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Programm Kinowerkstatt: Brave Heldinnen und erfolglose Maler

Programm Kinowerkstatt : Brave Heldinnen und erfolglose Maler

Die Kinowerkstatt St. Ingbert wartet mit einem vielfältigen Programm auf: Heute läuft die Weltreise-Doku „Weit“.

„Weit“ von Gwendolin Weisser und Patrick Allgaier ist die Geschichte von einem Weg um die Welt! (Deutschland 2017, 125 Minuten). Die Kinowerkstatt St.  Ingbert zeigt diesen wunderbaren Film am heutigen Freitag, 1.  September und am Sonntag, 3. September jeweils um 20 Uhr sowie am Montag, 4. September, um 18 Uhr. Einmal um die Welt reisen und fremde Kulturen kennenlernen, zu Fuß oder per Anhalter: Das haben Gwendolin Weisser und Patrick Allgaier rund drei Jahre lang gemacht. In Freiburg haben sie 2013 ihre Reise gen Osten begonnen, um am Ende nach fast 100 000 Kilometern aus dem Westen wieder nach Hause zurückzukehren. Ohne zu fliegen und mit einem kleinen Budget in der Tasche erkundeten sie die Welt, stets von Neugierde und Spontaneität begleitet. Im Mittelpunkt der Reise standen dabei immer die unmittelbare Nähe zu den Menschen und der Natur. Auf der Reise per Anhalter durch Länder wie Tadschikistan, Georgien und den Iran erleben Gwen und Patrick ständig Neues. Doch die größte Überraschung wartet auf die beiden im sibirischen Irkutsk. Nur so viel sei verraten – Gwen und Patrick kamen schließlich zu dritt nach Hause. Die Weltumrundung vollendeten die beiden nach einer Schiffspassage von Costa Rica nach Spanien mit einem 1200 Kilometer Fußmarsch bis vor die Haustür in Freiburg. Der Film wurde mittels eines Crowdfunding-Projekts finanziert. Dabei haben fast 1000 Unterstützer über 35 000 Euro zusammengetragen. Es waren auch welche aus St. Ingbert dabei.

„Die göttliche Ordnung“ (Schweiz 2016) läuft in der Kinowerkstatt am Samstag, 2. September, um 20  Uhr und am Montag, 4. September, um 20.15 Uhr, dann in der Schweizer Originalfassung mit deutschem Untertitel, kommt zum richtigen Zeitpunkt, und sein Titel könnte treffender nicht sein: Die Regisseurin Petra Volpe erzählt den Kampf um die Einführung des Frauenstimmrechts am Beispiel der braven Heldin Nora Ruckstuhl, Hausfrau und Mutter von zwei Kindern. In einem Appenzeller Dorf beginnt sie sich langsam, aber hartnäckig für das Frauenstimmrecht einzusetzen – und dafür, wieder berufstätig sein zu können. Nur Socken waschen und den tyrannischen Schwiegervater bedienen, das reicht ihr nicht. Als sie dies ihrem Mann anvertraut, verbietet der ihr, eine Stelle zu suchen – und kann sich dabei auf das Gesetz berufen: Bis 1988 befahl das Schweizer Eherecht, dass der Mann als Oberhaupt der Familie nicht nur allein über das Geld verfügen, sondern auch entscheiden durfte, ob die Gattin arbeiten gehen darf oder nicht.

„Die göttliche Ordnung“ ist nicht zuletzt deshalb ein wichtiger Film, weil die jüngere Generation kaum mehr etwas über diese Kämpfe weiß: über die späte Korrektur der größten politischen Schande des modernen Bundesstaates – und darüber, dass die Demokratie in der Schweiz darum erst 46 Jahre alt ist. „Frauen in der Politik sind gegen die göttliche Ordnung“, sagt die einzige Frau im Dorf, die was zu sagen hat – als Erbin einer Sägerei. „Die göttliche Ordnung“ endet trotzdem mit einem Happy End: Das Frauenstimmrecht wird am 7.  Februar 1971 an der Urne angenommen.

Jerry Lewis war einer der populärsten Entertainer der USA, seine Kino-Komödien mit Dean Martin prägten eine Ära. Jetzt ist der Schauspieler und Regisseur im Alter von 91 Jahren gestorben. Er war der größte Komiker seiner Zeit, ein Filmpionier – und ein Humanist. Lewis wurde mehrfach für sein Lebenswerk geehrt. 2009 bekam er für seinen Einsatz im Kampf gegen Armut und Krankheiten einen Ehren-Oscar. Bereits mit fünf Jahren stand er zum ersten Mal auf der Bühne, seine Karriere begann als Partner von Dean Martin. Die erfolgreiche Zusammenarbeit des Duos lebte vom Kontrast der beiden Charaktere: Während Martin den Part des Frauenlieblings übernahm, war Lewis der infantile Tollpatsch. Als einer ihrer besten Filme, mit Sicherheit aber als der visuell aufregendste, gilt „Maler und Mädchen – Der Agentenschreck“ (USA 1955), ein knallbuntes Spektakel, das am Sonntag, 3. September, um 18 Uhr zu sehen ist.

Nora Ruckstuhl und ihr konservativer Gatte in einer Szene aus „Die göttliche Ordnung“. Foto: Daniel Ammann

Dean Martin singt und trickst sich als erfolgloser Maler ins Herz der Traumfrau, während Jerry Lewis den herzensguten Freund mimt, welcher diesmal durch seine Comic-Leidenschaft in eine aberwitzige Spionagekolportage gerät und am Ende von der unwiderstehlich chargierenden Shirley MacLaine geehelicht wird. Herausragend ist die Umsetzung des höchstens serviettendicken Drehbuchs durch den ehemaligen Cartoonfilmer Frank Tashlin, der keine Gelegenheit für optische Gags auslässt: Wenn MacLaine den hilflos an einen Wasserspender gedrückten Lewis so hitzig küsst, dass der Trinkbrunnen buchstäblich zu kochen anfängt, dann ist dies nur eines von vielen großartigen Details dieser überbordenden Technicolor-Phantasie.