Auch mal auf die Jungen hören

Hohe Wellen hat in dieser Woche unsere Berichterstattung über die jüngste Blieskasteler Stadtratssitzung geschlagen, in der Grüne und CDU eine Entschuldigung der SPD angemahnt hatten, nachdem SPD-Ratsmitglied Hannelore Eschenbaum in der Ratssitzung zuvor im November Konzentrationszonen für Windenergie mit Konzentrationslagern verglichen hatte

Hohe Wellen hat in dieser Woche unsere Berichterstattung über die jüngste Blieskasteler Stadtratssitzung geschlagen, in der Grüne und CDU eine Entschuldigung der SPD angemahnt hatten, nachdem SPD-Ratsmitglied Hannelore Eschenbaum in der Ratssitzung zuvor im November Konzentrationszonen für Windenergie mit Konzentrationslagern verglichen hatte. Etliche Telefonate und Mails gingen in der Redaktion in Blieskastel ein. Außer einer Leserin, die Eschenbaums absurden Vergleich wenn nicht verteidigte, so doch Verständnis für die 68-jährige Böckweilerin forderte, herrschte helle Empörung. Keine Reaktion kam indes von den Sozialdemokraten, die offenbar im vorweihnachtlichen Trubel andere Dinge zu erledigen haben. Dabei wäre die Sache ganz leicht aus der Welt zu schaffen gewesen: Man hätte erklären können, SPD-Ratsneuling Eschenbaum hätte sich voller Engagement für ihren Heimatort vergaloppiert, für die Passage mit den Konzentrationslagern bitte man um Entschuldigung. Dass Eschenbaum jedoch ausgerechnet dem Grünen Martin Dauber dann noch "lückenhafte Geschichtskenntnisse" vorwarf, war ebenfalls borniert, weiß man doch, dass Hobby-Geschichtsforscher Dauber sich intensiv mit der Geschichte der Juden in Blieskastel beschäftigt hat. Dass SPD-Fraktionschef Achim Jesel die halbseidene Erklärung abgab, er hätte den Vergleich mit dem Kontrationslager nicht gezogen, hat ganz und gar nicht überzeugt. Er hätte seine Fraktionskollegin zu einer Entschuldigung drängen müssen. Da hat der SPD-Nachwuchs anders reagiert. Die Blieskasteler Jusos haben gefordert, dass die SPD-Fraktion sich öffentlich von diesem Vergleich distanziert und Eschenbaum empfohlen, "sich für diese mehr als unpassende Aussage im Stadtrat zu entschuldigen. Konzentrationslager sind kein sprachliches Vergleichsmittel, die Verwendung des Wortes in einem anderen Zusammenhang ist eine entsetzliche Verharmlosung der Geschichte und eine Beleidigung an alle Leben, die dort genommen wurden". In diesem Fall sollten die Alten mal auf die Jungen hören. Es ist nicht fünf, sondern eine Minute vor zwölf.