Bergkapelle St. Ingbert feiert 180-jähriges Bestehen

Bergkapelle feiert : Der Geburtstag konnte sich hören lassen

Zu den Gratulanten anlässlich des 180. Geburtstages zählte viel Prominenz aus Stadt, Kreis und Land. Doch getragen wurde das Festwochenende auf der Alten Schmelz von der Bergkapelle und mit ihr befreundeten Vereinen.

Dass es die Bergkapelle bereits 180 Jahre gibt, hat auch mit Liebe und Beständigkeit zu tun. Die Leidenschaft zur Musik ließ immer wieder junge Musiker zum Orchester stoßen, das ursprünglich als Musik- und Mehlkasse, der Unterstützungskasse der St. Ingberter Bergleute, begann. Heute gehört die Formation wie selbstverständlich zum Kulturleben der Mittelstadt und das, obwohl der Bergbau in St. Ingbert schon seit mehr als 60 Jahren ruht. Man ist dort stolz auf den Verein, der in seiner Historie lediglich sieben Dirigenten hatte.

Heute leitet Matthias Weißenauer die musikalischen Geschicke. Er weiß, was er an seinen Instrumentalisten hat, die er immer wieder zu Höchstleistungen anspornt und mit denen er auch Projekte in Angriff nimmt, die für ein Laienorchester nicht unbedingt üblich sind. Beim Festkonzert zum Jubiläum am Samstag in der Industriekathedrale bekamen nicht nur die Besucher eine Gänsehaut bei der Aufführung von „Herr der Ringe“ und „Carmina Burana“, sondern auch die zahlreichen Mitglieder der Bergkapelle.

Das Arrangement mit Schauspielern, einem fast 200-stimmigen Projektchor und Solisten vereinte zwei Stücke, die auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein könnten. Während John de Meijs in Musik gekleidetes Fantasiestück bei den Verlegern anfänglich gar nicht gut ankam und erst später zum Erfolg wurde, wusste Orff von Anfang an um die Wirkung seiner auf mittelalterlichen Texten basierenden Musik.

Auf der „Alten Schmelz“ bildeten beide Stücke eine Einheit, die Zuhörer erlebten eine furiose Klangwelt und tauchten optisch wie akustisch in eine mystische, geheimnisvolle Welt ein. „Einfach nur toll. Auch das Ambiente hier. Man sollte die Halle noch viel öfter für solche Konzerte nutzen“, sagte eine Besucherin des Konzerts sichtlich begeistert, die auch am Sonntag noch ganz unter dem Eindruck des Erlebten stand.

So ging es vielen, die sich zum Fest- und Familiensonntag ein zweites Mal bei der Bergkapelle einfanden, um mit ihr diesen besonderen Geburtstag zu feiern. Er begann mit einem Festgottesdienst, gefolgt vom Fassanstich und einem Frühschoppen mit der Stadtkapelle Saarbrücken. Außerdem feierte die Bergkapelle gleichzeitig mit ihrem Geburtstag 60 Jahre Weinpatenschaft mit dem pfälzischen Ort Rhodt unter Rietburg.

Vereinsvorsitzender Reinhard Huy erklärte das Doppeljubiläum mit der besonderen Beziehung des Orchesters zu dem Städtchen in der Pfalz. Schon vor der vertraglichen „Beziehung“ habe die Bergkapelle Musik beim Heimat- und Blütenfest gemacht und durch private Kontakte den Ausschlag für die langjährige Freundschaft mit den Pfälzern gegeben, aus denen sogar einige Ehen mit den musizierenden Saarländern hervorgegangen sind. Rhodts neuer Bürgermeister Armin Pister versicherte mit Weinprinzessin Johanna an seiner Seite, dass in seinem Ort wegen der St. Ingberter mittlerweile genauso gerne Bier wie Wein getrunken werde.

Wie beim Festumzug vom Kaufland zur Schmelz deutlich wurde, pflegt die Bergkapelle aber nicht nur gute Kontakte zu anderen Städten, sondern auch zu Schulen und Vereinen, deren Mitglieder sich Rad schlagend, Oldtimer fahrend, Salut schießend oder musizierend einreihten und so auf ihre ganz eigene Weise zum Ehrentag gratulierten. Im Foyer war eine kleine Ausstellung mit Fotos, Texten und Videos aus 180 Jahren Bergkapelle zu sehen und wer wollte, konnte sich eines der Merchandising Produkte wie Tasse, Kappe, Deko-Notenschlüssel oder Einkaufswagenchip, die eigens für diesen Tag kreiert wurden, als Erinnerung mit nach Hause nehmen.

Im Festkonzert in der Alten Schmelz wurde der mystische Bogen musikalisch von Mittelerde bis Mittelalter gespannt. Foto: Cornelia Jung

Huy verwies in einem Nebensatz darauf, dass die Bergkapelle eigentlich vorfeiere, da das Gründungsdatum schließlich der 4. Dezember sei. Doch wenn Stadtarchivar Dieter Wirth Recht behält, wird man bereits in acht Jahren den 190. Geburtstag feiern können. So würden Kirchenrechnungen, die kürzlich bei einem Speicherfund gemacht wurden, beweisen, dass es das Orchester bereits seit 1837 gibt. Eine Nachricht, die sicherlich zahlreiche Besucher des Festwochenendes begeistern wird.

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