzentren vereint. „Dies zeigt, wie verantwortlich Jugendliche und junge Erwachsene mit der derzeitigen Infektionsgefahr umgehen. Gerade die verantwortlichen Vorstandsmitglieder der selbstorganisierten Jugendräume beweisen immer wieder, dass sie in der Lage sind, vor Ort Regeln und Verordnungen durchzusetzen.“ In der Stellungnahme an die Landesregierung geht er darauf ein, dass zumindest Planungssitzungen der Vorstände und Jugendbildungsmaßnahmen erlaubt werden sollten – selbstverständlich nur mit dem Einhalten der Hygiene- und Abstandsregelungen. Denn nicht nur die sozial-psychologische Stabilität, die das Juz bietet, sei wichtig, sondern auch die Finanzierung müsse gesichert werden. Da vorerst alle Konzerte und Programmabende ausfallen, könne man keine Einnahmen generieren, die das Juz brauche, um sich selbst zu tragen.

„Besonders schlimm ist, dass das Gartenprojekt, das wir gerade beginnen wollten, nun nicht starten kann. Dafür haben wir uns sehr ins Zeug gelegt und darauf gefreut“, erzählt Chiara traurig. Innerhalb des Projektes „Junge Biosphäre“, wollten die Jugendlichen das Gartengelände am Juz neu gestalten und haben sogar Hochbeete geplant, um hier beispielsweise Gemüse anpflanzen zu können. Auch das 40-jährige Bestehen des Juz im August ist nun eher eine Belastung, als, wie ursprünglich gedacht, ein Grund für eine große Feier. „Selbst wenn wir wüssten dass es stattfinden kann, sind nun die meisten Künstler – und wir wollten richtig bekannte Leute herholen – schon ausgebucht. Und ob es überhaupt gefeiert werden kann, das ist ja auch nicht sicher“, beklagt Tobias Drumm. Bleibt nur zu hoffen, dass die jungen Leute ihren Optimismus nicht verlieren,  und vor allem die Politik die psychologischen Auswirkungen dieser Ausnahmenzeit auf die Jugend ernst nimmt. Eine Investition in die jungen Menschen ist schließlich eine Investition in die Zukunft – und auch die beste Möglichkeit, die Gesellschaft für zukünftige Krisen zu wappnen.