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Bürgermeister aus Realmonte auf Sizilien in St. Ingbert

Besucher aus Realmonte : Sie sind stolz auf ihre sizilianischen Wurzeln

Ein Großteil der Italiener in St. Ingbert stammt aus Realmonte. Eine Delegation aus der Stadt am Mittelmeer war jetzt zu Gast.

In der vergangenen Woche waren Vertreter der sizilianischen Stadt Realmonte in St. Ingbert zu Gast. Sie waren auf Vermittlung von Giacomo Santalucia, dem Präsidenten des Deutsch-italienischen Bildungs- und Kulturinstituts, ins Saarland gekommen. Ortsvorsteher Ulli Meyer erfuhr auf dem Neujahrsempfang mit Ministerpräsident Tobias Hans vom bevorstehenden Besuch der Sizilianer. Da viele der Italiener, die in St. Ingbert leben, aus Realmonte stammen, lud Meyer die Delegation kurzerhand zu einem Gedankenaustausch in seine Heimatstadt ein.

Stimmengewirr, Lachen, Schulterklopfen – so begann die Zusammenkunft im Restaurant „Jerome“, die weniger förmlich ablief. „Die Italiener sind die stärkste Gruppe unter den Ausländern im Saarland“, erklärte Santalucia deren besondere Beziehung zu diesem Landstrich. Sie seien nach dem Krieg hergekommen, doch man habe sie gar nicht so sehr wahrgenommen, da sie sich schnell integriert hätten. „Sie haben Freundschaften geschlossen und sind in Vereine gegangen“, so Santalucia, der 2018 für sein Wirken in Sachen Völkerverständigung und das Zusammenwachsen Europas das Bundesverdienstkreuz am Bande des Bundesverdienstordens erhalten hatte.

Er selbst habe in St. Ingbert, wo Verwandte von ihm wohnten, das Licht der Welt erblickt. So wie er haben viele der Italiener das Andenken an die Heimat bewahrt. So gründete Silvestre Giarrizzo in St. Ingbert den Verein „Trinacria“, der in der Vergangenheit mit Auftritten einer sizilianischen Volkstanzgruppe zum Fastnachtsumzug und Festen von sich reden machte. Und die Sizilianer pflegten in St. Ingbert ihre Traditionen, während sie hier Wurzeln schlugen. Ein Großteil der Italiener, die hier aufwuchsen, haben nicht nur Fuß gefasst, sondern sind zum Teil erfolgreich und mittlerweile auch Arbeitgeber. So wie Architekt Gerlando Giarrizzo oder Nico Siggia, Gründer des Fitness-Studios im Turm in der Saarbrücker Straße, die ebenfalls im „Jerome“ dabei waren.

Santalucia zeigte sich stolz ob der positiven Entwicklungen der St. Ingberter, deren Vorfahren aus der Mittelmeerregion hierher kamen. Ihn ärgere, dass tüchtige Italiener zum Teil kritisch betrachtet würden. „Nur, weil man erfolgreich ist, ist man nicht gleich Mafiosi“, sagte Santalucia, der bei der AOK als Marketingexperte tätig ist. Einer, der in Sachen Mafia recherchiert, Antimafia-Bücher geschrieben und mit Krimi-Erfolgsautor Andrea Camilleri zusammengearbeitet hat, ist Alfonso Bugea. Der Chefredakteur der größten sizilianischen Tageszeitung war ebenfalls unter den Besuchern in St. Ingbert, wo er nicht nur einige seiner Bücher verschenkte, sondern den Deutschen vor allem ein großes Lob ausstellte. In Italien erlebe er immer wieder Rassismus und es sei paradox, dass die Integration gerade in Deutschland mit seiner Vergangenheit so gut funktioniere. Hierin sei es Vorbild und ein Zeichen dafür, dass man die Barrieren überall brechen könne, wenn man es denn wolle. „Wir sind ein Europa.“ Er kehre mit dem Eindruck nach Sizilien zurück, dass das tolerante Deutschland mit seiner Geschichte abgeschlossen habe. „Dieses Sig-
nal nehme ich mit nach Hause und ich bin stolz, dass Leute mit sizilianischen Wurzeln hier ihre normale Arbeit so verrichten, als würden sie etwas Extraordinäres tun“, sagte der Journalist.

Auch der Bürgermeister von Realmonte hat Bezüge zum Saarland: Seine Frau wurde in Neunkirchen geboren. Deshalb verfolge er die Entwicklung des Saarlandes, wo viele Italiener zum wirtschaftlichen Wachstum beigetragen hätten. „Wir müssen aber auch den Deutschen ein großes Dankeschön sagen, denn hier wurde vielen unserer Landsleute geholfen“, so Piero Puccio. „Einen Applaus haben sich vor allem die Väter verdient, die vor mehr als 50 Jahren hierhergekommen sind, ohne ein Wort Deutsch zu verstehen“, findet Giacomo Santalucia. Ortsvorsteher Ulli Meyer sagte, wie wichtig es gerade in heutigen Zeiten sei, die Verbindungen in ganz Europa zu halten: „Wir müssen zusammenarbeiten und Europa stärker machen. Eine gute Möglichkeit dafür sind die persönlichen Beziehungen. Schließlich sind wir alle Nachbarn.“