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Kirchenchorgemeinschaft: „Das ist eine Musik für die Lebenden“

Kirchenchorgemeinschaft : „Das ist eine Musik für die Lebenden“

Chorgemeinschaft St. Hildegard und St. Josef sowie Collegium Vocale präsentierten Brahms’ „Deutsches Requiem“.

Der Förderverein Kirchenmusik St. Hildegard hatte sich am vergangenen Samstag für ein Konzert in der Josefskirche ein in mehrfacher Hinsicht passendes Werk ausgesucht. Mit „Ein Deutsches Requiem“ von Johannes Brahms wurde dem einen Tag später begangenen Volkstrauertag Rechnung getragen und kurz nach den Feierlichkeiten zum 500. Jahrestag der Reformation auch indirekt noch einmal dieses Jubiläums gedacht. Denn das Stück, das sich nicht recht als Totenmesse einordnen lässt, sondern eher an die evangelischen Motetten oder an ein Oratorium erinnert, basiert auf Texten des Alten und Neuen Testamentes in der Fassung der Lutherbibel.

Der Chor, der sich aus der Chorgemeinschaft St. Hildegard und St. Josef sowie dem Collegium Vocale Blieskastel zusammensetzte, ließ das Werk, das trotz des Namens so wenig Dramatisches hatte, neben der wirkungsvoll mit Licht in Szene gesetzte Kirche, einmal mehr strahlen. Die auch in den Höhen klaren Stimmen strahlten Optimismus aus, hatten an mancher Stelle gar etwas Heiteres. So muss es Brahms mit seinem Werk auch vorgesehen haben, denn bei ihm stehen nicht die Toten im Vordergrund, sondern diejenigen, die in ihrer Trauer Trost suchen.

Es sei eine „von Ernst, Würde und Zuversicht getragene Musik für die Lebenden“, heißt es in einer Beschreibung dieses Requiems, das trotz seines Namens gar nicht dem Anspruch gerecht werden wolle, eine Totenmesse zu sein. Doch die Komposition, die in St. Josef instrumental von den Mitgliedern der Deutschen Radiophilharmonie getragen wurde, ist für die Sänger alles andere als leicht zu singen. „Schauen Sie sich mal die Noten an, dann sehen Sie es schon“, sagte nach dem Konzert eine Sängerin auf die Frage, wie anspruchsvoll das Werk für die Laienchöre denn sei. Doch die Chöre meisterten ihren Part hervorragend und auch Christian von Blohn, der das Konzert leitete, war sehr zufrieden. „Es war sehr schön“, sagte er und ergänzte, dass er es trotz des Dirigats sehr genossen habe. Auch für die Solisten Eva Leonardy und Matthias Weichert ist Brahms‘ Werk durchaus eine Herausforderung.

„Das fünfte Stück ist ganz schön schwer“, sagte von Blohn zur Passage, die die Saarbrücker Sopranistin zu meistern hatte. Doch die fühlte sich, nachdem sie das Requiem schon mehrmals gesungen hatte, in ihrer Rolle sehr wohl. So wohl, dass sie sich nach ihrem Solopart in den Chor einreihte und „das tolle Stück“ als Choristin verstärkte. „Früher hatte ich mal Angst vor dem Solo. Da hast du eine ganze Weile im Stück nichts zu tun und sollst dann auf den Punkt diese enorme Höhe singen“, sagte sie zu der Herausforderung. Doch heute könne sie dieses Stück genießen. Das taten auch die Musiker der Radiophilharmonie, die voller Spielfreude waren. Und mit der Chorgemeinschaft, die in diesem Jahr bereits 30 Auftritte in dieser Konstellation hatte und die wie Blohn sagte, eine harmonische Einheit bildet, musizieren sie sehr gern, wie einige verrieten.

 Chor, Orchester und Solisten unter der Leitung von Christian von Blohn sorgten in der Josefskirche dafür, dass Brahms' Requiem zu einem Hörgenuss wurde. Foto: Cornelia Jung
Chor, Orchester und Solisten unter der Leitung von Christian von Blohn sorgten in der Josefskirche dafür, dass Brahms' Requiem zu einem Hörgenuss wurde. Foto: Cornelia Jung Foto: Cornelia Jung

Und natürlich mit von Blohn, der im Nachgang von einigen Musikerinnen indirekt Komplimente erhielt. „Also wenn du Weihnachten mal eine Bratsche brauchst, ich bin gern wieder dabei“, zollten die Profimusiker den St. Ingbertern ihren Respekt. Auch Bariton Matthias Weichert, ein Freund von Blohns aus Dresden und Gastsänger bei den Leipziger Thomanern und dem Gewandhausorchester, war sichtlich angetan vom Werk, dem Publikum und auch vom Kirchenraum. Er sei zwar schon mehrmals in der Region gewesen, habe aber noch nie in der Josefskirche gesungen. „Bombastisch“ sei es gewesen, beschreibt er seinen Gesamteindruck des Konzerts.