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Caritas-Zentrum Saarpfalz blickt aufs Corona-Jahr zurück

„Besonderer“ Jahresbericht 2020 : Jugendarbeit und Nachbarschaftshilfe

Das Caritas-Zentrum Saarpfalz blickt in seinem Jahresbericht auf die schwierige Arbeit während der Corona-Zeiten zurück.

„Wir haben uns gefragt, ob wir überhaupt einen Jahresbericht für das Corona-Jahr 2020 machen, weil doch so viele Präsenz-Veranstaltungen ausfallen mussten“, schreibt Caritas-Chef Andreas Heinz in der Pressemitteilung. „Aber dann haben wir entdeckt, wie viel wir doch geschafft haben in diesem besonderen Jahr – und wie viel Kreativität und Ideenreichtum unsere Mitarbeiter sowie unsere vielen Ehrenamtlichen gezeigt und bewiesen haben.“

Jede Seite des nun vorgelegten Jahresberichts 2020 lese sich wie ein Erlebnisbericht in schwierigen Zeiten. Was hat sich angesichts Corona etwa die Erziehungs-, Ehe- und Lebensberatung ausgedacht? Lockdown, Ausgangsbeschränkung, Home Office lauten nur einige Stichworte, die zugleich die Herausforderungen für dieses Arbeitsfeld des Caritas-Zentrums Saarpfalz bedeuteten (und noch immer bedeuten): Im März 2020 wurde schnell eine Telefonhotline eingerichtet – mit Beraterinnen, die gemeinsam nach Auswegen und Lösungen für die Ratsuchenden suchen. Darüber hinaus wurde das Beratungsangebot umgestellt im Sinne des Ansatzes „blended counseling“, der systematisch die Vielfalt der verschiedenen Kommunikationskanäle miteinander verbindet. „So konnte die Beratung zwischen Telefonberatung, Online-Beratung und Präsenz-Beratung – drinnen und draußen – wechseln“, sagt Andreas Heinz. „Das machte uns deutlich flexibler, und wir konnten uns auf die Anforderungen der unterschiedlichen und in schneller Folge sich ablösenden Landesverordnungen zur Eindämmung der Pandemie gut einstellen.“

Was konnte die Caritas für ausländische Kinder an Angeboten aufrechterhalten? Für die Hausaufgabenhilfe wurde eine Notunterkunft im Nebenraum der nahegelegenen Stadthalle in St. Ingbert gefunden. Im Jahresbericht lässt sich im entsprechenden Kapitel nachlesen, in welcher Weise insbesondere benachteiligte Kinder durch die Corona-Maßnahmen betroffen sind. Digitale Endgeräte – also Smartphone, Tablet oder Laptop – haben diese Kinder meist nicht. Hinzu kommen Sprachschwierigkeiten, an einem digitalen Unterricht teilzunehmen. Und die Eltern können bei den Hausaufgaben kaum unterstützen.

Wie steht es um die Jugendlichen in der Pandemie-Zeit im Allgemeinen? Nicht gut. Den Jugendlichen fehlt(e) der Kontakt zu anderen Jugendlichen. Über mehr Aktivität seitens der Caritas auf digitalen Kanälen wie Facebook, Instagram und Youtube konnte zumindest vielfach der Kontakt gehalten werden. „Insbesondere Jugendliche brauchen aber die Gemeinschaft im konkreten Miteinander“, so der stellvertretende Caritas-Leiter Matthias Schappert. „Die Coronakrise ist eine große Belastung für die Kinder- und Jugendhilfe. Gerade die Jungen dürfen wir nicht aus den Augen verlieren – weder physisch noch in der öffentlichen Wahrnehmung ihrer Sorgen und Probleme.“ Dies gilt natürlich insbesondere auch am Ende eines Lebens, wenn körperliche Nähe im wahrsten Sinne des Wortes lebensspendend und lebensverlängernd wirkt. Der Qualifizierungskurs in der Hospizhilfe konnte 2020 noch erfolgreich abgeschlossen werden, doch in diesem Jahr wird es coronabedingt keinen Kurs geben können. „Es ist schwierig, den Zauber unserer Hilfe digital aufrecht zu erhalten“, erklärt Gabriele John-Neumann vom Ökumenischen Hospiz- und Palliativ-Beratungsdienst und stellvertretende Caritas-Leiterin. „Inzwischen sind wir in fünf Ehrenamtsgruppen mit Videokonferenzen dabei auf einem guten Weg.“

Was auch für die Schwangerschaftsberatung gilt: mehr und mehr Digitalisierung – mehr und mehr gesicherte E-Mail-Beratung sowie Online-Beratung, einschließlich Chatberatung. Die Schwangerschaftsberatung ist das inzwischen am weitesten entwickelte Arbeitsfeld in der digitalen Beratung der Caritas. Wie ging (und geht) die Caritas mit der Herausforderung um, Wohnungslosen medizinische Masken zukommen zu lassen? Hier erwies sich das Angebot von entsprechenden Postadressen als eine, so Caritas-Chef Andreas Heinz, nicht „wegzudenkende Sozialleistung in der Armutsbekämpfung. Wir machen uns dafür stark, dass diese Leistung durch staatliche Mittel gefördert und damit als Angebot gesichert wird.“

Zwischen aller Hilfe für andere habe das Caritas-Zentrum Saarpfalz auch selbst sehr viel Hilfsangebote erfahren dürfen. Immer wieder fragten vor allem junge Syrer nach, ob und wie sie helfen könnten. So beispielsweise Nahad Ibrahim, der 2014 ins Saarland kam und mehrere Jahre von der Migrationsberatung der Caritas unterstützt wurde. Er bot etwa an, Leuten in Corona-Quarantäne beim Einkaufen zu helfen oder mit Hunden Gassi zu gehen. Das Hilfsangebot habe das Caritas-Zentrum Saarpfalz gerne angenommen. Nach gemeinsamen Beratungen sei Nahad Ibrahim im Caritas-Altenzentrum St. Barbara in St. Ingbert eingesetzt worden. Seine Aufgaben dort waren Essen und Trinken zu verteilen, leere Utensilien wegzuräumen, mit den Senioren kurze Spaziergänge zu unternehmen, und, vor allem, sich mit ihnen zu unterhalten.

https://www.caritas-zentrum-saarpfalz.de/