Der Wald leidet : Der Borkenkäfer frisst sich durch

Und noch ein Schädling macht seit einiger Zeit den Wald unsicher: der für Allergiker gefährliche Eichenprozessionsspinner.

Der Mai war kalt und nass, der Regen floss in Strömen - und wer freute sich dabei? Der deutsche Wald. Denn je feuchter und kühler das Wetter, desto ungemütlicher wird es für den Borkenkäfer. Die erste Generation Borkenkäfer sei aber schon ausgeflogen, hatte Förster Michael Pfaff im Mai gesagt - und angefügt: „Wenn jetzt ein heißer und trockener Sommer folgt wie im vergangenen Jahr, kommt eine zweite Generation und womöglich sogar noch eine dritte Generation hinzu, was besonders für die Fichten das Ende bedeuten könnte.“ Und nun ist es ab Mitte Juni prompt so gekommen: Große Hitze und Trockenheit. Und eine enorme Vermehrung der Schädlinge.

Der erste Regen erfolgte erst Ende dieser Woche und nützt nun auch nicht mehr viel. Die Borkenkäfer haben sich schon ans Werk gemacht. Was kein Problem für sie war, „denn der Wald ist noch vom vergangenen heißen und trockenen Sommer 2018 vorgeschädigt, und der Winter war nun auch nicht so wirklich kalt, dass es den Borkenkäfern an die Substanz gegangen wäre“, so Pfaff.

Auch das Umweltministerium vermeldet, dass „die lang anhaltenden Wärme- und Trockenperioden im Jahr 2018 zu einer Massenvermehrung von Borkenkäfern geführt hat.“ Bei trockenem Wetter und anhaltenden Temperaturen über 16 Grad hätten die Borkenkäfer ihre Überwinterungsplätze verlassen und neue Fichten befallen, man spreche dann vom „Frisch-Befall“. Im Wald des Landes und der Gemeinden kontrollierten die zuständigen Förster die Bestände auf Borkenkäferbefall. Im Privatwald werden betroffene Waldbesitzer von der Privatwaldberatung im Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz soweit möglich auf Schäden aufmerksam gemacht. Aber, so betont Umweltminister Reinhold Jost: „Aufgrund der Größe und der Verteilung des Privatwaldes im Saarland können unsere Mitarbeiter keine flächendeckenden Kontrollen durchführen. Daher bitten wir alle Privatwaldbesitzer: Kontrollieren Sie wöchentlich Ihre Fichtenbestände.“

Werde ein Frischbefall festgestellt, sei sofortiges Handeln notwendig, das heißt, die vom Käfer befallenen Bäume müssten umgehend gefällt und aus dem Wald abtransportiert werden. Dabei seien allerdings die natur- und artenschutzrechtlichen Belange weiterhin zu beachten. Mitarbeiter des Saar Forst beziehungsweise des Umweltministeriums beraten hier die Waldbesitzer.

Restholz, das nicht aufgearbeitet wird, zum Beispiel Baumkronen, sollte durch Kleinschneiden oder Häckseln brutuntauglich gemacht werden. Hinzu komme die sofortige Aufarbeitung von Sturmholz, soweit vorhanden. Fichten aus dem Jahr 2018 mit roten Kronen und abgefallener Rinde seien nicht mehr bruttauglich und spielten somit bei der Bekämpfung der Borkenkäfer keine Rolle, so das Ministerium weiter. Sie sollten zur Entlastung des Holzmarktes derzeit nicht genutzt werden. Ausnahme sei lediglich eine Fällung aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht.

Allerdings seien nicht nur die Fichten geschädigt, auch wenn sie beim Borkenkäferbefall die Hauptlast trügen, „auch die Buchen haben Probleme“, so Michael Pfaff. Sie litten am so genannten Schleimfluss, einer Krankheit, die man an den Schleimflussflecken erkenne, „das sind strichförmige Rindennarben und in späteren Stadien fleckenweises Absterben und Ablösen der Rinde“, betont Förster Pfaff, „das Holz wird innen fleckig und lässt sich natürlich nicht mehr verkaufen. Das bedeutet einen erheblichen Verlust.“ Selbst Douglasien, die vergleichsweise robust seien, wurden schon von Borkenkäfern angegangen, „das war bisher nicht der Fall, denn Borkenkäfer mögen eigentlich keine Douglasien, da diese viel Harz bilden und dadurch ein Schutzfilm entsteht, der sich negativ auf die Brut des Borkenkäfers auswirkt.“ Die Larven des Käfers würden quasi mit Harz verklebt und sterben ab.

Dass die Borkenkäfer dennoch die Douglasien befielen, zeige, „dass es so viele gibt, dass sie sogar an Bäume gehen, die sie im Normalfall meiden.“

Noch ein Schädling mache seit einiger Zeit den Wald unsicher: der Eichenprozessionsspinner. Sein massenhaftes Auftreten berge vor allem für Allergiker ein Gefahrenpotenzial. Früher gab es diesen Nachtfalter kaum, jetzt trete er, aufgrund der Wärme, sogar massenhaft auf. Auch eine beunruhigende Entwicklung, findet Pfaff.

Die Raupen des Eichenprozessionsspinners hängen an der Rinde einer Eiche. Er ist ein Nachtfalter, dessen Härchen Allergien auslösen. Foto: dpa/Thomas Warnack

Detaillierte Informationen zu Maßnahmen der Überwachung, Vorbeugung und zur Bekämpfung der Borkenkäfer finden Waldbesitzer in dem Faltblatt „Handlungshinweise – Umgang mit Borkenkäferbefall“, das mit folgendem Link von der Homepage des Ministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz vorhanden ist: https://www.saarland.de/75970.htm