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Auf Reisen in die Stadt der Spitzenklöpplerinnen

Auf Reisen in die Stadt der Spitzenklöpplerinnen

St. Ingbert. Zu einer Tagesfahrt nach Mirecourt, die Stadt der Geigenbauer und Spitzenklöpplerinnen, lädt die Katholische Erwachsenenbildung Saarpfalz (KEB) am Samstag, 21. Juli, unter der Leitung von Baudirektor und Architekt Hans-Günter Marschall ein.Am Ufer des Madon in Lothringen, wurde von den Römern die Stadt Mirecourt gegründet

St. Ingbert. Zu einer Tagesfahrt nach Mirecourt, die Stadt der Geigenbauer und Spitzenklöpplerinnen, lädt die Katholische Erwachsenenbildung Saarpfalz (KEB) am Samstag, 21. Juli, unter der Leitung von Baudirektor und Architekt Hans-Günter Marschall ein.Am Ufer des Madon in Lothringen, wurde von den Römern die Stadt Mirecourt gegründet. Bereits seit dem Mittelalter wird hier eine ungewöhnliche Handwerkskunst ausgeübt: der Lautenbau und ab dem 16. Jahrhundert der Geigenbau. Mit strengen Zunftregeln achteten die Mirecourter Geigenbauer auf die Einhaltung hoher Qualitätsstandards und die in den Werkstätten ausgebildeten Lehrlinge waren weit über die Stadtgrenzen hinaus gesuchte Gehilfen.

Sie gründeten eigene Ateliers unter anderem in Paris und Brüssel. Der Geigenbau ist ein recht konservatives Handwerk, und die Herstellung einer Geige ist ein aufwendiges Unterfangen: Bis zu 500 Arbeitsgänge sind erforderlich, meist Handarbeit, und die Bauzeit einer Meistergeige dauert bis zu drei Monaten. Sehenswert sind die dazu notwendigen Werkzeuge, allein die verschiedenen Hobel setzen den Betrachter in Erstaunen. Berühmte Meister haben hier gewirkt: Nicolas Chappuy, Nicolas Vuillaume und Charles Bailly. Auch die Familie des "französischen Stradivarius" Nicolas Lupot hat ihre Wurzeln in Mirecourt. Didier Nicolas gilt als Begründer der fabrikmäßigen Herstellung billiger Geigen, was den Instrumentenbau in Mirecourt bis heute zum bestimmenden Wirtschaftszweig der Stadt werden ließ.

Mit der École Nationale de Lutherie ist Mirecourt das wichtigste Ausbildungszentrum französischer Geigenbauer. Daneben hat sich ein bedeutender Handwerkszweig entwickelt: Die Herstellung von mechanischen Musikinstrumenten wie Leierkästen und Orchestrions. Die Ergebnisse dieser Kunst sind im Maison de la Musique Mécanique zu bewundern. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war ein weiterer bedeutender Wirtschaftszweig die Herstellung von geklöppelter Spitze. Bis zu 20 000 Frauen aus der Stadt und Umgebung arbeiteten, meist in Heimarbeit an der Herstellung dieses Luxusartikels. Im "Haus der Spitze" sind besondere Zeugnisse dieser hohen Handwerkskunst ausgestellt. Die Klöppeltechnik wird hier vorgeführt und kann auch von Besucherinnen versucht werden. Wie immer gibt es bei einem gemeinsamen Mittagessen die Gelegenheit, das Gesehene zu verinnerlichen.

Die Kosten betragen 86 Euro (inklusive Fahrt, Mittagessen, Eintritte und Führungen). red

Weitere Infos und Anmeldung bei der KEB, Telefon (0 68 94) 9 63 05 16 oder E-Mail: kebsaarpfalz@aol.com.