Bedrohliches war zu spüren

Die Theatergruppe „Musenbolde“ hat am Dienstag mit seinem neuen Stück „Titus Tatz“ in der St. Ingberter Stadthalle Premiere gefeiert. 500 Kinder wollten sich dies nicht entgehen lassen und lauschten gebannt der hierfür eigens komponierten Musik und der Geschichte, die den Jüngeren viel abverlangte.

Die Theatergruppe "Musenbolde" führten am Dienstag und am gestrigen Mittwochabend das Stück "Titus Tatz" nach dem Kinderbuch von SF Said in der St. Ingberter Stadthalle auf. Damit hatten sie sich Großes vorgenommen, denn die schriftliche Vorlage heimste in England mehrere Preise ein, und die Präsentation in St. Ingbert war eine Welturaufführung. Entsprechend hoch lagen wohl die Maßstäbe bei der Theatergruppe rings um Regisseur Johannes Becher.

Würde es gelingen, die Geschichte rings um den verwöhnten jungen Hauskater Titus-Tatz (Anne-Marie Fürst), der mit seiner Katzenfamilie bis dahin wohlbehütet, sorglos und von der Außenwelt abgeschottet bei einer Comtesse lebte, der sich eines Tages in die Stadt aufmacht und deren raues Leben kennenlernt, die Inhalte umzusetzen und zu transportieren? Wird das Stück bei den Schülern auf Zuspruch stoßen?

Die Aufführung am Dienstagmorgen besuchten mehr als 500 Schüler von der Grundschule bis zu den weiterführenden Schulen. Obwohl die Geschichte in der sehr menschlich angehauchten Tierwelt spielte und damit auch für Viertklässler leicht erschließbar schien, war es doch ein Stück mit mehreren Ebenen und vielen Facetten, auf die sich gerade die jüngeren Schüler erst einlassen mussten. Außerdem verlangte es ihnen, trotz Pause, zweieinhalb Stunden Aufmerksamkeit ab. Nur kurz wurden einige Schüler angesichts der komplexen Story unruhig, um sich darauf ganz auf die Geschichte um den Kater und seine neuen Bekannten, die er in der Draußenwelt, fernab von seiner Familie in der Villa, kennenlernte, einzulassen. Selbst ein Gerüstbauunternehmen trug zum Erfolg des Stückes bei, denn von ihm stammten die drei Aufbauten, die das Bühnenbild dominierten und entsprechend die Villa, die Stadt oder Titus-Tatz' Traumwelt symbolisierten. Jene Welt, in der der träumende Titus-Tatz (Geraldine Breitkreutz) in Mesopotamien seinen berühmten Vorfahren Jalal (Luise Marschall) trifft, der ihm Lehren mit auf den Weg gibt, um sich in der Draußenwelt und im täglichen Leben zu behaupten.

Musik nur für die Aufführung

Eigens für diese Aufführung wurde die Musik von Frank Hahnhaußen komponiert, der das Stück mit der Combo des Albertus-Magnus-Gymnasiums musikalisch so umrahmte, dass man bedrohliche Situationen zu spüren meinte oder, selbst ohne den eingespielten Film zu sehen, wusste, dass imaginäre Fahrzeuge Titus-Tatz' Weg kreuzten. Selbst diejenigen Darsteller, die die kleineren Rollen beispielsweise der sich raufenden oder der schwarzen Katzen sowie der Tauben übernahmen, spielten so überzeugend und mit so viel Freude und Lebendigkeit, dass es nicht schwer fiel, sich in die Erzählung "fallenzulassen". Selbst die den Katzen eigenen, geschmeidigen Bewegungen wurden so gut imitiert, dass auch die jüngeren Schüler in die Katzenwelt eintauchten. In ihr ging es, wie man es sich für die die menschliche Welt ebenso wünscht, nicht darum, was "einer von Geburt aus ist, sondern was er tut", wie vom weisen Jalal zu erfahren war. In "Titus-Tatz" ging es um den Zauber und die Macht der Freundschaft und darum, dass man gemeinsam alles erreichen kann. Das fesselte und begeisterte die jungen Besucher so sehr, dass sie sich am Schluss mit Begeisterungspfiffen und stürmischem Applaus für alle Akteure und Musiker nicht zurückhielten und lautstark eine Zugabe forderten.