Bobby-Cars machen Appetit auf mehr

Tempo 60 auf der Rohrbacher Kirchhofstraße und keine Konsequenzen für den Raser? Am Wochenende ging das. Zahlreiche Bobby-Car-Piloten kamen zur Saarlandmeisterschaft, die der Verband der Selbstständigen und der Bobby-Car-Sportverband ausrichteten. Sie sammelten Punkte für die WM-Wertung statt für die Sünderkartei in Flensburg.

Die Stammtischfrauen des Männerchors Rohrbach ließen den alten „Holzmichl“ hochleben. Foto: Oliver Bergmann. Foto: Oliver Bergmann

Konkurrenz oder Co-Existenz? Das war die Frage, mit der sich Kerwesingen-Ausrichter Männerchor Rohrbach und der Verband der Selbstständigen (VdS), der die Saarländische Bobby-Car-Meisterschaft nach Rohrbach holte, beschäftigten. Das Experiment scheint geglückt zu sein, da beide Veranstaltungen voneinander profitieren.

Die Besucher pendelten zwischen Kirmes und Rennen hin und her, nicht nur deshalb hob der VdS-Vorsitzende Tim Hönig den Daumen. "Wir haben 42 Starter beim Amateur-Rennen, das ist nicht üblich." Mit den Teilnehmern der drei Kinderklassen, der beiden Mannschaftswertungen, den Jugendlichen und den Profis stieg die Gesamtzahl der Starter schließlich deutlich über 100 und übertraf Hönigs Erwartungen. Für die Lücken im Zuschauerbereich an der Rennstrecke hatte Hönig am Samstag sogar Verständnis. "Einige nutzen wohl das schöne Wetter und mähen ihren Rasen." Hönig bedankte sich bei den vielen Helfern, besonders bei denen, die mit dem VdS überhaupt nichts am Hut haben. ,,Ohne die Hilfe der Stadt, des THW oder der Feuerwehr wäre das hier gar nicht zu stemmen gewesen." Kurzzeitig galt es den Atem anzuhalten, nachdem sich die Brandmeldeanlage des Rohrbacher Rewe-Marktes meldete. Die Feuerwehr gab aber schnell Entwarnung, laut Löschbezirksführer Michael Michaeli waren verbrannte Brötchen für die Schrecksekunde verantwortlich. Schnell konnten die Einsatzkräfte wieder die Strecke sichern. Auch das Rundum-Paket stimmte. So begehrt wie ein Platz im Zieleinlauf war ein Besuch bei Roland Rosinus und Kaya Sefgi. Das Duo stellte die Initiative Saar-Bob vor, die vor allem junge Kraftfahrer vom alkoholisierten Fahren abhalten soll. Als äußerst populär erwies sich der Simulator, der eine Autofahrt unter Alkoholeinfluss ermöglichte.

Der sportliche Reiz war für die besonders ambitionierten Fahrer durch die letzte Möglichkeit der Saison, Weltranglisten-Punkte zu sammeln, ebenfalls gegeben. Deshalb kam auch die 15-Jährige Franziska Wingender aus der kleinen Eifelgemeinde Volkesfeld nach Rohrbach. Trotz ihrer Jugend gilt sie schon als ein ehrgeiziger Profi. Am Wochenende sicherte sich die Pilotin der Bobby-Car-Freunde Kempenich den zweiten Platz in der WM-Wertung. Schwierig sei es nicht gewesen, eher zu einfach. "Man konnte ohne zu bremsen runterfahren. Ein etwas höherer Anspruch hätte mir besser gefallen", urteilte sie.

Das Bremsen war eine Kunst für sich - und ein schöner Anblick für die Schuhindustrie. Denn nach Überquerung der Ziellinie galt es, schnell zum Stillstand zu kommen. Dafür nutzten die Fahrer ihre Schuhsohlen, die der ein oder andere dabei verschlissen haben dürfte. Der Geruch verbrannten Gummis lag in der Luft. Und wenn es nach Tim Hönig geht, dann gibt's dasselbe Spektakel im nächsten Jahr wieder. Dann soll die Strecke nicht schon auf der Kirchhofstraße enden, sondern an der Wiesentalschule. Wegen einer angekündigten Baustelle, die aber dann doch nicht eingerichtet wurde, musste diesmal noch ein Kompromiss her. Heinz Regel schaute kurz zum Himmel, dann auf den Parkplatz vor der Wiesentalschule und stellte fest: "Der Wettergott muss ein Rohrbacher sein." Der Vorsitzende des Männerchors 1860 freute sich, dass so viele den Weg zur Wiesentalschule gefunden haben, um dort zum letzten Mal in diesem Jahr miteinander zu feiern und sich unterhalten zu lassen.

Der Veranstaltungsablauf war vielversprechend. Neben den Kindergartenkindern von St. Johannes und der Detzelstraße gingen auch die Stammtischfrauen des Männerchores, die St-Georgs-Pfadfinder, die durstigen Kelche des SV Rohrbach und die Frauen-Turngruppe Fit und Flott des Kneipp-Vereins, die 90er Bierbuwe und die Straußmäde- und Straußbuwe auf die Bühne. Und natürlich Kerwe-Redner Günther Weiland. Bei seinem vielleicht letzten Auftritt lief er zur Höchstform auf und legte den Finger in die Wunden, bei denen den Rohrbachern die Herzen bluten. Das noch immer nicht fertige Bürgerhaus und der Diedesbühl waren zwei zentrale Punkte. Aber auch für Oberbürgermeister Hans Wagner und seinen Vorgänger Georg Jung hatte Weiland in seiner letzten Kerweredd ein paar Worte übrig. Den Gedanken "ich habe schnell erkannt, ich habe mich da in etwas verrannt", legte er dem amtierenden OB in den Mund und den Spruch: "Der wo es mal war, gibt's nicht uff und haut wo er kann als noch druff. Seine Pension, die stimmt - schad' nur, dass er immer noch kein' Posten find' und endlich aus der Stadt verschwind'", widmete er Georg Jung.