Biertradition bleibt unvergessen

Ähnlich groß wie die Nachfrage nach Walsheim-Bier über Jahrzehnte hinweg war, ist nun auch der Zuspruch zu einer Ausstellung zur Brauereigeschichte gewesen. Die soll in Zukunft durch ein Buch ergänzt werden.

. 1848, vor 165 Jahren, nahm die Walsheim-Brauerei AG ihren Betrieb auf, avancierte schnell zu einem expandierenden Unternehmen, das sich weltweit einen guten Ruf mit seinem Produkt aus Wasser und Gerste erwarb. In den 30er Jahren verließen jährlich 240 000 Hektoliter Bier die Braustätte. Ausgeschänkt wurde es in Amerika, Südamerika, in Madagaskar, Paris und in den französischen Kolonien. In den 80er Jahren verschwanden die Betriebsanlagen, die über Jahrzehnte dorfbildprägend waren, von der Bildfläche. Sie mussten vor der Abrissbirne kapitulieren. Einzig der historische Brauereikeller, in dem einstmals große Fässer gelagert wurden, erinnert noch an Walsheims bekannteste Firma.

Jetzt haben sich Menschen zusammengefunden, die die das Erbe an die Brauerei wach halten wollen. 2011 wurde der Verein für Brauerei- und Dorfgeschichte Walsheim gegründet, den Michael Clivot führt und der rund 30 Mitglieder zählt. Erste große Aktivität war eine Ausstellung, die vor wenigen Tagen in den geschichtsträchtigen Mauern unter den denkmalgeschützten Kreuzgewölben stattfand. Vier Monate haben hauptsächlich Michael und Stefan Raffel, Peter und Sonja Leiner, Karl-Heinz Hüther und Margit Lehnert fieberhaft gearbeitet, viele Exponate wie Bierfässer, Schilder, Gläser, Bierdeckel und Dokumente zusammengetragen, die schriftlichen Arbeiten erledigt, die 37 Bildwände ausstaffiert hätten.

Auch sei für den Verein ein Film aus Beiträgen des Saarländischen Rundfunks zusammengestellt worden, die sich mit der Historie der Walsheim-Brauerei beschäftigt. Der 85-jährige Heinz Höfler, fundierter Kenner der Walsheimer Biergeschichte und Besitzer zahlloser Erinnerungsstücke der "goldenen Biertradition", darunter auch eine 1928 gedruckte Festschrift und ein Arbeitszeugnis, ausgestellt 1919, zeigte sich tief beeindruckt von der Ausstellung. Eigens aus Zürich angereist war die Rechtsanwältin und Redakteurin der Neuen Zürcher Zeitung, Claudia Schoch-Zeller, Enkelin des letzten Brauereibesitzers Hans Kanter. "Es ist einfach schön anzusehen, wie offen man mit der Brauereigeschichte hier umgeht." Sie erinnert sich, dass ihre Großmutter erst in betagtem Alter von ihren Erlebnissen im Bliestal erzählt habe "Sie hat aber lange Zeit die Verfolgung durch die Nationalsozialisten ausgeklammert."

Christian Weber, Mitglied der Unternehmensleitung und Generalbevollmächtigter der Karlsberg-Brauerei, dessen gleichnamiger Vorfahre 1878 Gründer der Karlsberg-Brauerei war, stattete dem Keller einen Besuch ab. "Ich bin zum ersten Mal hier und beeindruckt." Er wies darauf hin, dass Karlsberg wieder die Marke Walsheim vertreibt. "Wir verwenden das Label für Spezialbiere". Für das Jahr 2014 soll wieder ein Kalender entstehen und in einigen Jahren die Ausstellung wiederholt werden, so Clivot. Ortsvorsteher Stefan Pauluhn lobte die außergewöhnliche Leistung. "Der Verein hat etwas Besonderes geschaffen." Er hofft darauf, dass bald an einem Buch über die Brauerei begonnen wird.