Aus Zellen werden Proberäume

St. Ingbert. Der Stadtrat hat am Donnerstagabend die Weichen gestellt für eine neue, zentralisierte Adresse der Musikschule St. Ingbert. Nach kontroverser Diskussion stimmte er mehrheitlich dem Verwaltungsvorschlag zu, die ehemalige Justizvollzugsanstalt in der Alten Bahnhofstraße für diesen Zweck zu nutzen und somit aus den einstigen Zellen Proberäume zu machen

St. Ingbert. Der Stadtrat hat am Donnerstagabend die Weichen gestellt für eine neue, zentralisierte Adresse der Musikschule St. Ingbert. Nach kontroverser Diskussion stimmte er mehrheitlich dem Verwaltungsvorschlag zu, die ehemalige Justizvollzugsanstalt in der Alten Bahnhofstraße für diesen Zweck zu nutzen und somit aus den einstigen Zellen Proberäume zu machen. Teile der Verwaltung ziehen in die benachbarte Baumwollspinnerei, womit sich der Wunsch der Musikschule nach einem zentralen Standort in der Stadtmitte erfüllen dürfte. Allerdings steht das neue Nutzungskonzept noch unter einem Finanzierungsvorbehalt. Der schöne Gedanke muss im noch ausstehenden Haushalt auch finanzierbar sein. Während die Stadträte dem räumlichen und inhaltlichen Konzept sehr wohlwollend gegenüberstanden - die Verwaltung hatte Teilen des Stadtrates am Vorabend in einer Ausschusssitzung die Pläne erläutert - waren es die Finanzen, die für eine intensive Debatte sorgten. Denn die Kosten stehen noch nicht fest. FDP-Fraktionschef Andreas Gaa eröffnete den Kritiker-Reigen: "Wir sehen uns außer Stande, der Vorlage, wie sie jetzt ist, zuzustimmen. Es fehlt uns eine Kostenaufstellung."

Oliver Kleis (Linke), Markus Hauck (CDU) und Thomas Berrang (SPD) meldeten ebenfalls Vorbehalte an. Berrang warf ein: "Wenn ich überlege, mit welcher Detailbesessenheit wir über die Baumwollspinnerei diskutiert haben. Und hier sollen wir eine Generalvollmacht geben." Eine Mehrheit für das Konzept war damit zunächst außer Sichtweite. Auf der anderen Seite sagte Mathilde Thiel (Stadtverbands-SPD), einen Zuschuss aus dem Programm "Stadtumbau West" (von einer Zweidrittel-Förderung war die Rede) wäre nur realisierbar, wenn der Rat einen raschen Beschluss träfe.

Heinz Dabrock (Familien-Partei) sprach von einer "einmaligen Chance" und betonte, die ältere Idee von Proberäumen in der Wollspinnerei würde wegen des nötigen Schallschutzes ausgesprochen teuer. Markus Gestier (UCD) sah die Möglichkeit, "Synergieeffekte" zu schaffen. Der Rat habe die Pflicht, sich zu positionieren. Auch Baudirektor Martin Ruck mahnte, ohne Projektantrag ließe sich nicht weiterarbeiten.

Jürgen Berthold von den Grünen machte einen Vermittlungsvorschlag: Mit der Zustimmung sollte sich die Verwaltung verpflichten, eine Kostenaufstellung einschließlich Fördermitteln nachzuliefern. Mehrfach wurde darauf hingewiesen, dass der Rat einen Grundsatzbeschluss fasse. Die Planung werde erst Realität, wenn die Finanzierung dazu steht. Herdis Behmann (SPD) schließlich sagte, mit der Zusage einer nachgereichten Kostenaufstelltung könne ihre Fraktion zustimmen. Damit wendete sich das Mehrheiten-Blatt zugunsten des Projektes.

Nach Auskunft der Stadt sind derzeit ein Lehrerzimmer, ein Elternwarteraum und neun Proberäume in dem ehemaligen Knast vorgesehen. Auch das Hintergebäude soll als Lager einbezogen werden. Der Kauf des Gebäudes kostet die Stadt rund 250 000 Euro.