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Befragung zu erneuerbarer Energie in Brenschelbach ausgewertet

Ortsratssitzung in Brenschelbach : Andrang der Bürger sprengt den Saal

Die Auswertung einer Befragung der Bürger zu Anlagen für Erneuerbare Energien weckte in Brenschelbach großes Interesse an der jüngsten Ortsratssitzung. Diese wurde kurzerhand ins Freie verlegt.

Rund 40 Brenschelbacher hatten sich aufgemacht, um an der Ortsratssitzung im Dorfgemeinschaftshaus teilzunehmen. Doch das war zu viel für den Raum. Kurzerhand entschied der Rat, die „Veranstaltung“ unter freiem Himmel auf dem Dorfplatz ablaufen zu lassen. Grund des Interesses war eine Bürgerbefragung zu Anlagen für Erneuerbare Energien auf dem rund 780 Hektar großen Bann des knapp 520 Einwohner zählenden Blieskasteler Stadtteiles, zu dem auch Riesweiler gehört.

Nachdem mögliche Planungen bekannt geworden waren, dass am Birkelweg unterhalb der Zollhäuser eine mehrere Hektar große, mit 8,1 Megawatt industriell ausgelegte Freiland-Photovoltaikanlage gebaut werden soll, hat sich eine Interessengemeinschaft gegen dieses Vorhaben gebildet. Daraus rekrutierten sich auch viele der Interessierten bei der Ratssitzung. Ortsvorsteherin Yvonne Malter, die souverän und informativ die „außergewöhnliche Ratssitzung“ leitete, erntete am Ende Beifall. Zuvor hatte sie mehrfach betont, dass es derzeit keinerlei solcher Planungen gäbe und dass trotz bekannter „Potenzialflächen“ niemand sagen könne wie und ob überhaupt sie genutzt werden sollen.

Unter den Augen der aus dem Streifenwagen heraus beobachtenden Gesetzeshüter liefen die rund 75 Minuten ab, in denen teilweise emotional, jedoch immer sachlich und informativ diskutiert wurde. Jedermann, mit Maske ausgestattet und im coronagerechten Abstand zum Nachbarn, erfuhr, dass bei der Umfrage 457 Brenschelbacher, die mindestens 16 Jahre alt sind, angesprochen worden waren. 98 (21,4 Prozent) von ihnen hätten sich beteiligt. 74 (75,5 Prozent) befürworteten Erneuerbare Energien, 18 (18,4 Prozent) sprachen sich dagegen aus, sechs (6,1 Prozent) machten keine Angaben. Da Mehrfachmeldungen erlaubt waren, begrüßten 68 Befragte (69,4 Prozent) Solarenergie aus, zwölf davon jedoch auf Privatgelände, wovon 45 Prozent bereiterklärten auf ihrem Hausdach eine Photovoltaikanlage (PA) zu installieren. 30 Menschen erklärten sich bereit, ihr Dach für eine PA zu vermieten, 32 besitzen selbst schon eine.

20 Personen (20,4 Prozent) sprachen sich für Windkraft, 36 (36,7 Prozent) für Biomasse als alternatives Energieangebot aus. Innerhalb der abgegebenen 64 persönlichen Anmerkungen forderten viele, wenn überhaupt, Anlagen außerhalb des Dorfes zu bauen, keineswegs dafür Wald abzuholzen und vor allem Eingriffe in Natur, Umwelt und Pflanzenwelt, die in der Biosphäre geschützt werden sollen, zu vermeiden.

Kritiker sprach davon, dass durch Anlagen sowohl die Lebensqualität der Menschen leide als auch der Wert der Immobilien gemindert werde. Angeregt wurde, Brenschelbach zu einem „Biosphärenmodelldorf“ zu entwickeln, das sich selbst mit der notwendigen Energie versorgen könnte, sofern die Anlagen gestattet würden. Damit werde auch erreicht, dass ausschließlich das eigene und die umliegenden Dörfer Nutznießer werden.

Malter betonte, dass nach jetzigem Stand im eingeleiteten Verfahren zur Erstellung eines neuen städtischen Flächennutzungsplanes keineswegs endgültig geklärt und festgelegt sei, ob die Sonderpläne Photovoltaik und Wind einzeln oder gemeinsam beraten werden. Zudem sei in Blieskastel keinerlei Interesse vorhanden, „überhaupt was zu machen, bevor der Flächennutzungsplan beschlossen ist“.

Darüber hinaus seien auf Brenschelbacher Bann wegen fehlender baurechtlicher Grundlagen Windräder weder erlaubt noch vorgesehen. „Keiner von uns will Windräder“, betonte sie und versprach, zu einer von 75 Prozent der Befragten gewünschten Bürgerversammlung unverzüglich einzuladen, „sobald bekannt ist, was Sache ist“.

Dann werde informiert und die Menschen würden auf dem Verfahrensweg begleitet werden. Die Brenschelbacher Ortsratsmitglieder werden „nach bestem Wissen und Gewissen für unseren Ort handeln“, so die Ortsvorsteherin abschließend.