Kolumne Unsere Woche: Das Gesundheitssystem krankt an zu wenig Personal

Kolumne Unsere Woche : Das Gesundheitssystem krankt an zu wenig Personal

Pflegekräfte sollten entlastet werden, damit durch ihren Stress keine zusätzliche Belastung für die Patienten entsteht.

Gott sei Dank sind nur sehr wenige von uns selbst betroffen. Als schwerstkranker Patient auf der Intensivstation zu liegen lässt Angehörige und die Pflegekräfte häufig an ihre Grenzen kommen. Der Patient selbst bekommt oft kaum mit, wie die Intensivpfleger um ihn herum lebensentscheidend behandeln. Zwei Pflegekräfte versorgen pro Schicht acht Intensivpatienten, so die Darstellung von Verdi und den Angestellten des Kreiskrankenhauses. Ein Personalnotstand, der für die Beschäftigten kaum mehr zu tragen ist und für Patienten lebensbedrohlich sein kann.

Das Ultimatum, das Verdi nun der Geschäftsführung gestellt hat, ist bislang das neunte im Saarland. Auch die Krebsstation des Universitätsklinikums Homburg benötige eine Entlastung des Pflegepersonals, damit keine zusätzliche Belastung für die Patienten entsteht. Pflegenotstand ist nichts Neues. Seit Jahren schwelt der Konflikt in der Politik. Eine medizinische Versorgung über das Maß des Allernötigsten hinaus scheint zu teuer.

Die Intensivstation des KKH mit 14 Patientenplätzen macht rund acht Prozent der gesamten Betten-Anzahl aus, verursacht aber mehr Kosten als die Versorgung der Kranken auf den anderen Stationen. Um Kosten zu decken, wird gespart, allem voran am Personal und somit auch an der Versorgung der Patienten. Sollte es nicht normal sein, wenn es um Menschenleben geht, über das Nötigste hinaus zu pflegen? Dies ist nicht nur ein Problem auf der Intensivstation, auch auf den anderen Stationen oder in der Altenpflege gibt es Nachholbedarf. Hier kann es durchaus vorkommen, dass trotz eines erfüllten Personalschlüssels das Nötigste gar unterschritten wird.

Die Stellungnahme des Kreiskrankenhauses, die Vorwürfe der Gewerkschaft seien nicht nachvollziehbar und es gebe keinen Pflegenotstand, ist angesichts der jahrelangen Debatten eine Farce. Darüber, wo man allerdings mehr Personal finden soll, und wie man die zusätzlichen Kosten decken könnte, äußert sich leider auch Verdi nicht.

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