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Bistum Speyer erprobt in "Heilig Kreuz" Homburg Pfarreileitung im Team

Neues Leitungsmodell in Heilig Kreuz Homburg : Ein Leitungsteam ersetzt den Pfarrer

Das Bistum Speyer probiert in der Homburger Pfarrei Heilig Kreuz etwas Neues aus. Anstatt eines Pfarrers soll ein ganzes Leitungsteam aus Haupt- und Ehrenamtlichen eingesetzt werden.

Es ist schon eine Mammutaufgabe, die sich jetzt in der Homburger Pfarrei Heilig Kreuz stellt. Und je genauer man hinsieht, desto klarer wird, was man sich vorgenommen hat. Künftig soll hier nämlich nicht mehr ein Pfarrer allein an der Spitze stehen, der neben seinen seelsorgerischen Aufgaben, ja beispielsweise auch für die Kindergärten, die Gebäude, das angestellte Personal, zuständig ist. Vielmehr soll nun ein ganzes Team, das aus fünf gleichberechtigten Mitgliedern besteht, drei hauptamtlichen und zwei ehrenamtlichen, gemeinsam agieren. Dazu soll auch ein „moderierender Priester“ gehören (wir berichteten kurz).

Generalvikar Andreas Sturm nennt neue Herausforderungen als Grund für diese Entscheidung: „Wir wollen durch diesen Schritt mehr Partizipation und mehr Teamarbeit ermöglichen.“ Doch dahinter steht zugleich eine andere Entwicklung: Personalmangel. Es gebe auch im Bistum Speyer immer weniger Priester, die Zahl der Diakone sowie der Pastoral- und Gemeindereferentinnen und -referenten gehe ebenfalls zurück. „Schon jetzt haben wir im Bistum mehr als 15 offene Seelsorgerstellen“, sagt Sturm. In manchen Fällen seien Stellen schon seit mehreren Jahren unbesetzt. Ordinariatsdirektorin Christine Lambrich, die Leiterin der Hauptabteilung Personal des Bischöflichen Ordinariats, rechnet bis zum Jahr 2030 mit einem Rückgang der aktuell 430 Mitarbeitenden in der Seelsorge um rund ein Drittel.

Und warum startet man in Homburg? Es gebe im Bistum Speyer schon seit längerem ein Nachdenken über neue Formen der Pfarreileitung, hieß es von der Pressestelle. Da zum Jahresende Pfarrer Markus Hary, der bis dahin hier zuständig war, verabschiedet wurde, habe sich in Homburg ganz konkret die Frage gestellt, wie es mit der Pfarrei Heilig Kreuz weitergeht. „Da das Bistum ein positives Bild von der Pfarrei hat und ihr einiges an Veränderungsbereitschaft und Innovation zutraut, fiel die Entscheidung, hier ein solches Modell der Pfarreileitung im Team zu erproben.“ Im August soll es damit losgehen. „Dann wollen wir starten, wobei wir im Moment davon ausgehen, dass es voraussichtlich noch bis zum Beginn des neuen Kirchenjahres am ersten Advent dauern wird, bis alle Voraussetzungen geschaffen sind und klar ist, welche Ehrenamtlichen im Leitungsteam der Pfarrei mitwirken werden“, führt das Bistum aus. Denn: „Wir gehen einen neuen Weg. Das bedeutet, dass wir heute noch nicht auf alle Fragen eine fertige Antwort haben.“

In der Pfarrei selbst wurde das neue Modell am Dienstagabend Mitgliedern des Pastoralteams und der pfarrlichen Gremien vorgestellt.

Das sei sehr positiv angenommen worden, sagt Gemeindereferent Frank Klaproth. Natürlich habe es auch einige Bedenken und Fragen gegeben. Es herrsche ein Stück weit Unsicherheit, aber es sei vor allem ein konstruktives Miteinander. Er selbst sieht darin auch die Chance, „dass sich das Bild von der katholischen Kirche positiv verändert“, betonte er. Besonders wichtig dabei: die beteiligende Leitung, das Mitspracherecht, durch dieses Teammodell könne zudem eine Frau in der Leitung einer Pfarrei sitzen. Wer zum Gottesdienst in die Kirche komme, für den ändere sich erst einmal nicht viel: Die Messe werde qua Amt der Priester halten. Doch für Klaproth soll auch hier erfahrbar sein, dass man neue Wege geht. Wie das geschehen könnte, müsse man überlegen. Es ist sicher nicht die einzige offene Frage, es gebe noch viel zu klären, etwa wie die Ehrenamtlichen auf ihr Amt vorbereitet werden, aber auch wie der Zeitbedarf aussieht.

Hubertus Heinz engagiert sich bereits jetzt ehrenamtlich, ist der Vorsitzende des Pfarreirates. Er freut sich, „dass Speyer es uns zutraut. Wir können uns noch nicht vorstellen, wie es ausgestaltet wird“, das müsse man erarbeiten. Aber: „Wir wollen das machen und gehen die Schritte.“

Und wer wird zum Team gehören? Den Priester werde das Bistum ernennen, hieß es aus Speyer. Pastoralreferent Stefan Pappon und Gemeindereferent Frank Klaproth seien bereits gesetzt. Dazu komme ein Ehrenamtlicher aus dem Pfarreirat und einer aus dem Verwaltungsrat. Wie diese beiden gefunden werden und welche Aufgaben sie in dem Team wahrnehmen, gehöre zu den Fragen, „die wir jetzt im Lauf des Jahres Stück um Stück klären wollen“.

Das Modell, dessen Erprobung das Bistum intensiv begleiten will, soll kein Einzelfall bleiben: Sofern sich dazu die Möglichkeit biete und Pfarreien dazu bereit seien, wolle man es auch noch an zwei, drei anderen Stellen ausprobieren, hieß es. Es gebe aber noch keine konkreten Pläne, wo das genau sein könnte.