Christuskirche im Zeitenwandel

Rohrbach. 75 Jahre ist es her, dass die Christuskirche Rohrbach eingeweiht wurde, damals noch unter einem anderen Namen. Ihre "Geburt" fällt in die Zeit des Nationalsozialismus, aber der Grundstein ihres Glaubens wurde viel früher gelegt, als im Herzogtum Zweibrücken die Reformation eingeführt wurde und die Rohrbacher die Konfession ihres Landesherrn annahmen

Rohrbach. 75 Jahre ist es her, dass die Christuskirche Rohrbach eingeweiht wurde, damals noch unter einem anderen Namen. Ihre "Geburt" fällt in die Zeit des Nationalsozialismus, aber der Grundstein ihres Glaubens wurde viel früher gelegt, als im Herzogtum Zweibrücken die Reformation eingeführt wurde und die Rohrbacher die Konfession ihres Landesherrn annahmen. Fortan gehörten sie zur Pfarrei Kirkel und gingen in Fronsbach zur Kirche, einem Ort zwischen Rohrbach und Kirkel, den es seit dem Dreißigjährigen Krieg nicht mehr gibt. Nach diesem Einschnitt gab es nur noch drei Rohrbacher Familien. Erst Anfang des 18. Jahrhunderts hatte sich die "Bevölkerung" erholt und war auf 150 Familien angewachsen, von denen aber nur 29 Protestanten waren. Mit der Verlegung der Bahnlinie und der Errichtung eines Bahnhofs zirka 90 Jahre später wurde Rohrbach Industriestandort, womit auch die Anzahl der Protestanten in die Höhe schnellte.

Zuerst besuchten sie noch die 1908 in Hassel errichtete evangelische Kirche, wobei schon der Gedanke an eine eigene Kirche reifte. Diese Idee starb mit dem Ersten Weltkrieg, aber nicht die Hoffnung. Zuerst gingen Spendensammler eines "Volksvereins" von Haus zu Haus, der später gezielt zum "Kirchenbauverein" wurde. Mit einem Beschluss des Rohrbacher Gemeinderates von 1931 reservierte man einen Kirchenbauplatz auf dem "Franzosenköpfchen", der 1934 kostenlos übereignet wurde. Im "Schicksalsjahr der Saar" 1935 beschloss man den Kirchenbau endgültig. Man feierte den Wiederanschluss an Deutschland, die "Heimkehr ins Reich". Diesem nationalen Gefühlsüberschwang ist es zu verdanken, dass die Kirche, für die am 12. Juli 1936 der Grundstein gelegt und die am 5. September 1937 eingeweiht wurde, den Namen "Saardank-Kirche" erhielt. Dass der Traum von einer eigenen evangelischen Kirche wahr wurde, war auch unternehmerischem Können, Fleiß, Beharrlichkeit und hohem persönlichen Einsatz zu verdanken. Erwachsene, aber auch Schulkinder, machten die Erdarbeiten mit ihrem Einsatz an Schaufeln und Schubkarren zu einem "Familienfest". Kaum war die Kirche fertig, wurde sie zum Touristenziel, zu dem ganze Busladungen gebracht wurden. Im Tarnanstrich überlebte sie den Zweiten Weltkrieg, wenn von zerstörten Fenstern und geklautem "Waffenrohmaterial", wie Türklinken und Blitzableitern, abgesehen wird.

Doch in der Neujahrsnacht 1952/53 erreichte ein Brand, was der Krieg nicht vermochte. Mit einer vergrößerten Empore, die Platz für eine Orgel bot, und neuen Fenstern bekam die Kirche bei ihrer Wiedereröffnung auch einen neuen Namen: Christuskirche. Vier Glocken verleihen der Kirche ihre "Sprache nach außen". Zuerst als Geläut mit drei Bronzeglocken geplant, in der Not gedanklich auf zwei Exemplare "abgespeckt" und dann doch als Quartett, allerdings in Stahlguss, ausgeführt, bescheinigten Glockensachverständige, dass "die Schlagtonlinie total daneben ist und die Glocken asthmatisch (…) kalt, hart und seelenlos klingen". Genau dieses "Fehlgeläut" macht sie unter Experten interessant und auch beim Gemeindefest an diesem Sonntag dürfte sich wohl niemand daran stören.

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