Auch das Erwartete überrascht

In diesem Jahr musste man nicht lange recherchieren, welcher St. Ingberter am häufigsten im Lokalteil erwähnt wurde. Das war eindeutig Albert Weisgerber . Anlässlich seines 100. Todestages hatte St.

Auch Sonderstempel erinnerten an das Weisgerber-Jahr. Foto: voj. Foto: voj
Baustellen satt: Wie hier in der Kohlenstraße prägten Bagger und Baken das St. Ingberter Straßenbild. Foto: Yvonne Handschuher. Foto: Yvonne Handschuher

Ingbert 2015 zum Weisgerber-Jahr erklärt. Ein vielfältiges Programm mit Ausstellungen, Lesungen, Vorträgen und Führungen erinnerte an viele Facetten aus dem Leben und Schaffen des bekanntesten Künstlersohns der Stadt. Zum Dreh- und Angelpunkt des Weisgerber-Gedenkens entwickelte sich dabei in unveränderter Ermangelung eines Kunstmuseums das frühere Sinn-Gebäude in der Kaiserstraße. Im dort geschaffenen Weisgerber-Veranstaltungshaus fand am 10. Mai, dem Todestag Weisgerbers, eine bemerkenswerte Matinee statt. Gleich zwei Mal wurden zudem Weisgerber-Werke lebendig. Das "Chorfest" bildete im Juli das Motiv eines Sängertreffens in der Luschd, die "Gesellschaft im Freien" war im September Vorbild eines Picknicks in der Gustav-Clauss-Anlage. Neben zahllosen Schülerarbeiten und mehreren Kalendern wirkt auch das Veranstaltungshaus in der Künstler-Erinnerung weiter. Und noch über das Jahresende hinaus zeigten 23 St. Ingberter Kunstschaffende im ehemaligen Sinn Gebäude Werke, die in der Auseinandersetzung mit dem Schaffen und der Person Weisgerbers entstanden sind. Das Weisgerber-Jahr war weit mehr als eine Pflichtaufgabe. St. Ingbert zeigte sich wirklich als die Weisgerber-Stadt.

Eine andere Kunst, nämlich die der Willkommenskultur, war dann beim schlagzeilenträchtigen Thema Flüchtlinge gefordert. Dass die Aufnahme von Asylsuchenden ein Thema sein wird, zeichnete sich schon zu Jahresbeginn ab. Wie viele Menschen - vor allem aus Syrien, Eritrea und Afghanistan - in die Mittelstadt kommen würden, zeigte sich erst nach und nach. Bis Weihnachten war die Zahl der Flüchtlinge auf fast 700 gestiegen. Die meisten fanden in St. Ingbert-Mitte Unterkunft, in den Stadtteilen einige in Privatwohnungen, in denen im ganzen Stadtgebiet auch eine dreistellige Zahl von Flüchtlingen eine Bleibe fand. Um die Neuankömmlinge unterzubringen mussten zunehmend größere Gebäude mit Etagenbetten bestückt werden. Im August war dies die ehemalige Schillerschule. Neben 81 Aufnahmeplätzen dort wurde wenig später auch die dortige Schulturnhalle genutzt. Der Flüchtlingsstrom war eine Aufgabe, der auch in der Stadtverwaltung immer mehr Personal widmen muss. Im November richtet die Stadtverwaltung eine Stabsstelle Integration ein, die Verwaltungs-, Sozialdienst-, Sprachmittler- und Wohnraumbeschaffungsaufgaben bündelt. Neuer Sitz der Stabsstelle und der städtischen Abteilung für Soziales und Familie ist seit Ende November das alte Arbeitsamt in der Spitalstraße. Dass man dort am Jahresende optimistisch blieb, die Aufnahme von Flüchtlingen im Griff zu behalten, hatte aber auch mit dem Einsatz vieler ehrenamtlicher Flüchtlingshelfer zu tun. Eine wichtige Anlaufstelle für die Freiwilligen und die Flüchtlinge war das Möbellager im ehemaligen Kindergarten St. Pirmin.

Der Landesbetrieb für Straßenbau ließ Ampelanlagen und der Abwasserbetrieb Kanäle oder Bachdurchläufe erneuern, die Stadtwerke verlegten Leitungen und die Bahn sicherte den Damm vor dem St. Ingberter Bahnhof. Baustellen in der Innenstadt waren das ganze Jahr über ein Thema. Verkehrsänderungen ergaben sich fast im Wochentakt. Und keine Straße in der Innenstadt blieb unberührt: Kohlen-, Otto-Toussaint-, Post-, Schlachthof- oder Kapellenstraße, Am Maxplatz oder Theodor-Heuss-Platz - alle waren sie mal mit Bauarbeiten an der Reihe, oft gleichzeitig. Der Reigen der neuen Baustellen begann 2015 mit dem Bahndamm entlang der Alten Bahnhofstraße Auch hier Umleitungen, ein bisschen Improvisation, längere Bauzeit als versprochen. Aber hier gab es auch bis Dezember ein Ende der Arbeiten. Und der neue Sandstein-Bahndamm kann sich sehen lassen, wie unser Foto ganz oben links zeigt.

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