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Das Bahnhoffest war ein voller Erfolg

St. Ingberter Bahnhof : Das Bahnhofsfest war ein voller Erfolg

Trotz Widrigkeiten, wie der kurzfristig kaputten Dampflok, gab's vom Publikum viel Zuspruch für die Feier von 150 Jahren Bahnanschluss.

Am Samstag stieg am Bahnhof ein Fest zum 150-jährigen Jubiläum der Eisenbahn. Die zuvor wegen knapper Haushaltskasse und der Kürze der Organisations-Zeit umstrittene Veranstaltung kann trotz aller Unkenrufe als Erfolg verbucht werden. Auch wenn die historische Dampflok, die Nostalgiefans anlocken sollte, einen Tag vorher kaputt ging, auch wenn es im Vorfeld Probleme mit dem Strom auf dem Bahnhofsvorplatz gab und deshalb die E-Ladesäulen für die Fahrzeuge angezapft werden mussten und auch wenn einige Essen- und Getränkestände noch in letzter Minute "umgeparkt" wurden, es war ein Fest, das den Namen verdiente.

Eins für Jung und Alt, für Eisenbahnliebhaber, für Briefmarkenfreunde, für die es an diesem Tag einen Sonderstempel gab, für historisch Interessierte, die sich in der sonst verwaisten Bahnhofsgaststätte Dokumente aus den Zeiten anschauten, als die Dampfrösser auf die Schienen kamen, für Musikliebhaber, die das Bühnenprogramm genossen, und für viele andere mehr. Sicher gab es einige, die ihre Karte für den Sonderzug, der vier Mal zwischen St. Ingbert und Homburg verkehrte, zurück gaben, doch die meisten genossen die Fahrt mit dem "Krokodil", einer historischen Elektrolok, die die Ulmer Eisenbahnfreunde kurzfristig als Ersatz für die ausgefallene Dampflok besorgt hatten.

Beim Fahren merkte man eh nicht, welche Lok vor die historischen Wagen mit Holzinterieur gespannt war. Gut, der Dampf fehlte, aber die Mitreisenden strahlten übers ganze Gesicht, als sich die Waggons in Bewegung setzten. Ein Pfiff der Lok zauberte der kleinen Emma ein Lächeln ins Gesicht. "Du hast mir noch eine Fahrt mit dem ICE versprochen, Mama", sagte die Fünfjährige, die wohl mehr der modernen Zeit zugetan war. Ihr gegenüber saßen zwei Brüder aus St. Ingbert, beide Eisenbahnfreunde. Günter Raber kannte das "Krokodil" noch aus der Schweiz, wo sie schwere Lasten die Berge hinauf transportierte. Ihm wäre es nicht eingefallen, seine Fahrkarte wegen des fehlenden "Volldampfes" aufzukündigen, denn auch die E-Lok war eine Rarität, die in der Bahnhofshalle bei den Modelleisenbahnfreunden in Miniatur zu haben war. "Die Lok ist genau so alt wie ich", sagte Hans Raber, der die Fahrt bei offenem Fenster genoss.

Unter den Fahrgästen waren Kinder mit Eisenbahnermütze, aber auch zwei Neunkircher in viktorianischer Kleidung und, wie es sich für Reisende gehört, mit dem passenden alten Leder-Koffer. Auf dem Bahnhofsvorplatz drehte eine Mini-Dampflok aus der Schweiz ihre Runden, die wie ihr großes Vorbild HF 110C, die in den Vogesen fährt, mit Koks und Wasser "gefüttert" wurde. Ein Riesenspaß nicht nur für Kinder. Auch die Bergkapelle fuhr musizierend mit. "Nun fahren wir doch noch Dampflok", freute sich Horst Adam, der mit Frau, Tochter und Enkel Mini-Bahn aber auch "Krokodil" gefahren war. Der Oldtimer-Liebhaber hatte Verständnis dafür, dass auch mal eine sonst zuverlässige Dampflok ihre Macken hat. Fast 1000 Menschen nutzten die Fahrt mit der 71 Jahre alten E-Lok, zwei Fahrten waren restlos ausverkauft. Ein Umstand, der auch neun Schwarzfahrer auf den Plan rief, die unbedingt mitfahren wollten.

Auf der Bühne vorm Bahnhof sangen Oberwürzbacher Kita-Kinder das "Intercity-Lied", die Musikschule untermalte das Programm ebenso. Im Bahnhof begann Albrecht Ochs eine erzählerische Reise in die Vergangenheit. "Ich bin ein Bahnhofskind", sagte der 81-Jährige, der in dem Gebäude als Sohn des Fahrdienstleiters geboren wurde. Am Abend gab es Rockmusik, der Bahnhof wurde illuminiert und mit einem Feuerwerk in Szene gesetzt. "Ein toller Platz zum Feiern. Ein schönes Festchen", fand eine Besucherin und die Umstehenden konnten ihr da nur zustimmen.