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Das bewete Leben des Italieres Vincenzo Testa in St. Ingbert

Ein Sizilianer wird Saarländer : Vom Ätna führt Lebensweg an den Stiefel

Heute vor 60 Jahren kam Pizzeria-Besitzer Vincenzo Testa aus Sizilien nach St. Ingbert.

Vincenzo Testa verließ 1960 Italien eigentlich nur für einen kurzen Besuch. Sein Vater war bereits gestorben und der 15-Jährige hatte Sehnsucht nach seinem Bruder, der ein Jahr zuvor nach Deutschland gegangen und für ihn wie ein zweiter Vater war. In St. Ingbert bekam Vincenzo Arbeit im Schlachthof und hätte nach drei Monaten ausreisen müssen, wenn zwei St. Ingberter nicht für ihn gebürgt hätten. Hängengeblieben ist er in der Saarpfalz vor allem wegen einer Frau, mit der er später 51 Jahre verheiratet war. Im Laufe der Zeit wuchs die Familie des Sizilianers und seine zwei Töchter schenkten ihm mittlerweile fünf Enkel und zwei Urenkel.

Vincenzo ist fleißig und flexibel. Nach der Fleischzerlegung gehörten eine Maurerlehre und eine Berufskraftfahrerausbildung zu seinem Arbeitsleben. Nach einer fünfjährigen Stippvisite bei John Deere in Zweibrücken ging er zehn Jahre zur Brauerei Becker. „Dort fuhr ich Stapler und Lkw“, erzählt der heute 75-Jährige, „in Dengmert hatte ich den Arbeitsplatz vor der Wohnungstür, das Arbeitsklima war super. Es hat Spaß gemacht und ich hab‘ jeden gekannt.“ Dann wechselt er zu einer Dreherei nach Kirkel und hilft einem Bekannten nebenbei in dessen Gaststätte aus. „Da bin ich auf die Idee gekommen, mein eigenes Lokal aufzumachen.“ Das war 1993. Seitdem betreibt er seine Pizzeria „Don Vincenzo“ am Eingang vom Neunkircher Weg.

Obwohl Vincenzo Testa laut Ausweis Italiener ist und mehrmals im Jahr seine sizilianische Heimat besucht, ist er doch durch und durch St. Ingberter. „Ich habe mir nicht vorgestellt, dass ich mal mein ganzes Leben hier bleibe.“ Vor allem durch Frau und Kinder sei er im Saarland sesshaft geworden, auch wenn er die Berge und das Meer vermisse. „Ich habe öfter mal Heimweh nach Sizilien, je älter ich werde“, sagt er, doch „nach spätestens 14 Tagen will ich wieder retour.“ Dann ziehe es ihn wieder „hemm“. Seiner Sprache hört man den 60-jährigen Aufenthalt in Deutschland nicht an. „Nun bin ich 60 Jahre hier und spreche immer noch kein richtiges Deutsch“, so Vincenzo. Vor allem mit der Grammatik hapere es, „aber wenn ich jetzt richtig gut Deutsch sprechen würde, dann wäre ich nicht mehr der Vincenzo.“ Seine Kunden lieben ihn genauso.

Viele sind Stammgäste, aus denen auch Freunde wurden. Die kleine Pizzeria ist „ein großer Wert für mich“, ein Leben ohne sie für ihn nicht vorstellbar. Seine Frau starb vor einigen Jahren, seine Schwester, die er bis zuletzt in seinem Haus pflegte, vor einigen Wochen. Umso wichtiger sind die sozialen Kontakte. „Zuhause würde ich mich nicht wohlfühlen, ich muss was machen.“