Briefmarken erzählen Geschichte

Briefmarken erzählen Geschichte, und auch Postkarten stehen dem in nichts nach. Jetzt haben die Briefmarkensammler St. Ingbert in Rentrisch eine Sammlung gezeigt, die nicht nur jedem Historiker das Herz hat höher schlagen lassen. Auch Albert Weisgerber spielte eine Rolle.

. Das Kulturhaus Rentrisch war am vergangenen Wochenende Veranstaltungsort einer ganz und gar nicht alltäglichen Ausstellung. Der Verein der Briefmarkensammler St. Ingbert zeigte dort sowohl Briefmarken- als auch Ansichtskarten zu drei verschiedenen Ereignissen: 25 Jahre Wiedervereinigung Deutschlands, 60 Jahre Volksbefragung im Saarland und 80 Jahre Volksabstimmung im Saargebiet. Zudem wurde mit einer Bilderausstellung der 100. Todestag Albert Weisgerbers gewürdigt. "Wir machen das immer so, wenn die Fünf oder die Null im Jahr drin ist", erklärte Ludwig Brettar die Hintergründe.

Der erste Vorsitzende des Vereins betonte im Gespräch mit der SZ, dass weitaus mehr dazu gehöre, als nur Briefmarken in Schaukästen zu tun und diese der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. "Wir können die geschichtlichen Ereignisse an Hand der Philatelie darstellen", zeigte sich Brettar stolz. 21 Exponate - die Marken werden mit Fotos, Ansichtskarten und anderen Dokumenten illustriert und ergänzt - wurden von 14 Ausstellern des Vereins der Öffentlichkeit gezeigt. Dabei wurden 70 Rahmen verwandt. Das seien noch andere Zeiten gewesen, in denen die Drucke weitaus hochwertiger waren, gab Ludwig Brettar zu bedenken. Früher wurden die Marken nämlich im Stahl-Tiefdruck-Verfahren produziert. Diese hochwertigen Ergebnisse seien seiner Auffassung nach heute mit Offsetdruck gar nicht mehr erzielbar.

Als der Landesverband in Erwägung zog, zum Tag der Briefmarke 2015 eine Ausstellung durchzuführen, habe er sich deshalb gleich für den St. Ingberter Verein gemeldet. Und das nicht ohne Stolz. Einen Original-Abstimmungszettel vom 13. Januar 1935 konnte man zeigen. Briefmarken sind immer auch Geschichte. Bei der Saarabstimmung 1935 herrschte eine Wahlbeteiligung von 98 Prozent. In der Ausstellung konnte man gar eine Karte aus New York bewundern. Und dann musste der Vereinsvorsitzende noch etwas klarstellen: Bei der Abstimmung vom 23. Oktober 1955 habe es sich um eine Befragung gehandelt. Es sei keine Abstimmung gewesen, da man sich nur mit "Ja" oder "Nein" entscheiden konnte.

Beim dritten Teil der Ausstellung zeigte man alles vollständig und chronologisch in Sachen Wiedervereinigung von 1989 bis zum 3. Oktober 1990. "So eine Sammlung lebt immer und ist nie vollständig", sagte Gerhard Martini, der für diesen Bereich zuständig war. Am Sonntag gab es dann ein Sonderpostamt, bei dem man die gekauften Marken und Umschläge auch mit dem entsprechenden Stempel dokumentieren konnte. Damit auch lokal alles an Jubiläen für 2015 vollständig abgebildet war, hatte man sich entschlossen, die St. Ingberter Motive des Malers Albert Weisgerber zu zeigen. Ausnahmsweise mal keine Briefmarken. Rund 60 Mitglieder hat der Verein. Er ist in der Szene vor allem dafür bekannt, da er seit 1991 - immer am 3. Oktober - einen Tauschtag anbietet. Die Clubabende finden immer am ersten und dritten Montag um 19.30 Uhr im Lokal Edelweiß in der Kohlenstraße 6a statt.