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Bäume für China: Buchenstämme aus der Region für China

Bäume für China : Buchenstämme aus der Region für China

Auch in den saarpfälzischen Wäldern hat jetzt die Holzernte begonnen. Das bringt bei den Spazierwegen auch einige Einschränkungen mit sich, die bei den Wanderern bisweilen für Unmut sorgen. Ein Besuch im Forstrevier Karlsberg.

Alles muss heute nachhaltig sein, von der Joghurt-Verpackung bis zu den selbst gestrickten Strümpfen. Dabei kommt dieser Begriff ursprünglich aus der Waldwirtschaft. Oder, wie es der Förster des Reviers Karlsberg, Michael Pfaff, ausdrückt: „Was wir heute ernten, das haben einst unsere Urgroßväter gepflanzt“.

In diesen Tagen beginnt im Saarland die Holzernte, „traditionell mit dem Bucheneinschlag“, so Pfaff. Die Buchen sind früh dran, weil der Weg, den viele Buchenstämme nehmen, lang und kompliziert ist, denn sie werden bis nach China verschifft. Und weil die Transporteure nicht in winterliche Stürme kommen wollen, müssen die Buchen so früh wie möglich abtransportiert werden. Die Globalisierung reicht also bis ins Forstrevier Karlsberg, in dem auf 2300 Hektar rund 17 000 Kubikmeter Holz gehauen werden. Davon entfallen 350 Kubikmeter auf Buchenstammholz. Etwa 60 Prozent der Ernte werde mit Motorsägen eingebracht, 40 Prozent mit den großen Erntemaschinen, den Harvestern.

Die Holzernten ist die Haupteinnahmequelle für Saarforst, die Kunden reichen von Privatleuten bis zu besagten Chinesen, dazwischen gibt es Sägewerke, Palettenhersteller und Möbelfabrikanten. Das Saarland, so Pfaff, sei zu klein, um ein großes zusammenhängendes Waldgebiet zu besitzen, 90 000 Hektar betrage die gesamte Waldfläche des Landes, 40 000 Hektar davon gehören Saarforst. „In Rheinland-Pfalz, dem waldreichsten Bundesland, wäre dies vermutlich ein Forstrevier“, sagt Pfaff, weshalb das Saarland mit seinem Waldgeschäft ein Zwerg ist unter den großen, waldreichen Bundesländern, die auch den Preis vorgeben.

„Fichten und Douglasien wachsen schnell und wurden vor 100 Jahren gerne gepflanzt, weil man sie auch als Grubenholz brauchte.“ Eiche und Kiefer wachsen langsamer. Vor allem die Eichen, die beim Einschlag im Schnitt 160 Jahre alt seien, brächten gutes Geld ein, allen voran bei der Möbelherstellung: „Aus einem Kubikmeter Eichenholz kann man 60 Schlafzimmer mit Furnier versehen.“

Auch Ahorn sei im Preis hoch, besonders beim begehrten Vogelaugenahorn muss man für ein Kubikmeter schon mal 2600 Euro zahlen. Der größte Teil der Holzernte werde nicht im Saarland verarbeitet. „Es gibt im Saarland nur noch drei kleinere Sägewerke.“ Die Holzstämme am Wegesrand seien mit Nummernmarken versehen, die exakt aussagten, wo genau die Stämme geschlagen worden seien und wer der Käufer sei. Im Saarwald darf überall Holz geschlagen werden bis auf drei Ausnahmen: beim „Urwald-Projekt“ bei Saarbrücken, in der Kernzone der Biosphäre sowie in ausgewiesenen Naturwaldzellen sei das Abholzen verboten. Zu knapp drei Viertel besteht der Saarforst aus Laubbäumen. „Doch mit den Nadelbäumen erzielen wir 60 Prozent des Erlöses“, betont Pfaff.

Im Saarforst liegen derzeit viele Baumstämme, die auf den Abtransport warten. Sie werden meist vorher abgeschält. Foto: Christine Maack

Dennoch, die Holzernte bringt für die Bürger, die gerne im Wald spazieren gehen, des Öfteren Ärger mit sich. Vor allem, wenn Waldwege gesperrt oder unpassierbar sind. Oder wenn Baumstammstapel an den Waldrändern liegen und vermeintliche „Kahlschläge“ den gewohnten Anblick verstellen. Im Revier Karlsberg betrifft dies derzeit rund drei Kilometer der Waldwege, die in Ordnung gebracht werden müssen. Insbesondere im Bereich Jägersburg und am Karlsberg, so Pfaff. Regen erschwere außerdem den Wegebau, „aber nach einer Trockenphase sind die Wege wieder wie vorher.“