Kolumne : Bergsteigermüsli nebst Grünkohl

Bei manchen Menschen kann Werbung auch das Gegenteil bewirken: Unsere Kollegin jedenfalls ließ sich von Müsli-Werbung in die Flucht schlagen und landete in der Metzgerei.

Noch sitzt er nicht zu Hause im Wandschrank, das aber ist bestimmt nur eine Frage der Zeit. Bisher springt er mich nur im Autoradio an. Mit diesem schwäbisch gefärbten Wort, das selbst in der friedlich stimmenden Weihnachtszeit ungeahnte Aggressionen freilegt.

Das Wort kommt von dem Mann mit dem Bergsteigermüsli. Vom „SEIdebacher“ Bergsteigermüsli. Jedes Mal, und das ist täglich, kommt diese furchtbare Werbung mit dem schrecklichen Wort um die Ecke. Ich habe noch niemanden getroffen, der „SEIdebacher“-Reklame mit oder ohne Müsli vermissen würde, ganz im Gegenteil. Man sehnt sich sogar zurück nach dem markerschütternden, aber dennoch weniger leidvollen „Carglass repariert, Carglass tauscht aus“-Geträller seinerzeit.

Seitenbacher und Team – mit der heftigen Betonung auf dem „EI“ – auch sie wünschen uns eine schöne Weihnachtszeit. Und so geht’s aus Protest in die Metzgerei, um mit einem veritablen Wurstweck den Gedanken ans Schwaben-Müsli zu verdrängen. E scheeni FlEIschwurscht hilft da schon weiter.

Und wenn wir gerade mal bei der Ernährung sind: Auf dem Wochenmarkt gab’s neulich Grünkohl. „Doo iss de Froschd schon drüwwagang“, sagt der Markthändler und wedelt mit dem dunkelgrünen Gemüse. Er wollte damit sagen: Der Kohl war dem Frost bereits ausgesetzt. Und deshalb kann man das Wintergemüse jetzt auch genießen. Ein paar kräftige Strunken mit reichlich Kohl drumherum kamen also mit nach Hause. Und Mettwürste, die gehören dazu. Und ein großes Stück Dürrfleisch. Denn in der kalten Jahreszeit kann man sich solcherlei auch mal erlauben.

Gier frisst manchmal Gehirn, das ist leider menschlich. Jedenfalls gab es sechs Tage lang Grünkohl zu essen. Mit Wursteinlage und Dürrfleisch. Beim SEIdebacher Bergsteigermüsli wär’ mir das nie passiert.