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Baufortschritte in der Poststraße in St. Ingbert

Synergieeffekte zwischen Mietern : Das „P 43“ will „volksnah“ sein

Das Gebäude an der Schnittstelle Post- und Kohlenstraße wächst zusehends. Die Fläche ist bereits komplett vermietet.

Die Baufortschritte des neuen Gebäudes an der Schnittstelle Post- und Schlachthofstraße sind kaum zu übersehen, obwohl die Gründung schwierig war und die Bohrpfähle zum Teil bis in elf Meter Tiefe in den Boden vorgetrieben werden mussten. Täglich schraubt sich nun das Gebäude höher, die ersten Fenster sind drin. Nur noch wenige Meter fehlen, bis „P 43“, so der Projektname des Architekturbüros in Anlehnung an die Postadresse, seine endgültige Höhe erreicht hat.

Nach sieben Jahren Leerstand und unterschiedlichen Mietern des ehemaligen Flachbaus an gleicher Stelle, sagten einige Skeptische dem Bau keine rosige Zukunft voraus. Doch Gerlando Giarrizzo vom gleichnamigen Architekturbüro hat gut Lachen. Seit sechs Monaten kann er die 100-prozentige Vermietung aller Flächen vermelden, wofür es nicht einmal eines Maklers bedurfte. Und die Mieter werden nicht nur auf Stippvisite kommen, sondern haben langfristige Verträge zwischen 13 und 20 Jahren Laufzeit unterschrieben. Ein Erfolg, von dem Giarrizzo nicht von Anfang an ausgehen konnte. Aber es zeigt ihm, dass viele Menschen in seiner Heimatstadt mehr Potential sehen, als einige deren Einwohner. Über dreihundert Menschen werden künftig dort arbeiten, wo früher die „Trikotage“ stand. Allein Atax, ein renommiertes Steuerberater- und Wirtschaftsprüfer-Unternehmen, kommt mit 80 Mitarbeitern bereits im Februar 2019, während der Rest des Baus im April bezugsfertig sein soll. Giarrizzo spricht von einer hohen Qualität der Mieter, darunter Anwälte, Mieter aus der Uni, die Softwareentwicklungsfirma Mansystems, die Verwaltung des SV Elversberg, eine Ärztin, Städteplaner, das Architekturbüro Giarrizzo selbst, die Marketingagentur Port 4 und noch einige andere. Im Erdgeschoss wird mit „Giò Sì“ ein Gastronomie- und Verkaufskonzept einziehen, das auf eine qualitativ hochwertige Küche und eine breite Warenvielfalt angelegt ist. Dort wird es beispielsweise Regionales aus dem Biosphärenreservat Bliesgau und Produkte aus Italien, Frankreich und Spanien geben. „Lebensfreude“, wie „Giò Sì“ übersetzt heißt, soll mit seiner großen Terrasse nicht nur die Mieter von „P 43“ anziehen, sondern auch die übrigen St. Ingberter.

Mit der Sport- und Gesundheitsanlage „Movimenti“, die sich ebenfalls ansiedelt, soll die Attraktivität des Objekts P43 gesteigert und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Das Fitnessangebot, das die „Bewegung“ im Namen trägt, sei kein Discount-Club, sondern lege seinen Schwerpunkt auf das Thema Gesundheit und Nachhaltigkeit. „Die Mieter sollen sich gegenseitig befruchten“, wünscht sich Giarrizzo. Das solle durch Synergieeffekte erreicht werden und durch den Branchenmix im Haus, mit dem die Mieter auch ihre Mitarbeiter binden wollen. Er habe sich die Interessenten aussuchen können, denn es habe von ihnen weit mehr gegeben, als Fläche zur Verfügung stand, so der Architekt: „Es hat sich wohl herumgesprochen, dass St. Ingbert die schönste Stadt im Saarland ist.“ Man dürfe nicht nur jammern, sondern müsse auch etwas tun. „Ich will mit dem Bau auch zeigen, dass Handeln etwas bewirkt“, so Giarrizzo, „eine gute Immobilie kriegt man in der Stadt auch gut vermietet. Mit ,P 43´ haben wir Signalwirkung, weil wir mit dem Bau auch viele Interessenten für andere Leerstände in St. Ingbert gewinnen können.“ Ökologisch spiele das Gebäude auf hohem Niveau, dem Green Building Standard. Es hat bessere Energiewerte als derzeit gesetzlich gefordert und wird ans Blockheizkraftwerk des DNA-Geländes angeschlossen. Äußerlich wird es durch eine hochwertige Verkleidung überzeugen. „Viele haben nun auch den Mut, hier zu investieren, nachdem sie das Konzept gesehen haben“, beschreibt Gerlando Giarrizo die Sogwirkung, die der Neubau entfalten kann.

Im ehemaligen Woolworth-Parkhaus können die Mieter des „P43“ Stellplätze mieten. Der Rest wird auf dem freien Markt angeboten. Foto: Cornelia Jung

Parken können die Mieter des „P 43“ dann im ehemaligen Woolworth-Parkhaus, das künftig für die Öffentlichkeit geschlossen bleibt. Auch dort wird seit drei Monaten gearbeitet: Betonschäden und das komplette Treppenhaus wurden saniert, die Brandschutztechnik auf den neuesten Stand gebracht, die Beleuchtung erneuert, innen und außen Malerarbeiten durchgeführt, neue Parkplatzmarkierungen, neue Tore und neue Absturzsicherungen im rückwärtigen Teil angebracht. Für die Parkplätze gebe es auch von den Anliegern und den umliegenden Arztpraxen Anfragen, so dass mit der Vergabe der restlichen der insgesamt 140 Parkbuchten auch die allgemeine Parkplatzsituation in der Stadt entzerrt werden könne, erklärt Giarrizzo.