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Bienenschwärme dem Imkerverband melden

Panik ist hier fehl am Platz : Bienenschwärme suchen eine neue Heimat

Derzeit häufen sich Panik-Anrufe bei den Ordnungshütern, denn die Menschen fürchten sich vor einer Bieneninvasion. Doch es ist ein natürlicher Vorgang, das Volk folgt seiner neuen Königin.

So manche Gartenbesitzer glauben derzeit, sie spielten in einem Horrorfilm mit. Sie sitzen gerade friedlich beim Kaffeetrinken, plötzlich nähert sich von hinten ein tief brummendes Geräusch – und innerhalb von Sekunden ist der Apfelbaum braun von einem riesigen Bienenschwarm.

Was tun? „Die Leute haben verständlicherweise Angst, wenn sie plötzlich von hinten ein anschwellendes Brumm-Geräusch hören und plötzlich hängen 10 000 Bienen an einem Baum“, erklärt die Homburger Imkerin Elisabeth Boßlet, „aber das ist kein Grund zur Besorgnis, es sind keine Killerbienen, ganz im Gegenteil“. Es handele sich um einen natürlichen Vorgang, der noch bis Mitte Juni andauere: Ein bereits bestehendes Bienenvolk hat eine neue Königin ausgebildet, so dass die alte Königin weichen muss und nun mit ihren Anhängerinnen zu einem neuen Wohnsitz aufmacht, „so vermehren sich die Bienen“, erklärt Boßlet, „sie gründen sich sozusagen aus“.

Wenn man beim Spazierengehen oder im Garten auf einen riesigen Bienenschwarm stößt, handelt es sich also um ein neu gegründetes Bienenvolk auf der Suche nach einer Bleibe. Das klingt nett und irgendwie nach Biene Maja, ist es aber nicht, denn seit es die Varroa-Milbe gibt, wird dem neuen Bienenvolk mit hoher Wahrscheinlichkeit der baldige Tod beschert sein. Denn es ist unausweichlich, dass die Bienen von dem in den 70er Jahren aus Asien eingeschleppten Parasiten früher oder später befallen werden und sterben. Deshalb bittet die Imkerin die Bevölkerung, beim Antreffen eines Bienenschwarms einen Imker oder eine Imkerin anzurufen und Bescheid zu geben.

„Die Leute rufen in ihrem Schrecken bei der Polizei, beim Ordnungsamt oder bei der Feuerwehr an, aber wirklich helfen können nur Imker.“ Die haben nicht nur die geeignete Kleidung, die wissen auch, was zu tun ist. Zunächst werden die Bienen ein wenig mit Wasser bespritzt, damit sie schwer und träge werden, dann werden sie in einer Kiste eingeschlossen, in der sie sich „unter sich“ fühlen. Die Kiste wird damit ihre neue Heimat, aus der sie ein- und ausfliegen können.

Sollte man beim Spazierengehen einem Schwarm begegnen, sollte man ihm natürlich ausweichen, so Boßlet, „aber man darf nicht wild um sich schlagen oder gar in Panik ausbrechen, denn die Bienen sind in dieser Situation zahm und keineswegs aufs Stechen aus. Vielmehr sind sie träge, denn sie schleppen von der alten Behausung Honig als Proviant mit. Außerdem sind sie nicht in Verteidigungsstimmung, da sie nichts zu verteidigen haben.“

Die Imker, die den herrenlosen Bienenschwarm einfangen, dürfen dabei auch Grundstücksgrenzen überschreiten, das diene der Sicherheit der Anwohner und sei gesetzlich so geregelt, betont die Homburger Imkerin.

Allerdings, und das sagt sie nicht im Scherz, sollten die Leute wirklich nur dann bei den Imkern anrufen, wenn es sich tatsächlich um Bienen handele und nicht um Wespen. „Mit Wespen haben wir nichts zu tun, die haben nicht nur ein anderes Verhalten, die fallen auch unter die Artenschutzregeln. Wir sind nur für die Bienen zuständig.“

Den Bienen geht es derzeit gut, sie haben sich gerade die stark riechenden Robinien vorgenommen, die derzeit überall an den Waldrändern üppig blühen. Die Rapsblüte und auch die Obstbaumblüte seien in diesem Jahr wegen der lang anhaltenden Trockenheit im April nicht wirklich ergiebig gewesen, „die Blüten sind sehr schnell abgefallen, weil es nicht geregnet hat, das war für die Bienen nur eine sehr kurze Periode, in der sie die Blüten anfliegen konnten“. Dafür entschädige jetzt die Robinie.

Wer einen riesigen Bienenschwarm in seinem Garten beobachtet, sollte den zuständigen Schwarmfänger anrufen. Die Fachleute wissen, was zu tun ist, um Menschen und Bienen zu retten. Foto: dpa/Stefan Thomas

Als nächstes kommen die Linde und die Esskastanie als Massentracht in Frage, „da dürfte eine ziemliche Menge an Honig herumkommen“, vermutet die Expertin. Natürlich flögen die Bienen auch Gartenblumen und Rosen an, „das ist zwar keine Masse, aber es gibt dem Blütenhonig seinen besonderen Geschmack, dass neben einer Hauptblüte auch einige andere Aspekte zum Geschmack des Sommerhonigs betragen.“