Archiv-Schatz kommt unvermutet

Ein überraschender Fund beglückt Stadtarchivar Dieter Wirth: Aus einem Keller im bayrischen Gauting hat er Schriften und Dokumente des bekannten Heimatforschers Wolfgang Krämer nach St. Ingbert gebracht.

Er war ein Mann des geschriebenen Wortes. Wenn andere Ferien machten oder es sich einfach nur gut gehen ließen, vergrub sich Wolfgang Krämer in Archiven und versuchte dem Chaos schriftlicher Dokumente aus vergangenen Jahrhunderten Ordnung zu verleihen, der Geschichte eine Linie zu entlocken. Ein Job für Leute, die ein großes Maß an geistiger Ausdauer in sich tragen. Der Lehrer und spätere Schulrektor hat aus seinem Wissen Bücher gemacht. Seine Arbeit hat ihm große Achtung eingetragen. Dr. Wolfgang Krämer ist Ehrenbürger der Stadt St. Ingbert, nach ihm ist eine Straße benannt. Er ist auch Ehrenbürger der Stadt Gauting in Bayern, seiner Wahlheimat. Die "Geschichte der Stadt St. Ingbert", ein knapp 500-Seiten-Wälzer, ist ein Standard-Werk, wenn es um die Historie der Mittelstadt geht.

Krämers Nachlass steht im Rathaus-Archiv, ist in mehreren Tranchen schon zu Krämers Lebzeiten von 1955 bis in sein Todesjahr 1972 nach St. Ingbert gekommen. Doch überraschenderweise ist damit noch nicht das letzte Kapitel der Geschichte geschrieben. Stadtarchivar Dieter Wirth hat nämlich vor einigen Tagen einen neuen Schwung an Material bekommen aus dem einstigen Krämerschen Wohnhaus. Kaum zu glauben. Nach Wirths Auskunft gab es in dem Haus, das heute die Enkel des Philologen und Historikers bewohnen, einen Kellerraum, der über 40 Jahre lang unbeachtet blieb. Einen Kofferraum voll mit Schriften und Aufzeichnungen hat der Archivar im Kofferraum seines Autos aus Gauting ins Saarland gebracht. Eine kleine Sensation für den Herrn über die St. Ingberter Vergangenheit: Das Material scheint gut erhalten, obwohl es in einem Kellerraum ohne Fenster und Lüftung gelagert war. Von Manuskripten, etwa über das Eisenwerk St. Ingbert, aber auch Archivalien der Grafschaft von der Leyen, berichtet Wirth. Ein besonderer Glanz liegt in seinem Blick, wenn er sagt: "Da sind Stücke dabei aus dem 18. Jahrhundert."

Derzeit säubert der Archivar die Bücher und Hefte, sortiert, was der Zufall ihm in die Hände gespült hat. Ein kleiner kulturhistorischer Schatz sind die Schriften für Wirth allemal. 2015 jährt sich Krämers Geburtstag zum 150. Mal. Eine Ausstellung wäre schön, sagt Wirth. Aber ob er bis dahin die neuen Unterlagen des St. Ingberter Ehrenbürgers entsprechend gesichtet hat, sei unklar. Jedenfalls hat er in Gauting schon einmal nachgefragt, ob nicht gemeinsam eine Publikation über Krämer möglich wäre. Material dafür gibt es jedenfalls genug.

 St. Ingberts Oberbürgermeister Hans Wagner (links) und Archivar Dieter Wirth zeigen einige Funde. Foto: Hassdenteufel/Stadt
St. Ingberts Oberbürgermeister Hans Wagner (links) und Archivar Dieter Wirth zeigen einige Funde. Foto: Hassdenteufel/Stadt Foto: Hassdenteufel/Stadt

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Zur Person Wolfgang Krämer ist am 16. Juni 1885 in Schnappach geboren und starb am 31. Oktober 1972 in Gauting nahe München. Neben seinen historischen Schriften schrieb er auch Heiteres wie die "Lukasburger Stilblüten". Ein wichtiger Fund für seine Forschungen war das fürstlich Leyensche Privatarchiv in Schloss Waal in Schwaben. mbe