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Corona-Einschränken sorgen in St. Ingbert nicht für Anzeigen von Bürgern

Kostenpflichtiger Inhalt: Verstöße gegen Corona-Regeln : Hinweise „besorgter Bürger“ bleiben selten

Der ein oder andere Nachbar hat zwar auch schon „gepetzt“, aber die Meldungen über Verstöße halten sich in der Region noch in Grenzen.

„In Coronazeiten scheinen sich einzelne Zeitgenossen nicht mehr unter Kontrolle zu haben“, sagt ein St. Ingberter Bürger verwundert. Er erzählt davon, dass er an Karsamstag auf dem Grumbachtalweg bei Sengscheid von einem älteren Fahrradfahrer unvermittelt „diszipliniert“ und angeschrien wurde. Der Grund für den Ausraster: Der St. Ingberter und seine Begleitung hätten den derzeit vorgeschriebenen Abstand zueinander nicht eingehalten. Verärgert äußert er sich: „So bleibt als Resümee, dass Bürgern, die sich derart daneben benehmen, dringend Einhalt geboten werden muss!“ Sind solche „besorgten Bürger“ nun auf dem Vormarsch? Immerhin häufen sich Medienberichte, dass es mit Fortschreiten der Corona-Krise auch immer öfter zu Konflikten von Bürgern untereinander komme. Ein wahres Denunziantentum sei wieder erwacht. Ist das hier in der Region ebenfalls zu beobachten? Die SZ hat sich in den Kommunen umgehört.

Maria Vermeulen, Bürgermeisterin von Mandelbachtal, kann diesen Eindruck nicht bestätigen. „Wir haben keine erhöhten Meldezahlen. Es hält sich also in Grenzen“, sagt die Verwaltungschefin der Gemeinde, die aktuell drei Verstorbene in Zusammenhang mit dem neuartigen Coronavirus zu bedauern hat. „Durchaus positive und konstruktive Gespräche“ habe man in Blieskastel geführt, sagt Guido Freidinger, Beigeordneter der Stadt. Besagte Konversationen fanden beispielsweise bei Stichproben statt, die er und Kollegen vom Ordnungsamt am Karsamstag in allen Stadtteilen gemacht hätten. Auf diese Weise habe man unter anderem Nachweise überprüft, nach denen einige Personen den Mindestabstand nicht eingehalten hätten. Nicht jeder sei begeistert von der Überprüfung gewesen, da „die Vorstellungen, was zwei Meter sind, doch weit auseinandergehen“ Auch habe man nachgeschaut, ob Absperrungen noch stünden und ob generell die Ausgehbeschränkungen eingehalten würden. Soweit sei alles in Ordnung in Blieskastel. Lediglich zu zwei größeren Ansammlungen wurde man gerufen.

Auch in St. Ingbert sei soweit alles erfreulich ruhig verlaufen, wie Pressesprecher Florian Jung erklärt. Lediglich neun Vorfälle in Zusammenhang mit den Corona-Beschränkungen habe man über die Oster-Feiertage festgestellt und entsprechende Bußgelder verteilt. Größere Vorfälle wie die Taufe am Glashütter Weiher (wir berichteten) würden an die Kreispolizeibehörde weitergeleitet. An Vorfällen gebe es beispielsweise nicht genehmigte Grill-Einheiten ebendort, die allerdings vor allem von Auswärtigen eingelegt würden. Dass alles mit rechten Dingen in allen Stadtteilen zugeht, dafür sorge man mit drei bis vier Kontrollgängen pro Tag in zwei Schichten. Falls es, wie an den Oster-Feiertagen, zu verstärktem Besucherandrang in der Innenstadt komme, würden die Kollegen freundlich darauf hinweisen, den Mindestabstand einzuhalten. An der Zahl der Meldungen von Bürgern über Mitbürger habe sich seit Voranschreiten der Pandemie nichts geändert, wie Florian Jung erklärt. Hier kämen vor allem Meldungen aus der Nachbarschaft, etwa, weil jemand denke, Rasenmähen sei während des Lockdowns verboten, was es jedoch nicht ist.

Sehr zwiegespalten war man in der Gemeinde Gersheim, wie Bürgermeister Michael Clivot ehrlich zugibt. „Ich habe auf der einen Seite gehofft, dass jetzt kein maßloses Denunziantentum eintreten würde“, sagt der Verwaltungschef und fügt hinzu: „Auf der anderen Seite waren wir darauf angewiesen, dass größere Missachtungen der Verordnungen und Verfügungen auch angezeigt werden.“ Man könne im Rathaus feststellen, dass es zwar Hinweise gab, doch das habe sich in den zurückliegenden zwei Wochen stark reduziert. Da sei es vereinzelt zu einer Zuwiderhandlung gekommen, in Form von kleinen Partys oder Menschenansammlungen. Er könne jedoch feststellen: „Eine ausufernde Denunzierung ist glücklicherweise ausgeblieben.“ Im Großen und Ganzen hätten sich die Hinweise auf Ansammlungen, Müll- oder Grüngutablagerungen beschränkt.