Baumkletterer kappt St. Ingberter Buchen

Baumkletterer kappt St. Ingberter Buchen

St. Ingbert. Wumm: Der Aufprall des Holzstückes geht durch Mark und Bein. Der Boden vibriert. Die Schilder "Baumfällarbeiten" zeigen, was hier gerade passiert. Zwei Spaziergänger warten gespannt hinter den Schildern und sagen: "Do owe hängta." Einige Minuten später wieder das gleiche Szenario

St. Ingbert. Wumm: Der Aufprall des Holzstückes geht durch Mark und Bein. Der Boden vibriert. Die Schilder "Baumfällarbeiten" zeigen, was hier gerade passiert. Zwei Spaziergänger warten gespannt hinter den Schildern und sagen: "Do owe hängta." Einige Minuten später wieder das gleiche Szenario. Zirka eine Stunde dauert es, bis der kletternde Baumpfleger Bernhard Stahl die zirka 45 Meter hohe Buche nahe dem Ensheimer Tal auf etwa acht Meter abgetragen hat.Der Grund: Verkehrssicherungsmaßnahmen im Wald. "Da die sechs Bäume, die jetzt abgetragen werden, in einer sogenannten Naturwaldzelle stehen, die gleichwertig mit einem Naturschutzgebiet ist, werden sie nicht gefällt, sondern soweit als nötig gestutzt", erklärt Forstwirtschaftsmeister Uwe Walter. "Zweimal im Jahr müssen wir die Bäume kontrollieren", ergänzt der zuständige Revierleiter St. Ingbert Süd, Förster Michael Weber. Er beschreibt auch den "hohen ökologischen Wert" des sogenannten Totholzes. In ihm siedeln sich beispielsweise Vögel mit ihren Bruthöhlen an. "Auch Käfer brauchen starkes Holz", so Saarforst-Mitarbeiter Uwe Walter. Ebenso siedelten Pilze an absterbenden Bäumen.

Um den Bäumen "zu Leibe rücken", lässt der Forst die Firma Wiedmann aus Zweibrücken anrücken. Hier sind Leute wie Bernhard Stahl beschäftigt, der mit spezieller Klettertechnik Baumkronen kappt. Fast leichtfüßig sieht es aus, wenn der Kletterer über 40 Meter hoch auf den Baum steigt. Gesichert ist er mit Seilen, in denen sich Stahl verbirgt. Der sorgt dafür, dass die Motorsäge, die er umgehängt hat, nicht mal eben das Seil durchtrennt, das sein Leben sichert. An seinen Schuhen befinden sich Steigeisen, ein Helm schützt den Kopf. Hat Stahl den letzten Ast abgesägt, bevor er den dicken Stamm Stück für Stück verkleinert, ruft er laut und fröhlich "Yippie…".

Aber wie erkennt der Fachmann, ob es sich bei den Bäumen um Totholz handelt, das abgetragen werden muss? "Das sehen wir beispielsweise daran, dass die Rinde abgeplatzt oder die Krone trocken ist. Auch Pilzbefall kann ein Zeichen sein", so Walter. Der kletternde Baumpfleger versucht, immer auch Grünäste stehen zu lassen. "Nur wenn es für die Waldbesucher zu gefährlich wird, werden diese komplett entfernt", sagt Walter.

Bernhard Stahl macht sein Job in luftiger Höhe Spaß. Ohne dessen Gefahren zu unterschätzen. Und das nicht nur, weil es heftig wackelt, wenn man hoch in der Krone eines Baumes arbeitet. Stahl hat zwei Lehrgänge hinter sich und muss etliche Praxisstunden nachweisen, um solch einen Rückschnitt machen zu dürfen. Vor zehn Jahren hat der 33-Jährige als Baumkletterer angefangen. Mit 48 Jahren möchte er aufhören - der Job ist ein Kraftakt. Regelmäßig wird überprüft, ob seine Kondition dafür noch ausreicht.

Durchhaltevermögen im übertragenen Sinn braucht auch die Motorsäge. Fehlt der mal der Sprit, ist das auch kein Problem. Dann lässt der kletternde Baumpfleger die Säge hinunter zu seinem Kollegen auf den Boden. Benzin nachfüllen, und weiter geht's. Überhaupt hat der Mann am Boden auch alle Hände voll zu tun, während sein Kollege hoch oben im Baum arbeitet. Er sorgt dafür, dass der Weg von den Ästen und Holzstücken befreit wird, damit Spaziergänger und Radfahrer den Wald so schnell als möglich wieder sicher passieren können.

"Alle Bäume werden zweimal im Jahr kontrolliert."

Revierleiter

Michael Weber

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