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Auf diesem Bahnhof ist jede Menge los

Auf diesem Bahnhof ist jede Menge los

Tolles Theater mit der Gruppe des TV Nieder- würzbach: Empfehlungen der Bahnhofsvorsteherin schicken Reisende „in die Wüste“ und vieles mehr.

Die Theatergruppe des TV Niederwürzbach "So ein Theater" gastierte am Samstag- und Sonntagabend auf Einladung des Heimat- und Verkehrsvereins Hassel in der dortigen Alten Schulturnhalle. Für die zwei Gastspiele wurde der Aufführungsort am Wochenende zum Bahnhof umgewidmet, ganz im Sinne des Stücks "Ich versteh' nur Bahnhof" von Thorsten Böhner. Man habe das Jubiläum "150 Jahre Eisenbahn in Hassel" als Anlass genommen, um das Stück an die Gleise zu verlegen. Am Eingang stockte man unweigerlich, hing doch dort nicht ein Werbeplakat für diese oder eine andere Veranstaltung, sondern ein großer gelber Fahrplan. Vor der Bühne wies ein Andreaskreuz den Weg zur dahintersitzenden Souffleuse. Das Bühnenbild bestand aus einem großformatigen Bahnhofsfoto, die von zwei geöffneten Schranken umrahmt wurden und einer Wartebank, auf der es sich Stadtstreicher Siggi, ein an seinen Ansprüchen gescheiterter und seine Probleme in Cognac versenkender, ehemaliger Polizist gemütlich gemacht hatte.

Und natürlich dem Häuschen der Bahnhofsvorsteherin, die nicht nur Fahrkarten verkauft, für erkrankte Kollegen die Bahnhofsdurchsage macht und den Kioskverkauf übernimmt, sondern auch gleich noch Bahnreisende umleitet. "Was wollen Sie denn in Hamburg? München ist angesagt", um sie dann doch über Frankfurt nach London zu schicken. Das Argument, die Schwester der Reisenden wohne in der Hansestadt, ließ die geschäftstüchtige Bahnangestellte nicht gelten. Auch Beziehungen werden am Bahnhof begonnen und beendet. Da sucht einer im Schweinchenkostüm nach einem alkoholgeschwängerten Junggesellenabschied seine Braut, die seine Kumpels noch gar nicht kennen. Können sie auch nicht, denn der Bräutigam war nicht der Kostümierte, sondern sein Kumpel.

Die Auflösung gibt es aber erst später im Stück. Eine zweite Braut machte die Verwechslung perfekt. Sie wollte einen "bahnhofsbekannten" Gigolo ehelichen und gab am Schluss dem genervten, bereits verheirateten Mann einer stetig Unzufriedenen den Vorzug. Immer wieder betrat Nancy, eine Prostituierte, den Bahnsteig. Sie schleppte ein Muttersöhnchen ab, das den richtigen Weg nur mit dem Navi seiner Mutter fand. In der Geschichte ging es um Vorurteile gegenüber der "Holzklasse", darum, dass auch eine Frau, die auf dem Bahnhof gefühlte zehn Jobs innehat, kaum mit ihrem Privatleben klarkommt, um eine skrupellose Politikerin und um Snobs, deren größte Probleme verkleinerte Löcher auf dem Golfplatz und ein um ein paar Cent erhöhter Mitgliedsbeitrag im Rolls-Royce-Club sind. Köstlich auch die Geschäftsfrau, die trotz der erfolgreichen gleichzeitigen Kommunikation mit drei Gesprächspartnern am Telefon, die Nerven bei der telefonischen Fahrkartenreservierung verliert. Oder die Mutter der einen Braut, die zwar hochnäsig ist, aber beim Publikum als Schauspielerin auf der Bühne gut ankommt.

Die Zuschauer genossen die Aufführung in vollen Zügen, es gab viel Szenenapplaus für die mehr als 20 spielfreudige Akteure, die sich als Ensemble während der Proben nur einmal vollzählig getroffen hatten. Wie die Leiterin der Theatergruppe, Veronika Kiesel, sagte, musste wegen Krankheitsfällen innerhalb der Truppe mehrmals umbesetzt werden, die "Bahnhofsputzfrau" lernte ihre Rolle gar an einem Tag. Das Zusammenspiel klappte und die Zuschauer verließen begeistert den Warteraum des Hasseler Bahnhofs, der sich am vergangenen Wochenende in der Schulstraße befand.