Berufsbildungszentrum St. Ingbert: Veranstaltung zu Willi Graf

Kostenpflichtiger Inhalt: Willi-Graf-Veranstaltung am BBZ St. Ingbert : Die Verantwortung eines jeden Einzelnen

Mit einer Ausstellung und mehreren Vorträgen wurde am Berufsbildungszentrum St. Ingbert des NS-Widerstandskämpfers Willi Graf gedacht und über aktuelle Gefahren durch Rechtsextreme informiert.

Eine Geschichtsstunde der eher außergewöhnlichen Art dürfte die 13. Gymnasial-Klasse an der Willi-Graf-Schule des Berufsbildungszentrum St. Ingbert (BBZ) am vergangenen Mittwoch, 27. November, erlebt haben. Statt des gewohnten Klassenzimmers und Ausschweifungen des Geschichtslehrers gab es eine informative und detaillierte Ausstellung über den „Kreisauer Kreis“ und den Widerstand zur Zeit des Nationalsozialismus zu bestaunen. Anlass für die Veranstaltung ist das 76. Todesjahr des Widerstandskämpfers und Mitglied der „Weißen Rose“, Willi Graf, der selber auch Kontakte zum „Kreisauer Kreis“ hatte.

„Als Berufsschule wollen wir den Menschen so formen, dass er auch gesellschaftlich Verantwortung übernehmen kann“, erklärt Schulleiterin und Oberstudiendirektorin Mechthild Falk die Motivation für die Veranstaltung. Doch auch persönlich fühlt sie sich den Idealen des Namenspatrons ihrer Schule verbunden. „Ich selber war die Generation, die sagte ‚Nie Wieder!’“, erzählt Falk. Freiheit und Gerechtigkeit zählen für sie nach eigener Aussage zu den wichtigsten Errungenschaften unserer Gesellschaft. Willi Graf sieht sie deswegen auch als Vorkämpfer für die Freiheit an. Gerade in der heutigen Zeit, wo rassistisches und rechtspopulistisches Gedankengut in der Gesellschaft wieder verstärkt Zustimmung erfährt, sei das Andenken an den Widerstandskämpfer der „Weißen Rose“ deswegen wichtiger denn je.

Als eine besondere Form des Gedenkens informierte Joachim Frenzel-Paal, der unter anderem Geschichte am BBZ unterrichtet, nicht nur über die Verbindungen von Willi Graf und dem „Kreisauer Kreis“ (siehe Infokasten), sondern las mit mehreren Schülern auch aus Briefen der damaligen Widerstandskämpfer vor.

Um den Schülern die Aktualität des Themas näher zu bringen, lud man zudem Michael Groß, Politikwissenschaftler und Projektkoordinator für Politische Bildung vom Adolf-Bender-Zentrum, als Referenten ein. In seinem Vortrag gab er den Anwesenden einen anschaulichen Überblick über die Entwicklungen des Rechtsextremismus in Deutschland nach 1945. Dabei nahm er auch Bezug auf die Strategien des „Intellektuellen Rechtsextremismus“, die von Politikern wie Björn Höcke, rechten Verlagen, oder etwa der vom Verfassungsschutz beobachteten sogenannten „Identitären Bewegung“ genutzt werden. Statt der offenkundigen Verherrlichung oder Leugnung setzen diese auf eine Relativierung der Verbrechen des nationalsozialistischen Regimes. Mit dem Vorwurf eines angeblichen „Schuldkultes“ würden Leute wie Höcke, der das Berliner Holocaust-Denkmal als „Denkmal der Schande“ bezeichnete, oder neurechte Vordenker wie Götz Kubitscheck versuchen, die Diskussion in der Gesellschaft nach Rechts zu verschieben.

Schüler des Berufsbildungszentrums St. Ingbert begutachten die neu eröffnete Ausstellung über den "Kreisauer Kreis" in der Willi-Graf-Schule. Foto: Tom Peterson

„Was wir machen ist keine Zuweisung von Schuld, sondern wir erinnern und mahnen an die Opfer“, erklärt Groß abschließend in seinem Vortrag. Gegen Instrumentalisierungs-Versuche durch Rechtsradikale müsse man jedoch „ganz klar Position beziehen“, gerade wenn es um die Vereinnahmung des Gedenkens an Widerstandskämpfer wie Willi Graf und der „Weißen Rose“ gehe. Als konkretes Beispiel nannte Groß eine Demonstration in Chemnitz, bei der Vertreter der AfD weiße Rosen getragen hatten, die als Symbol für den Widerstand in der NS-Zeit angesehen werden. Der Aufzug hatte damals für Schlagzeilen gesorgt, da sich auch gewaltbereite Neonazis beteiligten und es später zu Übergriffen auf Polizei und anwesende Journalisten kam.

In ihrer Abschlussrede betonte Schulleiterin Falk, dass Demokratie „kein Selbstläufer“ sei. Und auch viele der anwesenden Schüler verstanden nach dem abschließenden Rundgang durch die Ausstellung den bekannten Leitspruch des Namenspatrons ihrer Schule wohl etwas besser. Denn wie Willi Graf damals sagte: „Jeder Einzelne trägt die ganze Verantwortung.“