Austausch : Lehren und lernen über Sprachgrenzen hinweg

. „Man kramt seine alten Französischkenntnisse nochmal heraus, man behilft sich mit ein bisschen Englisch, oder es geht mit Händen und Füßen“, lacht Rudolf Anstadt. Der Hasseler Bäcker und der Oberwürzbacher Metzgermeister Thomas Petermann betreuten in ihren Betrieben in den letzten neun Tagen Auszubildende aus Frankreich, genau aus Coutances aus dem Departement Manche in der Normandie.

Dorthin hat die Handwerkskammer des Saarlandes bereits seit über drei Jahrzehnten partnerschaftliche Verbindungen. Und im Rahmen dieser Partnerschaft gibt es auch immer einen Austausch von Auszubildenden. Insgesamt zwölf Austausch-Azubis weilten seit gut einer Woche im Saarland, einer davon in der Bäckerei Rudolf Anstadt in Hassel, der andere, Fleischer-Azubi aus Coutances, bei der Metzgerei Petermann in Oberwürzbach. „Es ist erstaunlich, wie viel Sprache man noch bei sich entdeckt, wenn man gezwungen ist, mit den jungen Leuten zu reden“, hat auch Thomas Petermann im Laufe der Austauschzeit festgestellt. „Aber meine Frau Sabine kann ganz gut Französisch, das klappt eigentlich prima“, unterstreicht der Oberwürzbacher Metzgermeister.

Titouan Verneuil konnte ihm die knapp zwei Wochen über die Schulter schauen, in Hassel war es Antoine Lavalley. Und Bäckermeister Anstadt ist voll des Lobes: „Der Antoine ist richtig gut, das ist ein Glücksgriff. Der hat schon zwei Jahre Patisserie hinter sich und auch schon Erfahrung in der Bäckerei. Dem brauchten wir nicht viel beizubringen. Der hat schon sehr viel mitgebracht. Und wenn wir ihm etwas gezeigt haben, konnte er es sofort umsetzen. Antoine hat bei uns voll mitgearbeitet“, ist der Hasseler Bäckermeister von „seinem“ französischen Azubi beeindruckt. Und auch Thomas Petermann lobt seinen Fleischerei-Azubi: „Das war eine gute Erfahrung für ihn. Ich mache den Austausch nun schon zum fünften Mal mit. Traditionell kennen sich die französischen Azubis beim Fleisch sehr gut aus. Weniger Erfahrung haben sie in der Wurstproduktion“, hat Petermann festgestellt. Und sein Austausch-Azubi stimmt zu: „Oui, ich habe viele neue Ideen bekommen. Besonders in der Wurstproduktion konnte ich hier sehr viel lernen“, stellt Titouan Verneuil heraus. Und auch Antoine Lavalley hat in der Hasseler Bäckerei viel mitnehmen können: „Da war sehr viel Neues. Ich habe viel gelernt und auch viel über die Brotsorten in Deutschland erfahren“, erzählt der französische Jungbäcker. Aber auch die deutschen Meister aus der Lebensmittelbranche nehmen einiges mit: „Man lernt auch als deutscher Metzger oder Bäcker noch dazu“, unterstreicht Thomas Petermann. Auch das Zwischenmenschliche sei von großer Bedeutung.

Neben dem Beruflichen gibt es zusätzlich noch ein Freizeitangebot. So war Petermann mit seinem Azubi in der Pfalz auf einem Weinfest, was sehr gut ankam. Spannend sei auch das gemeinsame Anschauen des Länderspiels zwischen Deutschland und Frankreich am Dienstagabend gewesen. „Das ist das Schöne an diesem Austausch. Die Betriebe betreuen die Azubis persönlich, und der familiäre Kontakt ist schon etwas Besonderes“, stellt Stefan Emser heraus. Er ist bei der saarländischen Handwerkskammer schon seit Jahren für den deutsch-französischen Azubi-Austausch verantwortlich und kann nur Gutes berichten: „Das ist wirklich eine gelungene Sache“. Die Erfahrungen seien auf beiden Seiten sehr gut, vor allem sei der Praxisbezug in Deutschland stärker als bei der doch mehr schulischen Azubi-Ausbildung in Frankreich. „Und besonders erwähnen möchte ich dabei auch noch das Engagement unserer Handwerksbetriebe. Die stehen voll hinter diesem Austausch, bemühen sich ganz fürsorglich um die jungen Franzosen und sind so gute Botschafter des saarländischen Handwerks“, unterstreicht Emser.

Mehr von Saarbrücker Zeitung