Aus Stoffen und Farben wird Kunst

Schon als Kind hatte Christiane Kühr viel Spaß am Nähen. Doch aus einem Hobby wurde eine richtige Leidenschaft. Heute entwirft die Textilkünstlerin aus Ormesheim farbenfrohe Werke aus verschiedenen Stoffen und vermittelt in Kursen weltweit gerne ihr Können weiter. Im vergangenen Jahr leitete sie einen Workshop in der Türkei.

Ormesheim. Wenn Christiane Kühr ihre Stoffkisten öffnet, kommt man ins Staunen: Stoffe noch und nöcher; manche einfarbig und sortiert nach Farbverläufen, andere bunt gemustert und nach Farbgruppen zusammengestellt. "Ich sammele zwar noch immer alle möglichen Stoffe, aber seit drei, vier Jahren färbe und bemale ich auch selbst", verrät die 1952 geborene Tochter des saarländischen Malers Fritz Berberich. So kann sie die Intensität und die jeweiligen Nuancen selbst bestimmen, und das erspart ihr mitunter lange Suchaktionen. Denn Christiane Kühr braucht viele Stoffe, weil sie aus ihnen textile Kunstwerke wie Wandbilder oder "Stoffbücher" fertigt. Und das seit vielen, vielen Jahren. Schon als Kind war die im Sulzbacher Stadtteil Schnappach aufgewachsene Frau nicht nur von der Kunst ihres Vaters umgeben, sondern auch von Mutters und Großmutters Nähkünsten. War es doch eine Zeit, in der man zu Hause vieles selber machte - erst recht, wenn die Mutter Hauswirtschaftslehrerin war wie ihre Mutter oder Modistin wie die Großmutter.

In der ganzen Welt unterwegs

Unter ihrer fachkundigen Anleitung lernte die junge Christiane ihre Puppenkleider und Kostüme selbst zu nähen und entdeckte ihre Liebe zur Handarbeit. Doch sie studierte Kunstgeschichte, Germanistik und Slawistik, heiratete, war jahrelang als Buchhändlerin tätig und wurde Mutter dreier Töchter, bevor sie sich ganz intensiv ihrer liebsten Freizeitbeschäftigung zuwandte. 1995, als ihr drittes Kind unterwegs war, entdeckte die Berberich-Tochter die Kunst des Patchworks für sich. Bei der deutschen Patchworkgilde absolvierte sie eine Ausbildung zur Kursleiterin in Patchwork und textilem Gestalten und unterrichtet seit 2002 selbst dieses Kunsthandwerk. "Ich arbeite auch überregional", freut sich die Textilkünstlerin und erzählt von Kursen in Worms, in Österreich und in der Türkei, wo sie im letzten Jahr an der Selcuk Universität in der Provinz Konya im Rahmen eines Workshops unterrichtete. Die jahrelange Übung hat sie in der Anwendung der Handarbeitstechniken so sicher gemacht, dass sie die Grenzen traditionellen Textilgestaltens längst hinter sich gelassen hat.

Spaß am Experimentieren

Gerne experimentiert sie und gestaltet ihre textilen Wandbehänge als Collagen in Kombination textiler und nichttextiler Elemente. Hierbei können Fotos ebenso zum Einsatz kommen wie Texte, Zeitungsausschnitte, Papier, Perlen, Knöpfe und andere Gebrauchsgegenstände, die zum Thema passen. Meist arbeitet die in Ormesheim lebende Frau themenbezogen und setzt Motive, die sie in ihren Skizzenbüchern festgehalten hat, in komplexen Werken um. Sie kreiert Wandbehänge, die wie farbenprächtige Gemälde anmuten und Stoffbücher, die jeweils bestimmten Themen gewidmet sind.

Mal gestaltet sie eher abstrakt, mal gegenständlich, doch eines haben all ihre Werke gemeinsam: Sie besitzen eine große Ausdruckskraft, sind verspielt und zeugen von einer Riesenfreude am textilen Gestalten.

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