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Bei Paralympics in Tokio dabei: Boris Nicolai aus St. Ingbert

Boris Nicolai zu Paralympics verabschiedet : Sportlicher Botschafter für St. Ingbert in Tokio

Mit einem „kleinen Bahnhof“ hat die Stadt St. Ingbert Boris Nicolai verabschiedet. Der Sportler wird Ende August in seiner Disziplin Para-Boccia bei den Paralympics in Tokio starten. Vor der Reise nach Japan beantwortet er viele Fragen rund um das sportliche Abenteuer.

Den St. Ingbertern ist Boris Nicolai gut bekannt. Seit Dezember 2020 ist Boris Nicolai ehrenamtlicher Beauftragter für die Belange von Menschen mit Behinderungen in St. Ingbert. In der Stadt einen Namen gemacht hat er sich zuvor aber schon als „Stammgast“ bei der St. Ingberter Sportlerehrung, wo er mehr als für seine großen sportlichen Erfolge geehrt wurde, In den kommenden Wochen wird der 36-Jährige aber der Sportler schlechthin in der Mittelstadt sein. Denn als einer von zwei saarländischer Sportlern hat er sich in seiner Disziplin Para-Boccia für die Paralympics in Tokio qualifiziert.

Ehe Nicolai aber Mitte August dorthin startet, hat ihn Oberbürgermeister Ulli Meyer vorm Rathaus offiziell verabschiedet. „Wir alle wünschen Ihnen viel Erfolg und drücken sämtliche Daumen. Für uns sind Sie jetzt schon ein Gewinner, denn dabei sein ist alles! Wir sind sehr gespannt auf Nachrichten aus Tokio“, so Meyer. „Es wäre schön, wenn wir einen St. Ingberter Olympiasieger hätten.“

Als kleines Zeichen seiner Unterstützung überreichte der OB dem Paralympioniken ein Funktionsshirt mit dem Logo der Stadt St. Ingbert. In Tokio tragen wird der St. Ingberter das Shirt aus seiner Heimatstadt aber wohl eher nicht. Nicolai verwies darauf, dass auch die paralympische Mannschaft einen Ausrüstervertrag hat. „Es gibt klare Vorgaben, was wir Athleten bei der Eröffnungsfeier oder im olympischen Dorf anziehen müssen. Man muss drei bis viermal am Tag ,offiziell‘ umziehen.“

 Boris Nicolai (rechts) beim Para-Bocchia.
Boris Nicolai (rechts) beim Para-Bocchia. Foto: Andreas Schlichter

Angesichts des großen Abenteuers, das ihm bei seinem ersten olympischen Spiel im fernen Japan und noch dazu in Corona-Zeiten bevorsteht, wirkte Boris Nicolai ganz cool. Auf alle Fragen rund um seine Olympia-Teilnahme hatte er eine Antwort parat. Und Fragen gab es genug. Angefangen mit. „Was ist denn eigentlich Para-Boccia?“ Seine Sportart beschreibt der 36-Jährige als sehr präzises Spiel,, bei es wie generell bei Boccia darum geht, seinen Ball möglichst nah den Zielball zu werfen. Je nach Handicap gibt es verschiedene Startklassen.Dort seien fast ausschließlich Rollstuhlfahrer aktiv, die an allen vier Extremitäten Einschränkungen haben. „Obwohl Para-Boccia schon 1984 paralympisch geworden ist, gibt es bei uns erst seit zwölf Jahren mit deutsche Meisterschaften.“ Und dann mit einem Augenzwinkern: „Para-Boccia ist halt eine Randsportart unter den Randsportarten in Deutschland.“

Und Corona bei den Paralympics? „Für jeden Athleten gilt das gleiche Hygienekonzept“, erklärte Nicolai. „Vorm Abflug muss man zwei PCR-Tests machen. Nach der Ankunft folgt ein weiterer Schnelltest. Dann ist an jedem Tag ein Schnelltest vorgesehen. Und in einer App muss ich täglich Körpertemperatur, Befinden und Kontakte angeben. Es gilt aber keine Quarantäne im engeren Sinn. Aber eine Impfpflicht für Athleten besteht nicht, nur Trainer, Assistenten und Physios, die aus Deutschland kommen, müssen geimpft sein. Ich bin aber doppelt geimpft.“

Nach Tokio reisen wird Nicolai Mitte August. Mit einem Linienflug direkt von Frankfurt nach Tokio, der elf Stunden dauert. Mit an Bord: der Bundestrainer, der Landestrainer und ein Assistent. „Zur Akklimatisierung haben wir zunächst ein achttägiges Trainingslager. Das findet in Zaruoka statt, 600 Kilometer oder sieben Busstunden von Tokio entfernt.“ Busstunden deshalb, weil der Rollstuhl von Bori Nicolai in den Maschinen für die Inlandsflüge nicht transportiert werden kann.

Wettkampfstart am 28. August

Die Paralympics in Tokio starten am 23. August, am 24. August ist die Eröffnungsfeier geplant. Seine erste Wettkampf hat Boris Nikolai dann am 28. August. Und zwar direkt in Tokio. „Die Wettbewerbe im Para-Boccia finden in einer Halle nur zwei Kilometer vom olympischen Dorf entfernt statt“, wie Nikolai schon wusste. In dieser ganz neu gebauten Halle wäre auch Platz für bis 12 000 Besucher. Ob allerdings bei den Paralympics Zuschauer dabei sein dürfen, wird erst nach Olympia in Tokio geklärt, wo bekanntlich keine Besucher dabei sein dürfen.

„Wenn es gut läuft, trete ich bis zum 1. September an, dann ist unser Finalwettkampf“, blickte Nicolai voraus. In der Klasse des St. Ingberters im Para-Boccia starten 24 Teilnehmer zunächst in sechs Vierergruppen an. Aus diesen kommen die Gruppensieger sowie die beiden Bestplatzierten weiter. Nicolais erster Wettkampf ist wegen der Zeitverschiebung im Übrigen um 2.30 Uhr nachts mitteleuropäischer Zeit.

Nummer zwei der Weltrangliste

Qualifiziert hat sich Nicolai, der 2018 Bronze bei der WM und 2019 Silber bei der EM holt, über die Weltrangliste. „Dort bin ich aktuell Zweiter und dadurch erhielt ich einen Startplatz bei den Paralympics.“ Da Nicolai aber seit 2019 keine Wettkämpfe mehr hatte, muss er unter anderem mit dem Bundes-. und dem Landestrainer viel trainieren, um in Olympia-Form zu kommen. „Ich hatte ein Trainingslager Anfang Juni in Portugal und vor einer Woche ein Training in Amsterdam gemeinsam mit Athleten aus den Niederlanden und Belgien. Und diese kommen am Wochenende auch zu uns“.

Gemeint ist damit Völklingen, wo der Para-Boccia-Spieler momentan in der Hans-Netzer-Halle trainieren kann, in der auch der spezielle paralympische Boden für seine Sportart verlegt ist. „Aktuell trainiere ich viermal die Woche, jeweils zwei bis drei Stunden.“ Ob das Pensum reicht, werde man sehen, im Para-Boccia lägen alle Starter ganz eng beisammen. „Ich bin guter Dinge und freue mich, was kommt“, verabschiedete sich Nicolai zum sportlichen Trip in den Fernen Osten.